Es war der letzte Abend im August, als die Burladinger Unternehmerfamilie Grupp in Rom plötzlich ohne ihre Koffer da stand. Und das unmittelbar vor einem Galadinner auf dem Aventinhügel im Vorfeld einer Privataudienz bei Papst Franziskus, zu dem der Trigema-Chef, seine Frau und seine beiden Kinder eingeladen waren. Mit den Reiseklamotten, die sie am Leib trugen, konnten Elisabeth Grupp, Bonita Grupp und Wolfgang Grupp junior unmöglich am Sitz des Malteserordens über dem Vatikan aufschlagen. Denn selbstredend galt für das vornehme Dinner eine strenge Kleiderordnung.

Um sich wie vom Protokoll verlangt kleiden zu können, blieb den Grupps nur, unmittelbar nach der Landung per Taxi Roms Kaufhäuser und Boutiquen anzusteuern. Elisabeth und Bonita Grupp, so sickerte durch, erstanden auf die Schnelle je zwei passende dunkelblaue Kleider mit langen Ärmeln von Claudie Perliot. Wolfgang Grupp junior kaufte nebst Hemden und Krawatten von Boggi einen Anzug, der freilich erst noch gekürzt werden musste. Für das neue Outfit habe man „zwischen 800 und 900 Euro pro Person“ ausgeben müssen, erzählte der Trigema-Juniorchef der HZ.

Die Rechnung dafür schickte sein maßlos verärgerter Vater unmittelbar nach der Heimkehr nach Burladingen der Lufthansa-Tochter Eurowings. Mit deren Maschine war die Unternehmerfamilie nämlich von Stuttgart nach Rom geflogen. Und Eurowings-Mitarbeiter hatten es versäumt, die Koffer von Frau und Kindern zusammen mit Wolfgang Grupps Koffer aufzugeben.

Bittere Pointe einer Posse

Doch das war nur die bittere Pointe einer Posse, die schon vor dem Abflug begann. Wolfgang Grupp senior hatte am Stuttgarter Flughafen gerade samt Gepäck für den Eurowings-Flug nach Rom eingecheckt, als ihm mitgeteilt wurde, für seine Angehörigen sei kein Platz mehr, weil wegen technischer Probleme eine kleinere Maschine eingesetzt werde. Um überhaupt noch eine Chance zu haben, Rom rechtzeitig für das abendliche Galadinner zu erreichen, ließ sich die Familie zähneknirschend auf die Warteliste setzen. Ihr Gepäck wurde derweil als „standby“ deklariert. Als dann tatsächlich noch Plätze für die ganze Familie frei wurden, muss der Eurowings-Mitarbeiter offenbar versäumt haben, das „Standby“-Gepäck mit aufzugeben. In Rom gelandet, hatte jedenfalls nur das Familienoberhaupt seinen Koffer.

Der Trigema-Chef war denn auch der Einzige, der das Galadinner pünktlich erreichte. Sohn Wolfgang kam nach der unfreiwilligen Shoppingtour durch die Herrenboutiquen mit etwas Verspätung im Vatikan an, Elisabeth und Bonita Grupp gar erst nach dem Dessert.

Daheim in Burladingen, schrieb Wolfgang Grupp dem Lufthansa-Aufsichtsratsvorsitzenden Karl-Ludwig Kley einen geharnischten Brief. Darin heißt es: „Dieser Umgang mit Ihren Passagieren und das, was man den Passagieren zumutet, darf nicht normal sein. (...) Ich glaube, dass gerade der Aufsichtsrat die Aufgabe hat, ein solches Geschäftsgebaren zu ändern und dafür zu sorgen, dass der Passagier wieder wie ein normaler Kunde behandelt wird.“

Der Trigema-Chef bekräftigte in diesem Zusammenhang seinen bereits nach früheren Enttäuschungen gefassten Entschluss, Flüge der „von Gier, Größenwahn und Unfähigkeit“ getriebenen Lufthansa-Group zu meiden, wo immer es nur geht. Innerhalb von Deutschland, so hatte Grupp schon vor Wochen in einem Fernsehinterview gesagt, werde er künftig vermehrt mit der Bahn, mit dem Auto oder mit dem Firmenhubschrauber reisen.

Die gute Nachricht zum Schluss: Gänzlich vermochten die mutmaßlichen Fehlleistungen der Fluggesellschaft den Grupps ihren Rom-Trip doch nicht zu vermiesen. Am Mittag nach dem verkorksten Galadinner erreichten sie pünktlich den Vatikan, wo alle vier Familienmitglieder die Ehre hatten, Papst Franziskus während einer Privataudienz im Kreise von etwa 100 Menschen die Hand zu schütteln.

Schon früher fühlte sich Grupp blamiert


Das Maß des Ärgers über die Lufthansa war für Wolfgang Grupp schon Wochen vor dem Rom-Trip voll. In Berlin sollte er vor 400 Unternehmern einen Vortrag halten. Und die mussten über eine Stunde lang auf den verspäteten Referenten warten, der von einem Eurowings-Flieger zu spät befördert worden war. „Es war eine Blamage für mich“, sagte Grupp und schwor sich schon damals: „Mit der Lufthansa-Gruppe fliege ich nicht mehr.“ hy