Hechingen/Singen Nichts mehr mit Rockern zu tun

SWP 25.01.2012
Wegen des Vorwurfs der Erpressung standen die zwei Mitglieder der "Black Jackets" schon einmal vor Gericht. Gestern ging es in die Berufung.

Bedrohen die "Black Jackets" ihre gruppenmüden Mitglieder mit Mord und Totschlag? Werden Aussteiger von ihren ehemaligen Brüdern mit hohen Geldbußen bestraft und ansonsten zusammen geschlagen?

Diese Fragen interessieren derzeit das Landgericht Hechingen, nachdem derselbe Fall, der zugrunde liegt, im Juni 2011 schon einmal das Amtsgericht der Zollernstadt beschäftigte. Zwei ranghohe Mitglieder der Gruppe mit den rockerähnlichen Strukturen sollen am 20. November 2010 zwei andere massiv erpresst haben, nachdem die beiden angekündigt hatten, ihrer Ortsgruppe den Rücken zu kehren. Das Ganze spielte sich im Clubhaus in Singen ab, wo die "Black Jackets" eine ihrer zahlreichen Niederlassungen, sprich "Chapter", unterhalten.

Das Hechinger Urteil fiel damals milde aus. Zugunsten der beiden Angeklagten sprachen weitgehende Geständnisse und ihr vorangegangenes Ausscheiden aus den Reihen der Gruppe. Beide beteuerten, nichts mehr mit dem Milieu zu tun zu haben und Familien gründen zu wollen.

Nun ist der Fall in die Berufung gegangen. Die Verteidiger beider Angeklagter haben es sich laut eigenen Worten zum Ziel gesetzt, die Strafen ihrer Mandanten noch weiter zu mildern. Sieht man auf das Ende des ersten Verhandlungstages, stehen die Chancen im Falle des jüngeren der beiden Angeklagten hierfür jedoch denkbar ungünstig.

Eine Strafe unter zwei Jahren, so kündigte der Vorsitzende Richter Freudenreich nach Rücksprache mit den Schöffen und einem Gespräch mit dem betreffenden Verteidiger an, sei kaum denkbar. Aber auch wenn es noch zur Bewährung reicht, könnte der 25-Jährige wegen anderer Verfahren, die gegen ihn laufen, bald den Gang in die Haft antreten müssen.

Die Aussagen, die gestern getätigt wurden, waren inhaltlich beinahe dieselben wie im Sommer. Der eine Angeklagte räumte ein, 2000 Euro von den beiden ehemaligen Kameraden gefordert zu haben. Dabei habe es sich jedoch um berechtigte Ansprüche des Clubs gehandelt. Der jüngere Angeklagte bestritt, mit den Geldforderungen das Geringste zu tun gehabt zu haben, er habe sich nur um die Rückerstattung der "Kutten" und "Klamotten" gekümmert.

Die beiden mutmaßlichen Opfer stellten es hingegen anders dar. Die Drohungen, die gegen sie und ihre Familien ausgesprochen wurden, seien furchteinflößend gewesen. Wie energisch die "Black Jackets" letztlich wirklich gegen ihre Fahnenflüchtigen vorgehen, konnte man anhand von Zeugenaussagen gestern nochmals vermuten.

Dagegen argumentierte allerdings wiederum die Verteidigung, wie sie es schon im Sommer tat: Es handle sich hier um "Schauermärchen kleiner Fische und Mitläufer", die ihr Wissen nur vom Hörensagen hätten. Fest steht hingegen, wie die Justiz auf Falschaussagen reagiert, auf beinahe schon dummdreiste Geschichten, die sich zahlreiche Zeugen - wohl auch aus Angst - in erster Instanz im Juni geleistet hatten. Inzwischen, so hieß es gestern nebenbei, wurden acht Verfahren eingeleitet, zwei der Lügner, seien bereits verurteilt.

Der aktuelle Prozess wird in den kommenden Tagen fortgesetzt.