Hechingen / Von Hardy Kromer  Uhr
Der Bauausschuss hat nach zähem Ringen sein Okay zu 20 neuen Stellplätzen auf der Wiese oberhalb der Hechinger Grundschule gegeben.

Weitgehende Einigkeit herrschte am Mittwochabend im Bauausschuss des Hechinger Gemeinderates zumindest darüber: Die Verkehrs- und insbesondere Parksituation rund um die Schulen am und auf dem Schloßberg ist untragbar. CDU-Stadtrat Lutz Beck sprach von einem „Fiasko da oben“, seine Fraktionskollegin Melanie Homberger von einer „Katastrophe“. Wie genau Abhilfe zu schaffen ist, darüber gingen die Meinungen dann aber doch arg auseinander.

Auf dem Tisch lag der Vorschlag der Stadtverwaltung, „zur Verbesserung der Verkehrssituation an der Grundschule“ 20 Stellplätze entlang der Schlossackerstraße anzulegen – und zwar auf der Wiese oberhalb des Schulgeländes und im rechten Winkel zur Straße – analog zu den Stellplätzen weiter oben beim Evangelischen Gemeindehaus.

Da grätschte als erste Almut Petersen (Bunte Liste) dazwischen. So ein Parkplatz sei zwar „zwingend notwendig“, doch mit der geplanten Ausführung sei sie überhaupt nicht einverstanden. Zum Schutz der vielen Kinder, die dort unterwegs seien, müsse der Gehweg unbedingt „verschwenkt“, also um die Parkplätze herumgeführt werden. Jürgen Haas vom städtischen Sachgebiet Tiefbau gab ihr Recht, verwies aber darauf, dass sich dieselbe Situation vor dem Evangelischen Gemeindehaus nicht so einfach ändern lasse. Woraufhin Melanie Homberger Almut Petersen beipflichtete: „Nur weil es oben schon so ist, müssen wir nicht den gleichen Fehler nochmal machen.“ Da wollte keiner mehr widersprechen. Erste Beigeordnete Dorothee Müllges sagte zu, den Gehweg um die neue Parkfläche herumzuführen und das Gespräch mit der Evangelischen Kirchengemeinde zu suchen, um für den vorhandenen Parkplatz eine ähnliche Lösung auszuloten.

Die zweite Debatte drehte sich darum, ob die Stellplätze tatsächlich im rechten Winkel zur Straße angelegt werden sollten. „Wenn das eine Kiss & Go-Zone werden soll, sind Längsparkstreifen besser geeignet“, gab der Freie Wähler Rolf Ege zu bedenken. „Kiss & Go“-Zone werden Halteplätze genannt, auf denen Eltern ihre Kinder schnell aus- oder einsteigen lassen können.

Melanie Homberger hielt dagegen, dass beim Längsparken die meisten der geplanten 20 Plätze wieder verloren gingen. Sie mahnte: „Wir brauchen da jeden Platz.“ Stefan Löffler (Freie Wähler) bekräftigte: „Es bräuchte sogar die doppelte Fläche für Parkplätze. Dann hätten wir 40. Dann wäre da oben endlich mal Ruhe.“ Ins selbe Horn stieß Lutz Beck: Die Verkehrssituation am Schloßberg sei „die schlechteste in der ganzen Stadt“. Man möge doch bitte „so viele Stellplätze schaffen, dass es eine echte Entlastung gibt“. Selbst die Lehrer der Schulen wüssten kaum noch, wo sie ihr Auto parken sollten.

Rolf Ege wurde das Durcheinander zu viel: „Worüber reden wir eigentlich? Minutenparkplätze oder doch Dauerparkplätze?“ Eigentlich bräuchte es beides, räumte Dorothee Müllges ein und schlug eine Mischlösung für die Parkplätze vor: „Halb längs, halb quer“. Das wiederum lehnte Jürgen Fischer (SPD) ab: Man könne jetzt „nicht die eierlegende Wollmilchsau“ machen. Zuerst gehe es um die „Kiss & Go-Zone“, dann gelte es, eine Lösung für Lehrerparkplätze zu suchen. Die könne aber nicht in der Schloss­ackerstraße liegen.

Fischers Antrag, eine reine Längsparkzone zu machen, wurde bei der ersten Abstimmung jedoch von einer großen Mehrheit abgeschmettert. Auch Rolf Ege drang mit der Halbe-halbe-Mischlösung nicht durch. Eine 10:5-Mehrheit fand dann schließlich doch der ursprüngliche Vorschlag der Verwaltung, 20 Stellplätze für Senkrechtparker anzulegen, den Gehweg aber um die Fläche herumzuführen.

Offen blieb die erlaubte Parkdauer. „Wie wir das verkehrsrechtlich gestalten mit Kiss & Go, das arbeiten wir noch aus“, kündigte Dorothee Müllges an.

Kostenpunkt: rund 170 000 Euro

Von Juni bis November sollen die Bauarbeiten am Schloßberg dauern. Dazu gehört auch der barrierefreie und behindertengerechte Umbau der Bushaltestelle vor der Kaufmännischen Schule. Außerdem soll die Fahrbahnhälfte entlang des Gehwegs zwischen Bushaltestelle und dem neuen Parkplatz einen neuen Feinbelag erhalten. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 170 000 Euro. Der Auftrag wurde vom Bauausschuss an das Reutlinger Bauunternehmen Adolf List vergeben. hy