Was braucht es da einen Gastredner, wenn das Stadtoberhaupt selbst so viel zu sagen hat? Eine knappe Stunde lang sprach Bürgermeister Philipp Hahn am Dienstagabend beim Neujahrs-Bürgertreff im „Museum“ vor 550 sitzenden und ein paar Dutzend stehenden Gästen unter dem Motto „Hechingen – Stadt mit Zukunft“ und mit der klaren Botschaft: „Wir haben allen Grund, positiv und mit Zuversicht in dieses Jahr zu gehen.“ Denn eine moderne Infrastruktur und vor allem ein starker Zusammenhalt, gestützt auf vielfältiges ehrenamtliches Engagement, brächten der Zollernstadt viele Punkte im interkommunalen Wettbewerb.

Schlechte Nachrichten für den Killberg

So vielfältig war die Leistungsbilanz, die der Bürgermeister vorlegte, so ehrgeizig der Katalog der anstehenden Aufgaben, dass Hahn auch die eine oder andere schlechte Nachricht einstreuen konnte. Die wichtigste betraf den „Killberg IV“, den geplanten neuen Stadtteil für rund 2000 Einwohner: Dessen Erschließung wird nämlich, wie Hahn offenbarte, spürbar länger dauern und deutlich komplizierter werden. Denn die Stadt beißt in den Grundstücksverhandlungen mit einer einzigen Familie, der drei große Flächen gehören, auf Granit. Hahn legte dar, dass besagte Familie doppelt so viel Geld für den Quadratmeter wolle, wie die Stadt allen anderen Eigentümern zahle, und dazu noch eine Einbahnstraße und die Entfernung einer Verkehrsinsel verlange – Forderungen, denen die Stadt niemals nachgeben werde. Deshalb plane man nun um die besagten Grundstücke (die Hahn auf einer Folie rot unterlegt zeigen ließ) herum – und rücke parallel vom Weg der Freiwilligkeit bei der Baulandumlegung ab. All das dauert aber. Von einem Baubeginn im Herbst 2021 kann keine Rede mehr sein

Andere Neubaugebiete kommen schneller

Bessere Nachrichten hatte Hahn für die Stadtteile. Mit großer Freude kündigte er Baulanderschließung in Stein (Furth) und Schlatt (Wilden, beide 2020) sowie Bechtoldsweiler (Mittelwies) und Sickingen (Witzenhart, beide 2021) an. Damit solle Hechingen auf Wachstumskurs zurückkehren. Zuletzt ist die Einwohnerzahl nämlich von 20 747 auf 20 721 zurückgegangen. Das Statistische Landesamt zählt nach wie vor nur 19 237, weshalb der Titel Große Kreisstadt weiter warten muss.

Neues erfuhren die Bürgertreff-Gänger zwischen den unterhaltsamen Liedbeiträgen der „HechSinger“ auch über etliche andere zentrale Themen. Hier eine Auswahl:

Obertorplatz vielleicht schon im Dezember fertig

Philipp Hahn wagte erstmals öffentlich die Prognose, dass der neue Obertorplatz schon im Dezember 2020 fertig sein könnte – und damit fast ein halbes Jahr früher als geplant. Einschränkung: Wenn es nicht doch noch eine mehrwöchige Winterpause braucht oder unvorhersehbare Hindernisse auftreten. Den Gewerbetreibenden am Platz dankte das Stadtoberhaupt ausdrücklich für das gute Miteinander. Und an alle appellierte Hahn: „Kaufen Sie lokal!“ Niemand müsse Bücher im Internet bestellen, wenn es in der Oberstadt „zwei hervorragende Buchhandlungen gibt“. Ganz en passant verriet Hahn, dass für die tägliche Pflege des neuen Platzes eine ganze neue Stelle beim Betriebshof vorgesehen ist.

Auf dem First wird es schwierig

► Parken: In wenigen Monaten, so kündigte Hahn an, werde mit dem Bau der 2,5 Millionen Euro teuren Tiefgarage zwischen „Museum“ und Fürstengarten begonnen. Nicht ganz so glatt läuft es auf dem Firstparkplatz, wo im Zuge einer Wohnbebauung öffentliche und private Stellplätze entstehen sollen. „Bedauerlicherweise“, so Hahn, hätte die gewissenhaften Untersuchungen des Investors ergeben, dass die Altlasten auf dem Gelände „eine besondere Herausforderung“ darstellten. Im Klartext: Die Entsorgung wird teuer, und ob das Bauprojekt dann noch wirtschaftlich ist, muss sich zeigen. Auch die Zahl der entstehenden Parkplätze ist deshalb noch offen. Gleichwohl ist Hahn optimistisch, dass die die niederländische Gesellschaft BPD an ihrem Projekt festhält und ihre Pläne noch im ersten Halbjahr im Gemeinderat vorstellt.

Architektenwettbewerb für die Hof-Apotheke

Einen Architektenwettbewerb kündigte Hahn für die Gestaltung der ehemaligen Hof-Apotheke an. Dieses Haus (Marktplatz 2) hat die Stadt bekanntlich ebenso erworben wie die benachbarte Brandbrache Marktstraße 1 und das ehemalige Schairer-und-Schick-Gebäude. Offen ist Hahn zufolge, ob die Verwaltung an dieser zentralen Stelle ihr Bürgerbüro unterbringen will oder ein Café mit Wohnungen und Büros „oder etwas ganz anderes“. Hier bleibt es ebenso spannend wie auf dem Aviona-Areal, das ebenfalls ganz neu im Besitz der Stadt ist.

Marktplatz 3: Hahn will Klarheit

„Klarheit“ forderte Hahn von der Firma EJL ein, was die Bebauung des Grundstücks Marktplatz 3 auf der anderen Seite des Rathauses angeht. Liefern soll sie Geschäftsführer Andreas Ermantraut am 19. März in öffentlicher Gemeinderatssitzung. Der Rathauschef erinnerte daran, dass die Stadt die Baugenehmigung bereits im vergangenen Sommer erteilt habe, und zeigte dem ganzen Saal anhand einer Folie auf, wie viel Unterstützung das Bauamt bereits geleistet habe. Von EJL will Hahn im März auch wissen, wie es mit der östlichen Obertorplatz-Zeile vom ehemaligen HZ-Gebäude bis zur Volksbank weitergehen soll: „Dafür liegt der Stadt bisher kein Baugesuch vor.“

Applaus, die Zollernstraße wird saniert

Straßenbau/Kreisverkehre: „Leider kann nicht überall, wo ein Schlagloch ist, gleich die ganze Straße gerichtet werden“, warb Hahn um Verständnis. Die Zollernstraße soll jedoch 2020 komplett geplant und 2021 „endlich“ saniert werden. Da brandete spontaner Beifall auf. „Alle Raser unter uns“ ließ er jedoch wissen: Sein Ziel sei Verkehrsberuhigung und Tempoüberwachung in dieser wichtigen Straße.

Als weiteres wichtiges Verkehrsprojekt kündigte Hahn den Bau eines Kreisverkehrs in der Neuen Rottenburger Straße an, wo es an der Auffahrt Richtung Stein und Rangendingen immer wieder Staus gibt. Baubeginn sei Ende 2020, spätestens im Frühjahr 2021.

100 neue Kindergartenplätze auf einen Schlag

Brandaktuell tischte Hahn auf, was die Stadt zu tun gedenkt, um die knapp 100 fehlenden Kindergartenplätze zu schaffen. Das Konzept, das der Gemeinderat in Kürze beschließen soll, sieht vor: Erweiterung des Kindergartens in Sickingen um zwei Ü 3-Gruppen. Für rund 2,1 Millionen Euro sollen dort 44 Plätze geschaffen werden, die ab Dezember 2021 bezugsfertig sein sollen; und Erweiterung des katholischen Kinderhauses Fürstin Eugenie um zwei Ü 3-Gruppen und eine Krippengruppe für 2,25 Millionen Euro. Hier ist die Einweihung für September 2022 geplant. Ein Neubau in Bechtoldsweiler bleibt in der Planung, folgt aber erst später.

Schulbau: Weitere Millioneninvestitionen kündigte Hahn auf diesem Sektor an: Für 2,3 Millionen Euro wird die Hülle des Gymnasium-Altbaus saniert, für 2,8 Millionen Euro das Äußere der Realschule, und 1,7 Millionen Euro sind für die Aufstockung des neuen Ganztagsgebäudes der Realschule vorgesehen.

Erstmals: ein Trampelpfad zur Burg hinauf

Kultur und Tourismus: Drei neue Wanderwege stellte Hahn für dieses Jahr in Aussicht: den Schaukelwanderweg durch die Stadt, eine „Römer-Tour“ bei Stein und eine „Raichberg-Tour“. Außerdem noch etwas historisch ganz Neues: einen Trampelpfad hoch zur Burg Hohenzollern vom „Brielhof“ bis zum Anschluss an den „Kaiserweg“ auf Bisinger Gemarkung.

Hommage an die 331 Beschäftigten der Stadt

Eröffnet hatte Hahn seine Ansprache mit einer Hommage an die 331 städtischen Bediensteten, die tagtäglich das umsetzen, was der – im Bild vorgestellte – neue Gemeinderat beschließt. Manche Bürger, so meinte Hahn, mögen es selbstverständlich finden, dass die Kläranlage reibungslos läuft, „der Winterdienst seit November morgens ab 4 Uhr vergeblich auf Schnee wartet“, die Dreijährigen von 7.30 bis 17.30 durchgehend betreut werden, „das Wasser im Schwimmbad schon für die Frühschwimmer ausreichend angenehm temperiert ist“ und die Feuerwehr in der Neujahrsnacht stundenlang brennende Altkleidercontainer löscht – „für mich“, so Hahn, „ist das sehr gute Zusammenspiel unserer öffentlichen Verwaltung immer noch faszinierend“.

Faszinierend war nach dem gemeinsam mit den „HechSingern“ intonierten Hohenzollernlied auch das Tempo, mit dem die Gäste das kalte Büfett stürmten. Das Team vom „Lamm“ in Stein servierte die Leckereien.

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Hechingen

Wer dem Bürgertreff alles die Ehre gab


Unter den Gästen, die Erste Beigeordnete Dorothee Müllges begrüßte, waren Landrat Günther-Martin Pauli, die Bundestagsabgeordneten Chris Kühn (Grüne) und Martin Rosemann (SPD), die Landtagsabgeordneten Karl-Wilhelm Röhm (CDU) und Rudi Fischer (FDP), Vize-Regierungspräsident Utz Remlinger, die Bürgermeister Johann Widmaier (Rangendingen) und Christoph Wild (Hirrlingen), Bürgermeister a. D. Jürgen Weber, Jotec-Geschäftsführer Thomas Bogenschütz, die Bankvorstände Markus Schmid und Claus Kimmerle (Sparkasse) sowie Arndt Ständer (Volksbank), Leitender Oberstaatsanwalt Jens Gruhl, Amtsgerichtsdirektorin Irene Schilling, Landgerichts-Vizepräsident Hannes Breucker und die Pfarrer Michael Knaus und Herbert Würth.

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Minuten lang dauerte die Neujahrsansprache des Bürgermeisters. Und da hatten noch nicht einmal der ÖPNV, der Lärmaktionsplan und die Zukunft der Orangerie Platz. Hahn: „Alles Gründe, im nächsten Jahr wieder zu kommen.“