Hechingen Ohne aufgeregte Gesten

SPA 27.08.2015
In einer Serie stellt die HZ die preisgekröten Bauten des Auszeichnungsverfahrens "Beispielhaftes Bauen im Zollernalbkreis 2009 bis 2015" vor. Wir starten mit dem Einfamilienhaus in der Taubenschmidstraße 28.

Es ist ein imposantes Haus, ein ziemlich großes Haus für die kleine Familie, der es gehört. Es thront auf dem Killberg, weiß wie ein Kreidefelsen. Der Blick auf Hechingen und die Burg Hohenzollern ist geradezu atemberaubend. Wie selbstverständlich steht es da. Aufgeregte Gesten oder vielfältiger Materialmix fehlen ganz. Zurückhaltung ist das Markenzeichen des Einfamilienhaus in der Taubenschmidstraße 28. Das fiel der Jury der Architektenkammer Baden-Württemberg sofort auf - und gefiel.

In der Beurteilung zur Auszeichnung heißt es: "Die plastische und präzise Aussage des Hauses entsteht durch eine Reduktion von Details und durch eine schlaue baukörperliche Verbindung der Nebengebäude mit dem Haupthaus. In einem klassischen Neubaugebiet strahlt diese Verschmelzung eine wohltuende Ruhe aus und distanziert sich vom typischen additiven Konzept der Einfamilienhäuser mit separaten Garagen- und Abstellgebäuden. Das Haus besticht in seinem heterogenen Umfeld durch seine zurückhaltende Art."

Das Haus trägt die Handschrift des Hechinger Architekten Max Schetter. Er ist kein alltäglicher Vertreter seiner Zunft, ein sehr zurückhaltender Mensch. Ein Haus nach den Wünschen und Vorstellungen der Bauherren zu planen und dabei das Umfeld des Baugrundstücks genau zu studieren und zu interpretieren, bedeute "große Mühe", sagt er. Insofern sei der Architekturpreis für ihn eine Bestätigung: "Wenn jemand das Ergebnis dieser Mühe gut findet, freut mich das." An seiner Grundeinstellung und Arbeitsweise werde sich durch die Auszeichnung aber nichts ändern: "Ich plane für unterschiedliche Menschen und für unterschiedliche Orte. Das ist etwas sehr Individuelles. Häuser sollten einen Ort charakterisieren, aufwerten und definieren, Persönlichkeit und Charakter besitzen." Häuser, "die überall stehen könnten", sind Schetters Sache nicht. Er hat den ganzheitlichen Blick - der sogar ein Bibelwort mit einbezieht: "Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen" (Psalm 127/1).

Für Max Schetter kommt dem Bauplatz eine entscheidende Bedeutung zu: "Ein Haus kann man abreißen und wieder neu bauen, der Bauplatz bleibt". So habe er es auch sehr begrüßt, dass die Bauherren aus der Taubenschmidstraße ihn, ihren Architekten, schon bei der Auswahl des Baugrundstücks mit einbezogen haben.

Im Telegrammstil lässt sich das 2013 fertiggestellte, preisgekrönte Haus so beschreiben: Situation: Einfamilienwohnhaus mit Büro und großzügiger Zugangs- und Parkierungssituation für eine junge Familie; Lage: Stadtrandgebiet an südlicher Hangkante mit Blick auf das Albtrauf; Bauwerk: Alle Funktionen sind in einer entsprechend der typischen, leicht hügeligen Voralpenlandschaft geprägten, ruhigen Großform zusammengefügt. Außenbereiche wie Zugang und Loggia sind im Baukörper integriert und damit sehr geschützt/intim; Technik: hoch gedämmte Gebäudehülle mit Sole-Wärmepumpe, Wand-/Fußbodenheizung mit Kühlfunktion und zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

Beispielhaftes Bauen im Zollernalbkreis 2009 bis 2015

Sieben Juroren Für das Auszeichnungsverfahren "Beispielhaftes Bauen Zollernalbkreis 2009 bis 2015" stellte die Architektenkammer Baden-Württemberg eine siebenköpfige Jury aus den Fachjuroren Julia Klumpp (Architektin, Stuttgart; Vorsitzende der Jury), Andreas Ludwig (Architekt Ravensburg), Klaus Wehrle (Architekt und Stadtplaner, Gutach; Landesvorsitzender der Architektenkammer) und Pit Müller, (Landschaftsarchitekt Freiburg) sowie den Sachjuroren Rainer Mänder (Erster Bürgermeister a. D., Albstadt), Veronika Mertens (Direktorin der Galerie Albstadt) und Andrea Spatzal (HZ-Redakteurin) zusammen. Die Schirmherrschaft hat Landrat Günther-Martin Pauli. Die Jury tagte im Juli im Landratsamt Balingen.

Zwölf aus 58 Die Jury traf aus 58 eingereichten Arbeiten eine Vorauswahl. Eingreicht wurden 19 Arbeiten in der Kategorie Wohnen, zwei öffentliche Bauten, zwölf Industrie- und Gewerbebauten, drei landwirtschaftliche Bauten, 14 Arbeiten in der Kategorie "Bauen im Bestand", vier Garten- und Landschaftsanlagen und eine Innenraumgestaltung. In zwei Wertungsrundgängen wählte die Jury 17 Objekte für eine Ortsbesichtigung aus. Am Ende wurden zwölf Arbeiten ausgezeichnet. Die offizielle Übergabe an die Preisträger ist am 19. November im Landratsamt.

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