Stetten Neuer Kunstraum entsteht in Stetten

Stetten / Von Franz Buckenmaier 18.08.2018
Der Nachlass des verstorbenen Bildhauers Manfred Welzel wird nun in Stetten aufbewahrt – und bald erstmals ausgestellt.

Zu Beginn dieses Jahres ist in Stuttgart der renommierte Bildhauer Manfred Welzel gestorben. Er hinterließ eine große Zahl von Plastiken aus Stein, Holz und Bronze, die nun das Atelier des Künstlers verlassen mussten und in das Haus der Tochter Cordula Welzel-Ciriello und ihres Ehemanns nach Stetten geholt wurden. In dem großen Gebäude wird derzeit ein Ausstellungsraum eingerichtet, der bis zum „Tag des offenen Denkmals“ am 9. September fertig werden soll.

Da das Haus in unmittelbarer Nähe zur Klosterkirche steht und ursprünglich auch ein Klostergebäude war, liegt es nahe, dass es zu diesem Zeitpunkt zu einer gemeinsamen Ausstellung in der Klosterkirche, im Klostergarten und im Haus Ciriello kommen kann.

Manfred Welzel gehörte zu derselben Künstlergeneration wie Joseph Beuys, Antoni Tapies, George Segal und andere, die auf den revolutionären Umwälzungen der Klassiker der Moderne aufbauend nach 1950 wiederum zu ganz neuen Ufern der Kunst vorstießen. Allerdings trat er nicht so radikal auf wie manche seiner Zeitgenossen. Manfred Welzel kam 1926 in Berlin zur Welt. Dort besuchte er ab 1934 die Rudolf-Steiner-Schule in Berlin-Charlottenburg bis zu ihrer Schließung 1938, dann die Realschule Berlin-Moabit. Bereits im Alter von neun Jahren begann er, vom Klassenlehrer ermuntert, sich künstlerisch zu betätigen und plastizierte Tierfiguren aus farbigem Wachs.

Ausbildung bei Arno Breker

Der umstrittene Bildhauer Arno Breker, der für das NS-Regime künstlerisch tätig war, schlug dem Jungen, nachdem er seine Arbeiten sah, vor, die Schule zu verlassen und in sein Atelier einzutreten, wo er von 1941 bis 1943 eine handwerklich gediegene Steinmetzausbildung erfuhr. Dann wurde er zunächst zum Arbeitsdienst, dann zum Militär einberufen. Als Soldat erlebte er die Invasion in der Normandie und geriet bis 1947 in amerikanische Gefangenschaft. In dieser Zeit hat er so viel wie möglich gezeichnet, vor allem Porträts.

Mit 21 Jahren nach Berlin zurückgekehrt studierte er fünf Jahre lang an der Akademie für Bildende Künste. Diese Gesellenzeit war der Suche nach einem eigenen Stil gewidmet, nach den unverwechselbaren individuellen künstlerischen Ausdrucksmitteln. Professor Alexander Gonda war sein Lehrer. Er ließ den jungen Manfred Welzel, der die menschliche Gestalt nie verleugnen mochte, völlig frei, lehrte ihn aber nachdrücklich die Gesetzmäßigkeit der Plastik.

Viele Strömungen in der zeitgenössischen Bildhauerei gaben ihm Anregungen. Die stärksten Impulse gingen von Richard Scheibe, Gerhard. Marcks und Hermann Blumenthal aus. Als wesentliche Vorbilder wirkten Wilhelm Lehmbruck und Ernst Barlach. Zwei Studienreisen führten den Künstler 1952 und 1955 nach Italien und Griechenland. Romanische Plastiken wie in Vézelay und Autun sowie in Parma zogen ihn immer wieder in ihren Bann, wenn er ihnen begegnete. Dem jungen, noch unbekannten Künstler wurde 1954 der Georg-Kolbe-Preis der Stadt Berlin verliehen. Im gleichen Jahr zog er nach Stuttgart. Dorthin wies ihn sein alter Lehrer an das Seminar der Waldorfschule. Dort begannen seine Meisterjahre, in denen er zu seinem individuellen, ausgereiften Stil fand. Der Umgang mit Menschen und die Beziehung zu den Schülern war ihm ein Lebensbedürfnis. Er wirkte über 14 Jahre als Lehrer für Plastizieren, Schnitzen und Zeichnen an der Waldorfschule.

Freischaffend in Stuttgart

1969, im Alter von 43 Jahren, löste sich Manfred Welzel von seiner Lehraufgabe und wirkte seit dieser Zeit als freischaffender Künstler in Stuttgart. Er erschuf unzählige Werke aus Stein, Bronzeplastiken, Tierplastiken aus Bronze, Porträtplastiken, bearbeitete religiöse Themen, schuf Reliefs, Zeichnungen, Baumplastiken sowie Figuren aus Holz. Groß war die Zahl der von Welzel beschickten Ausstellungen in ganz Deutschland.

Die letzten zwei Ausstellungen, die er trotz Alter und Erkrankung noch selbst eröffnen konnte, waren 2016 im Kloster Mariaberg und 2016/2017 in Stuttgart in der Galerie im Rudolf-Steiner-Haus.

Und nun kommt Welzels umfangreicher künstlerische Nachlass nach Stetten und wird voraussichtlich am Tag des Offenen Denkmals erstmals zu sehen sein.

Offene Denkmäler am 9. September

„Entdecken, was uns verbindet“ ist das Motto des diesjährigen Tages des Offenen Denkmals. Er findet am Sonntag, 9. September, zum 25. Mal statt. Mehr als 7500 historische Baudenkmale, Parks oder archäologische Stätten öffnen bundesweit ihre Türen, davon allein rund 900 in Baden-Württemberg. Stetten ist dank des Welzel-Nachlasses mit dabei.

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