Eugénie Hortense Auguste Napoléone de Beauharnais, Prinzessin von Leuchtenberg: Welchen Glanz verbreitet dieser Name noch heute in der Hechinger Bevölkerung! Als Gemahlin des Erbprinzen und späteren Fürsten Konstantin von Hohenzollern-Hechingen war sie für ihre Wohltätigkeit, Frömmigkeit und Volksnähe bekannt.

Dem Leben und Wirken der Fürstin Eugénie war am Mittwoch das Ohrenkino, der allmonatliche Leseabend in der Villa Eugenia, gewidmet. Um den Besucherandrang zu bewältigen, hatte der Förderverein anstatt des sonst üblichen Trauzimmers die Rotunde des Gebäudes als Veranstaltungsort gewählt. In Anwesenheit der stilvoll gekleideten Hechinger Hofdamen eröffnete Anita Maultzsch den Abend mit der Lesung aus Horst Joseph Kleinmanns Buch „Bewegte Tage in Hohenzollern“.

Es beginnt mit der Eröffnung der Grabkammer vor dem Hochaltar in der Stiftskirche, in der Eugénie und ihr Gemahl Konstantin beigesetzt worden waren, beschreibt dann die pompösen Hochzeitsfeierlichkeiten im Dom zu Eichstätt am 22. Mai 1826 und schließlich den begeisterten Empfang der Bilderbuchprinzessin im festlich geschmückten Hechingen.

Dazwischen gestreute Ausflüge in den Adels-Almanach gaben Auskunft über die Familie der am 22. Dezember 1808 in Mailand geborenen und am 1. September 1847 verstorbenen Fürstin. Sie war die zweitälteste Tochter von Eugène de Beauharnais, dem Stief- und Adoptivsohn von Napoleon I., und dessen Ehefrau Prinzessin Auguste Amalie von Bayern. Ihre elterlichen Verhältnisse waren in jeder Hinsicht fürstlich. Zunächst wohnte das Paar auf Schloss Lindich. Den Erlös des von Eugenie verkauften Schlosses Eugensberg/Bayern verwendete das Erbprinzenpaar zum Umbau der Villa Eugenia. Das Gasthaus „Zur Silberburg“ wurde zum Gästehaus für die adligen Verwandten umgestaltet. Die umliegenden Gärten wurden ebenfalls aufgekauft und als englischer Landschaftsgarten – heute Fürstengarten – angelegt. Es war die Zeit des „orpheischen Hechingen“. Berühmte Persönlichkeiten waren Gäste des Hechinger Fürstenpaares waren Eugenies Vetter Kaiser Napoleon III., Hector Berlioz und Franz Liszt. Eugénie blieb kinderlos und suchte Trost in einer zunehmenden Frömmigkeit. Als Wohltäterin wurde sie von der Bevölkerung geliebt. Sie gründete ein Altersheim, eine große Kinderbewahranstalt und kümmerte sich um Arme und Kranke. Als sie selbst an Tuberkulose erkrankt war, wurde sie von ihren Ärzten mit kuriosen Methoden behandelt. Dazu gehörte das Inhalieren von Kuhdungdämpfen und das Verbrennen von Moxastäbchen auf ihrer Brust. Im Sommer 1847 begab sich Eugénie zur Kur nach Badenweiler; sie starb auf der Rückreise in Freudenstadt am 1. September 1847.

Der Rabbiner Dr. Samuel Mayer stellte ihr anlässlich einer Trauerfeier das wohl schönste Zeugnis aus: „Ich rede nur von der Größe ihrer Seele, die ihr namenlose Liebe erwarb. Einfach und natürlich war ihr Gewand; Bescheidenheit ihr schönstes Diadem und Anspruchslosigkeit ihre kostbarste Perle. Sie liebte unsere Kinder, erquickte die Kranken, sie erfreute die Armen und stärkte die Schwachen...“ Eugénie wurde in der Stiftskirche beigesetzt. Ihr Herz, das auf Wunsch ihrer Mutter in der Hauskapelle des Palais Leuchtenberg in München in einer Urne verwahrt wurde, fand 1952 in einer Nische der Stiftskirche seinen Platz.

Franz-Josef Heukamp ergänzte den literarischen Text mit historisch belegten Fakten. Seine Ausführungen umfassten zusätzliche hochinteressante Details über das macht- und familienpolitische Ränkespiel Napoleons I.

Mit den „Polowetzer Tänzen“ von Alexander Borodin und dem Lisztschen Liebestraum schuf Horst Hengstler einen stimmungsvollen Rahmen, dem die Hechinger Hofdamen zusätzliche Aura verliehen.