Burg Hohenzollern Nicht auf der Gästeliste

Burg Hohenzollern / ERNST KLETT 31.08.2012
Wenn am Samstagabend die ersten Flötentöne des weltweit renommierten Musikprofessors Hans-Joachim Fuss im Grafensaal erklingen, schauen zwei Augenpaare wohl besonders sehnsüchtig zur Burg hinauf.

Nach einem Jahr Pause steigt auf dem Wahrzeichen der Zollernalb wieder das allseits beachtete Benefizkonzert für die Prinzessin-Kira-von-Preußen-Stiftung. Im vergangenen Jahr fand das gesellschaftlich wie musikalisch hochwertige Ereignis im Rahmen der Hochzeitsfeierlichkeiten des Burgherrn und Preußenchefs in der Hauptstadt, im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt, statt. Zu Gast ist daheim auf der Burg beim 67. Konzert fast schon ein alter Bekannter: Hans-Joachim Fuss, Professor an der Musikhochschule Stuttgart mit international bekannter Schaffenskraft als Flötenspieler und Saxophonist. Fuss und Georg Friedrich Prinz von Preußen kennen sich unter anderem von Usedom her. Der Chef des Hauses Preußen ist Ehrenpräsident des Musikfestivals. Beim Galakonzert in der Nationalgalerie im März 2009 spielte Hans-Joachim Fuss auf der originalen Querflöte Friedrichs des Großen.

Der berühmte Vorfahr des Prinzen, dessen 300. Geburtstag seit Anbeginn des Jahres groß gefeiert wird, steht denn auch im Mittelpunkt des morgigen Konzerts. Zu hören sind Werke von Friedrich dem Großen, von dessen Hofkapellmeister Johann Joachim Quantz und von Johann Sebastian Bach. Gespielt von einem Profi mit Weltruf. Da werden sich die Ohren der Connaisseure freuen. Der Grafensaal ist schon seit geraumer Zeit voll ausgebucht. Annähernd 250 Besucher geben sich auf der Burg dem Musikgenuss und dem gesellschaftlichen Ereignis hin. Es handelt sich ausnahmslos um geladene Gäste.

Und eben da mag ein Schatten auf den festlichen Abend fallen. Denn was unter dem früheren Burgherrn Louis Ferdinand Prinz von Preußen offenbar ein richtiges Muss war, ist heute definitiv Vergangenheit: Das Wohltätigkeitskonzert ist kein Familientreffen der Preußen mehr. Ein ganz bestimmter Teil fehlt. Und das seit geraumer Zeit. Michael Prinz von Preußen und seine Gattin Brigitta tun sich in diesem Spätsommer ganz besonders schwer damit, dass ihre Namen nicht auf der Gästeliste stehen. Ausgelöst wurde dies, so erklärt der zweitälteste Sohn von Louis Ferdinand, durch den Beitrag im ZDF vor zwei Wochen über das Haus Preußen. Da hatte Georg Friedrich unterstrichen, wie wichtig ihm die Familie sei. Und das macht dem in Thanheim lebenden Preußen-Paar seither wohl zu schaffen. Sie sind auch Familie, werden aber ausgeschlossen - von der Hochzeit der direkten Verwandtschaft im vergangenen Jahr ebenso wie von den Kira-Konzerten. Letzteres, so hat es Michael Prinz von Preußen seinen Neffen wissen lassen, sei überhaupt das Schmerzlichste. Gattin Brigitta wiederum sorgt sich, weil sie immer wieder darauf angesprochen wird, wieso sie und ihr Mann nicht mehr bei den Wohltätigkeitskonzerten zugegen seien. Erst jüngst, so hat sie die HZ wissen lassen, habe sich Hechingens neue Bürgermeisterin Dorothea Bachmann sehr erstaunt darüber gezeigt, dass man sich nicht sehe droben im Grafensaal. "Wir sind der Meinung, dass die Öffentlichkeit endlich erfahren sollte, welche Gründe hinter unserer Abwesenheit stecken", schreibt Brigitta Prinzessin von Preußen.

Nun, man muss wirklich kein Hellseher sein, um auf die Auslöser für die Nichtberücksichtigung eines Teils der Verwandtschaft zu kommen. Schließlich gab es da einen äußerst langwierigen Familien- und Rechtsstreit um Thronfolge, Hausgesetz und Pflichtteile. Letztere sind noch immer vor dem Bremer Landgericht anhängig. Der Burgherr gibt sich in dieser Sache von Anfang an äußerst bedeckt, was öffentliche Äußerung betrifft.

Und so ist es auch dieses Mal. Michaela Blankart, die Sprecherin Georg Friedrichs von Preußen und Leiterin der Generalvertretung des vormals regierenden preußischen Königshauses, hat eine ganz direkte, aber auch kurze Antwort auf die Frage nach dem Warum: Die Gästeliste für die Wohltätigkeitskonzerte stellt allein der Prinz zusammen. "Es ist seine persönliche Auswahl", betont Michaela Blankart. Seit der Hochzeit wird ihr Chef bei den Einladungen unterstützt von der Gattin - Sophie Prinzessin von Preußen ist die Vorstandsvorsitzende der Kira-Stiftung. Und die Berliner Preußen-Sprecherin versichert ein weiteres Mal: "Es ist die Entscheidung des Prinzen und der Prinzessin, weil es ihr persönliches Konzert ist." Und mehr wird nicht kommentiert. Eine ähnliche Anfrage hatte wohl schon die "Bunte".

Derweil organisiert der bereits auf der Burg weilende Prinz die letzten Details für den Galaabend.