Die Fraktion der Bunten Liste hat die Hechinger Stadtverwaltung damit beauftragt, ein Konzept für einen kostenlosen Personennahverkehr – zumindest während des Umbaus am Obertorplatz – zu erstellen. Denn dann fallen in dem Bereich auf einen Schlag 100 Parkplätze weg, und auch die geplante neue Tiefgarage bei der Stadthalle „Museum“ wird diesen Verlust mit allein 50 Stellplätzen nicht kompensieren können.

Wenn es dort die Baustelle gäbe, sei das aber auch eine Chance, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) „nach vorn zu bringen“, findet Almut Petersen, Sprecherin der Bunten Liste, die gemeinsam mit ihrer Fraktion in der jüngsten Gemeinderatssitzung einen Antrag stellte. Die Bunte Liste möchten, dass der gesamte Stadtbusverkehr, was den Naldo-Stadttarif Hechingen anbelangt, während der Baustellenzeit kostenlos ist.

Nun wird die Stadtverwaltung prüfen, inwiefern sich ein solches Angebot umsetzen lässt. Thomas Jauch, Pressesprecher der Stadt Hechingen, teilt auf HZ-Nachfrage mit, dass alles „genauso wie im Rat angekündigt“ erfolgen wird. „Wir werden das Ergebnis im Oktober präsentieren“, so Jauch. Die Gespräche für ein mögliches Stadtbus-Konzept mit den jeweiligen Beteiligten wie dem Busunternehmen liefen bereits, betont er.

Es geht den Fraktionsmitgliedern der Bunten Liste vor allem auch um den Pendelverkehr zu jenen hoch frequentierten Marktzeiten am Mittwoch. Wenn dann die Bauarbeiten losgegangen sind, sollte ein Pendelbus vom Weiher-Festplatz und Heiligkreuzfriedhof hinauf in die Oberstadt eingerichtet werden. Der kostenlose Stadtbus könnte, so die Vision, abwechselnd beide Parkplätze dort anfahren, um die Menschen zum Markt zu bringen. „Wir beantragen zunächst eine Probezeit von drei Monaten“, betont Almut Petersen. Das Angebot der Stellplätze am Weiher und beim Friedhof als Ausweichparkplätze müsste dann natürlich beworben und ausgeschildert werden, findet die Sprecherin der Bunten Liste.

Bürgermeister Philipp Hahn betonte im Gemeinderat, das Thema im Sommer anzugehen. Jürgen Rohleder, Fachbereichsleiter für Bürgerdienste, wird erarbeiten, welche Varianten möglich wären und was diese kosten würden. Auf jeden Fall müsste das auch mit der HVB Wiest + Schürmann Verkehrsbetriebsgesellschaft abgesprochen werden.

Stadtbusse wenig frequentiert

Margret Simoneit (SPD) sprach sich für „eine simple Pauschallösung“ aus. Jede Fahrt könnte beispielsweise einen Euro kosten. Dann könnte die Stadtverwaltung Hechingen sehen, „wie es angenommen wird“, schlug Simoneit vor. Bei einem kostenlosen Pendelverkehr könne sich die Rätin nicht vorstellen, wie die Stadt Hechingen dann mit ihrem Angebot „zurückgehen“ könnte, wenn sie dieses nach Ende der Bauarbeiten am Obertorplatz wieder aufgibt.

Klimafreundliche Mobilität für alle

Die Stoßrichtung der Bunten Liste ist eher langfristig. „Die Stadtbusse werden aktuell relativ gering frequentiert“, begründet Petersen. Das Angebot eines kostenlosen öffentlichen Personennahverkehrs in der Hechinger Innenstadt soll demnach intensiv beworben werden. Auch die Busfahrpläne sollten offensiv kommuniziert werden, appelliert Petersen mit ihrer Fraktion. Während dieser Zeit sollten Rückmeldungen der Fahrgäste bezüglich des Angebots eingeholt werden. Darin inbegriffen sind auch die Fahrgastzahlen zu den jeweiligen Zeiten sowie Ein- und Ausstiegsorte. Diese Analyse könnte dann die Grundlage für ein neues ÖPNV-Konzept – nach der Baustellenzeit – in Hechingen bilden, so die Hoffnung der Antragsteller. Als European Energy Award (EEA)-Kommune sei die Stadt Hechingen gefordert, auch im Bereich Verkehr innovative Wege zu gehen und Mobilität für alle klimafreundlich sicherzustellen, findet die Bunte Liste. Die Einnahmeausfälle der Stadt durch das Angebot eines kostenlosen Busverkehrs müssten „überschaubar“ sein, so die Einschätzung der Kommunalpolitiker. „Wir wissen natürlich nicht, wie viel das kostet“, sagte Almut Petersen in der Ratssitzung. Aber auch da habe sie mit ihrer Fraktion eine Idee: Die Stadt Hechingen solle ausloten, welche Zuschussmöglichkeiten es für die Pilotphase „kostenlose Stadtbusse“ sowie für die Erarbeitung eines modernen
ÖPNV-Konzepts für eine Kleinstadt im ländlichen Raum gibt. Dann könnte die Stadt gegebenenfalls Förderanträge stellen.

Auch wenn sich Bürgermeister Hahn nicht festlegen wollte, ob ein Konzept für den kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr in der Stadt Hechingen bereits im Oktober präsentiert wird, auf jeden Fall soll das Thema im Herbst im neu konstituierten Ratsgremium angegangen werden.

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Wie sieht es in Tübingen und Reutlingen aus?


In Tübingen können bereits seit 10. Februar 2018 alle Bürger von Samstag, 0 Uhr, bis Sonntag, 5 Uhr, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zum Nulltarif nutzen. Laut Anja Degner-Baxmann, Mitarbeiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Tübingen, wird dieses Angebot „auf jeden Fall angenommen“. Der ÖPNV habe „eine deutliche Steigerung“ erfahren. Bis zu 25 Prozent mehr Fahrgäste sind nun samstags unterwegs.

In Reutlingen gibt es noch keinen kostenlosen ÖPNV. Sabine Külschbach, stellvertretende Amtsleiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Reutlingen kann urlaubsbedingt nicht auf die Schnelle beantworten, ob da in Zukunft noch etwas geplant ist. „Im Moment läuft ja auch noch bis Ende 2020 das Sofortprogramm ‚Saubere Luft’“, betont Sabine Külschbach. Die Bundesrepublik Deutschland fördert im Rahmen des Sofortprogramms „Saubere Luft“ Angebote des Umwelt-Ticket-Paketes für die Stadt und die naldo-Wabe Reutlingen. Da der Bund das Projekt zeitlich befristet bis 31. Dezember 2020 begünstigt, ist die Preisstufe 20 auf diesen Zeitraum ausgelegt.

Busfahrten für einen Euro pro Tag sind mit dem 365 Euro naldo-Jahres-Abo in der „Wabe Reutlingen (220)“ dank der neuen Preisstufe 20 seit Januar 2019 möglich.

Zu dieser Wabe gehören neben Reutlingen auch Pfullingen, Eningen unter Achalm, Pliezhausen, Walddorfhäslach und Wannweil sowie die interkommunalen Industriegebiete Mahden und Mark West, informiert Sabine Külschbach. Ebenso gibt es verbilligte Tagestickets und günstigere Schüler-Monatskarten. Details und weitere Informationen können Interessierte auf der Homepage unter www.der-neue-nahverkehr.de/ finden.

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Parkplätze fallen ab Herbst ersatzlos weg, wenn der Obertorplatz in der Hechinger Oberstadt umgestaltet wird. Eine Tiefgarage beim „Museum“ entsteht und bietet 50 Stellplätze.