Der Platz im Gemeindesaal reichte nicht aus, Bürgermeister Harry Frick entschied sich deshalb dafür, das Ergebnis der Bürgermeisterwahl im Freien bekannt zu geben. Wo unzählige weitere Junginger Bürger warteten.

Gewonnen hat Oliver Simmendinger, der beim ersten Urnengang 331 Stimmen erzielte (44,9 Prozent) und sein Ergebnis am Sonntag um 55 Stimmen steigern konnte (50,5 Prozent), nur minimal zugelegt hat Michael Stehle. Er vereinigte beim ersten Anlauf 132 Stimmen auf sich (17,9 Prozent), holte beim gestrigen Versuch aber nur zwei weitere mehr (17,5 Prozent). Jürgen Kleinmann hat dagegen Stimmen verloren. 275 Junginger wollten ihn im Dezember als Bürgermeister sehen (37,3 Prozent), jetzt erhielt er 31 weniger (31,9 Prozent). Verbessert hatte sich die Wahlbeteiligung von 67,1 auf 69,1 Prozent.

Ein Versprechen an die Bürger

Nach dem ersten Applaus trat Oliver Simmendiger vor die Bürger. „Ich bin überwältigt von diesem hammermäßigen guten Ergebnis. Ich habe mir so sehr gewünscht, das 50-Prozent-Ergebnis zu knacken“, sagte der 44-jährige Diplom-Betriebswirt (BA). Mehr als 50 Prozent der Stimmen, das sei ein klares Votum. Er wolle sich dieses Vertrauens würdig erweisen und werde sich „mit voller Kraft – und auch mit Harmonie – für die Gemeinde und die Bürger einsetzen“ – das verspreche er.

Simmendinger dankte weiterhin den beiden Mitbewerbern  dafür, dass es ein fairer Wahlkampf gewesen sei. Dem Junginger Jürgen Kleinmann rief er zu: „Jürgen, ich hoffe, dass wir beide weiter so klarkommen wie bisher.“ „Es wird sich nix verändern“, rief der unterlegene Kleinmann zurück. Ebenso wie Michael Stehle stand der Diplom-Verwaltungswirt (FH/Polizei) im Kreis der Bürger auf dem Hof.

Gerade noch eingefallen: „Ich nehme die Wahl an“

Weiter dankte Simmendinger seiner Familie und seinen Unterstützern. „Ich bin überwältigt“, wiederholte er, „mir fehlen die Worte.“ Woraufhin ihm aber doch noch einfiel: „Ach ja, selbstverständlich nehme ich die Wahl an!“ Die Anwesenden quittierten es mit herzlichem Gelächter. „Die Rechnung geht heute auf mich“, schloss der frisch gebackene Bürgermeister seine kurze Ansprache. Und lud damit die Anwesenden nach drinnen zum Wahlbier ein.

Bevor es soweit war, gratulierten jedoch zunächst der angereiste Landrat Günther-Martin Pauli, Bürgermeiser Roman Waizenegger aus Bisingen und Johann Widmaier aus Rangendingen, Pfarrer Herbert Würth, zudem die Junginger Bürger und auch die abgeschlagenen Mitbewerber. All das unter den Klängen des Musikvereins.

Sowohl Stehle wie auch Kleinmann blieben, um mit dem Sieger anzustoßen, noch geraume Zeit im Bürgersaal. „Ich gehe sauber aus dieser Sache raus“, sagte Michael Stehle gegenüber der HZ. Er habe seinen Wahlkampf in vergangenen Wochen nochmals erheblich forciert. „Aber es hat halt nicht gepasst, die Junginger haben so entschieden, wie es jetzt ist.“ Was bleibe, das sei die Verwunderung darüber, dass die Hervorhebung seiner Kompetenz als Diplom-Verwaltungswirt nicht mehr Stimmen gebracht habe. „Die Junginger haben sich für Harmonie entschieden“, meinte der 41-Jährige in Anspielung auf das von Simmendinger während des Wahlkampfes oft gebrauchte Wort.

Bedauern der Unterstützer für Michael Stehle

Im Anschluss sah man immer wieder Junginger, offensichtlich Wähler von Stehle, die ihm  die Hand schüttelten und dem Weildorfer ihr Bedauern für das niedrige Ergebnis aussprachen. Und dafür, wie der ganze Wahlkampf für ihn gelaufen sei.

Von einem „klaren Ergebnis“ sprach auch Jürgen Kleinmann. Er sehe den Ausgang nicht als persönliches Scheitern. „Ich bin froh diese Chance ergriffen zu haben, diese Lebenserfahrung nimmt mir keiner. Alles hat im Leben seinen Sinn, und es gibt immer im Leben neue Chancen.“ Er habe einen mutigen, klaren und sauberen Wahlkampf geführt und sei stolz auf das Ergebnis.

Dank sagte der Junginger seiner Familie, seinen Unterstützern und Wählern. „Oliver Simmendinger gratuliere ich zur Wahl und wünsche ihm alles Gute im Amt. Als einen „tollen Vertrauensbeweis“ bezeichnete nicht zuletzt Harry Frick das Wahlresultat.

Oliver Simmendinger wiederum – jetzt ebenfalls mit Bierpulle in der Hand – verriet im Gespräch mit der HZ, er sei sich angesichts seines Vorsprungs von 50 Stimmen einigermaßen sicher gewesen, das Rennen zu machen. Aber eben nur einigermaßen. „Es hätte vielleicht doch noch Spitz auf Knopf kommen können.“ Nun sei er erleichtert, und eine Riesenlast sei von ihm abgefallen.

Zeitpunkt des Amtsantritts noch ungewiss

Wann er sein Amt antritt? Wenn sein jetziger Arbeitgeber darauf bestehe, könne er wegen der Kündigungsfrist erst am 1. April ins Rathaus einziehen. Da Harry Frick seinen Sessel auf jeden Fall am 29. Februar räumen will – das bekräftigte der Noch-Schultes an diesem Wahlabend – würde ein Monat ohne Gemeindechef zu überbrücken sein. Außer Webasto, wo Oliver Simmendiger arbeitet, ließe ihn  früher ziehen.

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