Hechingen Neue Musik kommt gut an

Mit ihnen wehte ein frischer musikalischer Wind durch die Räume der Villa Eugenia: Das Trio Cajon begeisterte mit Akustik Pop auf hohem Niveau. Von links: Andy Schoy, Sigrun Schumacher und Gerhard „Beefy“ Wurst.
Mit ihnen wehte ein frischer musikalischer Wind durch die Räume der Villa Eugenia: Das Trio Cajon begeisterte mit Akustik Pop auf hohem Niveau. Von links: Andy Schoy, Sigrun Schumacher und Gerhard „Beefy“ Wurst. © Foto: Diana Maute
Hechingen / Diana Maute 31.07.2018
Mit dem Trio Cajon startete in der Villa Eugenia in Hechingen die neue Konzertreihe „Sonntags Sounds nach sechs.“

Es war das wohl heißeste Konzert des Sommers, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Denn nicht nur die hohen Temperaturen erhitzten das Publikum in der Villa Eugenia am Sonntag mächtig, sondern vor allem auch drei Ausnahmemusiker, die vom ersten Ton an zu begeistern wussten: Sigrun Schumacher (Gesang und Violine), Andy Schoy (Cajon und Percussion) und Gerhard „Beefy“ Wurst (Gitarre und Gesang), die als Trio Cajon Akustik-Pop vom Feinsten bieten.

Ihr guter Ruf eilt den Tonkünstlern voraus, und das wiederum brachte die Mitglieder des Fördervereins Villa Eugenia schon vor dem Konzert gehörig ins Schwitzen. Denn das bekannte Trio lockte so viele Zuhörer in die ehemalige Fürstenresidenz, dass sogar noch im Nebenraum nachgestuhlt werden musste. „Dass bei diesem Wetter und trotz Urlaubszeit so viele kommen, damit hätten wir nie gerechnet“, kommentierte Vorstandsmitglied Angelika Kalchert. Die Freude über den großen Auftakterfolg des neuen Musikformats „Sonntags Sounds nach sechs“, stand Initiator Frieder Zimmermann, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins, ins Gesicht geschrieben. Begleitet von einigen Akkorden des Joe-Cocker-Hits „Summer in the City“ begrüßte Zimmermann die Besucher und gab den Startschuss für das erste Konzert der neuen Reihe, das „ohne Netz und doppelten Boden“ über die Bühne ging.

Ein mutiger Versuch, neue musikalische Stilrichtungen in die Villa zu bringen, der zum Riesenerfolg wurde. Dazu trug nicht nur der mitreißende Sound bei. Der ganze Auftritt des Trios Cajon war geprägt von wunderbarer Leichtigkeit und besonderem Esprit. Sängerin Sigrun Schumacher erwies sich als charmante Unterhalterin, die unprätentiös und gekonnt die Übergänge zwischen den einzelnen Liedern mit Anekdoten zu füllen vermochte. Dem Publikum versprach sie nicht zu viel, als sie nach dem ersten Lied „Something In The Water“ von Brooke Fraser ankündigte: „Klassik gibt`s bei uns nicht, aber sonst fast alles.“

Wie wandlungsfähig das Trio wirklich ist, davon konnten sich die Zuhörer den ganzen Abend lang überzeugen. Aktuelle Hits wie Lykke Lis „Follow Rivers“ oder „Reality“ von Lost Frequencies, bei dem Sigrun Schumacher nicht nur mit ihrer großartigen Stimme, sondern auch an der Violine begeisterte, wechselten sich ab mit Eigenkompositionen und bekannten Evergreens – etwa dem groovigen „50 Ways to Leave Your Lover“ von Paul Simon oder dem perfekt zu einem entspannten Sommerabend passenden „I Feel Good.“ Stets stellten die Musiker ihr Können auf unnachahmlich lässige Art und Weise unter Beweis.

Andy Schoy, ein Meister am Schlagzeug, der aus Bisingen stammt, und Gerhard „Beefy“ Wurst, Gitarrist mit Leib und Seele, wussten ebenso wie Sigrun Schumacher nicht nur durch Präzision zu überzeugen, sondern zeigten auch ein feines Gespür für die Musik. Dazu gehört, sich an den richtigen Stellen gewisse Freiheiten zu nehmen, wie das nur echte Profis vermögen. Egal, ob bei wirbelnden Rhythmen, Swing-Elementen oder jazzigen Grooves – stets drückten die Musiker jedem Lied ihren eigenen Stempel auf, holten alles aus ihren Instrumenten und Stimmen heraus und unterstrichen so den ureigenen Charakter jedes einzelnen Songs.

Wie Perlen an einer Kette reihte sich Hit an Hit, die Füße des Publikums wippten mit und jedes einzelne Lied wurde mit großem Applaus quittiert. Am Ende des Abends brachte es eine Konzertbesucherin auf den Punkt: „Klassik ist immer schön, aber es darf ja auch mal was anderes sein.“ Frischer Wind tut eben auch in alten Gemäuern wie der Villa Eugenia immer wieder gut.

Ein halbes Jahrhundert Rockmusik

Nächster Termin Weiter geht es mit den Sonntagstönen am Sonntag, 16. September, und dem Auftritt der Stuttgarter „Soulshapes“ mit Rock- und Popklassikern der vergangenen fünf Jahrzehnte. Allerdings ebenfalls akustisch. Der Villa geschuldet.

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