Hechingen Neues Bauland für drei Stadtteile

Häuslebauer sollen sich bald in mehreren Hechinger Stadtteilen ans Werk machen können.
Häuslebauer sollen sich bald in mehreren Hechinger Stadtteilen ans Werk machen können. © Foto: dpa
Hechingen / Hardy Kromer 06.07.2018

Neues Bauland entsteht an den Ortsrändern von Schlatt, Stein und Stetten: Vorgestellt und diskutiert wurden die Bebauungspläne am Mittwochabend im Bauausschuss des Hechinger Gemeinderats.

Schlatt: Teufel im Detail

Der größte Wurf steht in Schlatt bevor. Dort soll das Neubaugebiet „Wilden“ (am Ortsausgang Richtung Hechingen links der B 32) 21 Bauplätze bringen. Der Teufel steckt freilich auch nach jahrelanger Planung und Diskussion noch im Detail. Unbedingt braucht es eine Zufahrt von der B 32 her. Doch der geplante Einmündungsbereich tangiert laut Stadtbaumeisterin Helga Monauni zwei Privatgrundstücke, deren Eigentümer nach wie vor nicht verkaufsbereit sind – obwohl es sich jeweils nur um 20 bis 25 Quadratmeter handle. „Ohne die Einwilligung der Eigentümer ist die Einmündung nicht herzustellen“, sagte Helga Monauni. Gleichwohl halte der Schlatter Ortschaftsrat an dem Plan fest. Es gelte, weiter zu verhandeln.

Der ökologische Ausgleich für die Mähwiesen, die durch das Baugebiet verloren gehen, soll übrigens in Sickingen erfolgen. Das rief beim dortigen Ortsvorsteher Gerhard Henzler Besorgnis hervor: Ob denn dann für ein künftiges Sickinger Baugebiet auch noch genügend Ausgleichsflächen zur Verfügung stünden? Helga Monauni versicherte, dass dann gegebenenfalls auch in der Gesamtstadt gesucht würde. Auch bei diesem Thema sei ein „innerstädtisches Geben und Nehmen“ erforderlich.

Der aktuelle Entwurf des Bebauungsplans „Wilden“ wird nun einen Monat lang öffentlich ausgelegt. Wer Einwände hat, kann diese während dieser Zeit geltend machen. Im Bauausschuss gab es keine Gegenstimmen, freilich die Enthaltung von Bunte-Liste-Stadträtin Almut Petersen, weil der Flächenverbrauch in Schlatt für ihren Geschmack zu hoch ist.

Stein: Vorfahrt für Ökologie

Genau das Gegenteil sieht Almut Petersen in Stein, wo im geplanten Neubaugebiet „Furth“ auf gerade mal 7000 Quadratmetern entlang der „Landstraße“ Richtung Hechingen elf relativ kleine Bauplätze (432 bis 615 Quadratmeter groß) entstehen sollen. Ausdrücklich lobte Almut Petersen, wie gut der wertvolle Boden in Stein ausgenutzt werde. Das sei mal eine „zukunftsweisende Planung“. Entsprechend einstimmig fiel der Beschluss des Bauausschusses hier aus.

Ökologisches Bewusstsein hat der Ortschaftsrat von Stein auch dadurch demonstriert, dass er eine „qualitätsvolle Eingrünung“ des Baugebietes nicht den Grundstücksbesitzern überlassen will. Nein, die Stadt soll die regionaltypische Bepflanzung im Zuge der Erschließung selbst übernehmen und die Kosten dafür auf den Bauplatzpreis draufschlagen. Damit war auch der Bauausschuss einverstanden. Wer trotzdem Einwände hat, kann diese während der einmonatigen öffentlichen Auslegung der „Furth“-Pläne vorbringen.

Stetten: Es geht um die Hecke

In Stetten legt der Ortschaftsrat ebenfalls Wert darauf, dass der Natur so wenig wie möglich verloren geht. Schließlich bringt die Änderung des Bebauungsplanes „Joseph-Wolf-Straße“ mit sich, dass die Hecke am Ortsrand in Richtung Hechingen in der Nähe des Heiligkreuz-Friedhofes (von sieben auf zwei Meter Breite) arg zurückgestutzt wird. Der Ort­schaftsrat billigte dies zwar einstimmig, pocht aber darauf, dass die zukünftigen Grundstücks­eigentümer wenigstens das, was von der Hecke übrig bleibt, auf Dauer erhalten und pflegen. Ein städtebaulicher Vertrag soll sie dazu verpflichten. Außerdem wird der Investor, der das Gebiet vermarkten will, verpflichtet, auf eigene Kosten auf der anderen Straßenseite eine neue Hecke anzulegen.

Erst der Eingriff in den bestehenden Heckenstreifen macht es dem Bauträger möglich, die angrenzenden Randgrundstücke als nutzbares Bauland auf den Markt zu bringen. Deshalb wird das Änderungsverfahren betrieben. Wiederum war es Bunte-Liste-Stadträtin Almut Petersen, die dieses Prozedere kritisierte: „Da wird Druck gemacht, um dem Eigentümer eine lukrativere Vermarktung zu ermöglichen.“ Dass dies am Ende auf Kosten der Ökologie und der Stadt gehen könnte, schwant nicht nur Almut Petersen, sondern auch Roland Huber. Der Freie Wähler empfahl der Stadt dringend, beim Verkauf der gegenüberliegenden Wiesenfläche (wo die Ausgleichs-Hecke gepflanzt werden muss) „keinen schlechten Deal zu machen“. Huber und sein Fraktionskollege Stefan Löffler verweigerten der Planänderung ebenso ihre Zustimmung wie Almut Petersen. Weitere Einwendungen sind möglich, wenn der Planentwurf nun eine Monat lang öffentlich ausgelegt wird.

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