Weilheim / Von Hardy Kromer  Uhr
Kampfabstimmung in Weilheim vor 80-köpfiger Rekordkulisse: Der Stimmenkönig der Ortschaftsratswahl setzt sich mit 5:2 gegen Josef Wolf durch und folgt nun Ingrid Riester als Ortsvorsteher.

Fast zeitgleich mit Ursula von der Leyens Wahl zur neuen EU-Kommissionspräsidenten ging auch in Weilheim eine mit großer Spannung erwartete Abstimmung über die Bühne. Im westlichen Stadtteil von Hechingen war das Ergebnis indes klarer als in Straßburg: Gerd Eberwein wurde mit 5:2 Stimmen in geheimer Wahl zum neuen Ortsvorsteher gekürt. Nur der Hechinger Gemeinderat muss noch zustimmen.

Man muss es wohl einen Oppositionssieg nennen. Eberwein, 51-jähriger Verwaltungsbeamter und Sportvereinschef, war mit einer nur zweiköpfigen Liste „Wir für Weilheim“ zur Ortschaftsratswahl angetreten, avancierte beim Urnengang am 26. Mai zum unangefochtenen Stimmenkönig und hat nun – dank erfolgreicher Koalitionsverhandlungen mit Michael Zinnebner und Tobias Kopf – Josef Wolf, den Listenkollegen, bisherigen Stellvertreter und Wunsch-Nachfolger von Ortsvorsteherin Ingrid Riester klar aus dem Feld geschlagen. Eberwein hatte sich am Dienstagabend vor der Rekordkulisse von 80 Bürgern im proppevollen Schulsaal selbst als Dorfchef vorgeschlagen, Josef Wolf warf ebenfalls selbst seinen Hut in den Ring.

Für die Riester-Wolf-Liste blieb am Ende kein Amt mehr übrig. Die beiden Stellvertreter-Posten gingen – ebenfalls geheim und sogar einstimmig – an den Polizeibeamten Michael Zinnebner und den Rettungsassistenten Tobias Kopf, die zusammen auf der Liste „Gemeinsam für Weilheim“ kandidiert hatten.

Klare Fronten also bei den Abstimmungen, aber ansonsten demonstrative Harmonie und Gelassenheit in dem Dorf, das wegen dreier konkurrierender Wahlvorschläge Schlagzeilen geschrieben hatte. Ingrid Riester, die schon rechtzeitig vor der Kommunalwahl angekündigt hatte, nach 20 Jahren als Ortsvorsteherin aus privaten Gründen aufzuhören, gratulierte dem Wahlsieger, äußerte ihre Hoffnung auf eine konstruktive Zusammenarbeit und auf „richtige Entscheidungen für Weilheim“. Auf ihren Nachfolger, so sagte sie, warteten „viele angefangene und angeleierte Sachen“. Ingrid Riester, die weiterhin dem Gemeinderat und dem Ortschaftsrat angehört, bot ihren Rat an, „wenn ich gefragt werde“.

Gerd Eberwein dankte für das Vertrauen und kündigte an, er wolle die Politik für Weilheim „aktiv erhalten und gestalten“ (womit er den Wahlslogan der Riester-Wolf-Liste zitierte). Er wolle ein Ortsvorsteher sein, der zuhören wolle, um zu erfahren, „wo der Schuh drückt“, Ideen und Anregungen aufgreifen und mit dem Ortschaftsrat zusammen in die Tat umsetzen.

Schließlich gab es noch Blumen für Ingrid Riester. Ihr Stellvertreter Josef Wolf überreichte den Strauß mit Dank „im Namen der Ortschaftsräte und der Weilheimer für alles, was du in 20 Jahren getan hast.“ Jetzt, so Wolf zu Riester, sei es wohl Zeit, das Ruder loszulassen. „Du wolltest das, und die Wähler wollten das auch so.“

Ingrid Riester sagte zum Abschied, sie könne nach 20 Jahren „mit sehr ruhigem Gewissen abtreten“. Man habe in dieser Zeit gemeinsam doch sehr viel bewegt. Jetzt sei sie erleichtert, sich wieder mehr der Familie und überhaupt dem Privatleben widmen zu können, das doch lange Zeit habe in den Hintergrund treten müssen.

Am Anfang der Sitzung war es noch Ingrid Riester selbst gewesen, die Geschenke verteilt hatte. Im Namen des baden-württembergischen Gemeindetages ehrte sie Josef Wolf und Karl-Anton Heck für zehnjährige Mitwirkung im Ortschaftsrat mit Urkunde und Ehrennadel.

Heck wurde gleichzeitig aus dem Gremium verabschiedet, ebenso wie die zweite stellvertretende Ortsvorsteherin Petra Haid, Ulrike Murawski und Daniela Trivic. Sie alle erhielten als Geschenk ein Weilheim-Aquarell, ganz aktuell mit Störchen auf dem Kirchturm.