Jungingen Nicht gegen den Wolf, aber…

Annette Wohlfarth (ganz rechts), die Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbands Baden-Württemberg, warnte beim Junginger Schützenhaus vor der Rückkehr der Wölfe.
Annette Wohlfarth (ganz rechts), die Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbands Baden-Württemberg, warnte beim Junginger Schützenhaus vor der Rückkehr der Wölfe. © Foto: Horst Bendix
Jungingen / swp 16.06.2018
Ein halbes Hundert Schafzüchter aus der Region hat in Jungingen für den Schutz seiner Tiere gegen Wölfe demonstriert.

Ein düsteres Bild der Zukunft zeichnete Annette Wohlfarth, die Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbands Baden-Württemberg, vor rund 50 Schafzüchtern aus der ganzen Region und einigen Interessierten  beim  Junginger Schützenverein – düster dann, wenn der Wolf in unseren Wälder wieder heimisch werden sollte. Kein Kommunalpolitiker oder Landtagsabgeordneter war zugegen. Das war schade für die Züchter, denn die Politik sei mehr denn je gefragt, wenn es um die Schäferei und die Rückkehr des Wolfes geht: „Wir sind nicht gegen den Wolf, wir sind für den Schutz unserer Tiere“ stand auf einer Tafel vor dem Eingang des Schützenhauses.

Veranstaltet wurde die Kundgebung von der Schäferei Frank Rehm aus Winterlingen, der mit seinen Schafen während des Jahres durchs Killertal zieht, um vor allem die Wacholderheiden und die Landschaftserhaltung weitgehend vor Überwucherung zu schützen. Es war ein sogenanntes „Mahnfeuer“ gegen den Wolf und eine Protestaktion der Schäferei, wie Frank Rehm sagte. „Wir haben Angst um unsere Tiere“, beschrieb ein Schäfer aus dem Reutlinger Raum die momentane Situation, sollte sich der Wolf wieder in den Wäldern in der Region zeigen, und „wir wollen nicht warten, bis etwas passiert“, teilt ein Schäfer aus dem Nordschwarzwald mit.

Frank Rehm erklärte: „Ohne ausreichende Finanzierung des Herdenschutzes können unsere Schafe die sensiblen Gebiete nicht mehr pflegen. Das würde dann das Aus für unzählige Rote-Liste-Arten der Pflanzen und der Tierwelt unweigerlich bedeuten, denn Herdenschutz ist auch Artenschutz.“

In einem gut 40-minütigen Referat auf dem Hof des Schützenhauses, und es kamen immer mehr Schäfer in den Abendstunden mit ihren Autos angefahren, sprach Annette Wohlfarth vom Landesschafzuchtverbandes Baden-Württemberg, dass es Fünf vor Zwölf sei, und die Rückkehr des Wolfes bringe neue Herausforderungen für den Erhalt der Schafbetriebe und den Schutz der Herden mit sich, die momentan kein Betrieb mehr leisten will, weil es äußerst schwierig und unrealistisch sei, die geforderten Herdenschutzmaßnahmen umzusetzen.

„Eine Existenzbedrohung für unsere Schäferei ist der Versicherungsschutz“, stellte Annette Wohlfarth weiter fest: „Wenn die Gesellschaft den Wolf möchte, muss sie auch die Verantwortung übernehmen.“ Und sie betonte: „Das Haftungsrisiko darf nicht beim Tierhalter liegen“, appellierte sie an die Verantwortlichen der Politik, die sich ihrer Ansicht nach in der Findungsphase befindet.

Am Ende ging es in die Vollen, die Angstvollen: „Der Wolf geht uns alle an“, betonte die Geschäftsführerin des Schafzuchtsverband, und deshalb erwarte sie auch, dass die Bevölkerung über die Sorgen, Ängste und die zusätzlichen Aufwendungen und gegebenenfalls Schwierigkeiten, die sich mit der etwaigen Rückkehr des Wolfes in der Region und aus dem Herdenschutz heraus ergeben, auch von der Politik aufgeklärt werde, und Annette Wohlfarth betonte noch einmal: Die Bevölkerung, auch im Mittelbereich Hechingen, wie Spaziergänger, im Wald mit und ohne Hund, Jogger, Wanderer sowie Waldkindergärten und viele andere Einrichtungen mehr seien von der eventuellen Rückkehr des Wolfes betroffen. Und einige Schäfer sagten: „Wenn der Wolf in unsere Wälder zurückkehrt, dann geben wir unsere Schäferei auf.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel