Hechingen Neue Konzertreihe in der Alten Synaoge

Musik als Spiegel: Jochen Brusch an der Violine und Clemens Müller am Flügel spürten in der Alten Synagoge Abschied, Schmerz und Hoffnung nach.
Musik als Spiegel: Jochen Brusch an der Violine und Clemens Müller am Flügel spürten in der Alten Synagoge Abschied, Schmerz und Hoffnung nach. © Foto: Diana Maute
Hechingen / Diana Maute 12.02.2019
Mit „Les Adieux“ startete in der Alten Synagoge die Reihe „Musik als Spiegel“ mit Jochen Brusch und Clemens Müller.

Eintauchen in das Seelenleben der großen Komponisten; dem nachspüren, was sie bewegte, beflügelte und zu Höchstleistungen anspornte: Dies ist die Intention der neuen Konzertreihe „Musik als Spiegel“, in der Jochen Brusch und Clemens Müller Meisterwerke für Violine und Klavier präsentieren. Wie Wilfried Schenkel von der Initiative Hechinger Synagoge ausführte, folgt damit nach den Konzertzyklen „Portraits jüdischer Geiger“ und „Liebesgeschichten in der Musik“ bereits die dritte Reihe an Gesprächskonzerten, die wunderbare Melodien mit einer interessanten Moderation vereint. Denn Jochen Brusch ist nicht nur ein begnadeter Violinist, sondern auch ein begabter Erzähler.

Der Auftakt der Konzertreihe am Sonntag war mit den Worten „Les Adieux – Musik als biographischer Spiegel“ überschrieben. „Abschied ist kein leichtes Thema, doch es betrifft uns alle“, ging Brusch auf die Seelenpein ein, die mit den großen und kleinen Abschieden im Leben verbunden ist. „Der Schmerz in der Musik ist fast das gleiche; auch hier ist das Verlangen nach Auflösung spürbar“ – Auflösung in Form von Hoffnung und Trost.

Pietro Locatellis Sonate in f-moll „Le Tombeau”, eine Barocksonate, die in romantischer Bearbeitung von Eugène Ysaye zur Aufführung kam, setzt sich auf ergreifende Weise mit dem Tod auseinander. Ein Werk, das, wie Brusch betonte, seinen Schöpfer als Poeten kennzeichnet, der alle Regungen und Bewegungen der menschlichen Seele durch feinste klangliche Nuancen zu beschreiben vermag.

Das Adagio in cis-moll aus Johann Sebastian Bachs „Violinenkonzert in E-dur“ vereint all das, was im Abschied kumuliert: Tiefsten Schmerz und Trauer, aber ein über allem schwebendes Gefühl von Ewigkeit, das durch das kompositorische Motiv des Basso ostinato bereits am Anfang anklingt und die Seele berührt. Der schmelzende Trauergesang der Violine, seufzend und von Schwermut getragen, wurde von Brusch meisterhaft umgesetzt. Bis der Satz immer mehr an Kraft gewinnt und die Hoffnung durchbricht. „Ein inneres Bekenntnis, das die tiefe Religiosität erkennen lässt, die Bach zu eigen war“, erläuterte Brusch. Trotz aller Trauer sei in seiner Musik Heiterkeit zu spüren, aber auch auf Gott vertrauende Todessehnsucht, die aus dem Werk „Bist Du bei mir geh ich mit Freuden“, spricht.

Eine Sonate aus Joseph Haydns „Die sieben letzten Worte Jesu Christi“ bezeugen die Bescheidenheit, ja Demut des Meisters, der „beim Komponieren seinem Schöpfer gegenübertrat“ und sich als Medium sah.

Wie vollkommen sich Worte und Töne verflechten und zu einem großen Ganzen zusammenfügen können, wurde beim Melodram „Abschied von der Erde“ aus der Feder von Franz Schubert erlebbar, bei dem Jochen Brusch aus dem Gedicht „Der Falke“ von Adolf von Pratobevera deklamierte. Von Clemens Müller am Flügel feinfühlig mit dezent perlenden Klängen untermalt, flossen die berührenden Worte „Leb’ wohl, Du schöne Erde“ durch den Raum.

Seine enorme Virtuosität bewies Müller auch bei Schuberts „Später Klaviersonate in B-dur D 960“, bevor mit dem „Danse macabre“ op. 40 von Camille Saint Saens ein besonders unterhaltsames Werk erklang. „Da klappern die Gebeine“, kündigte Brusch einen musikalischen Totenzug an, der es in sich hat. Angeführt von Gevatter Tod, der höchstpersönlich die Geige spielt, sind in dem mit Humor gewürzten Werk, das von den beiden Musikern mitreißend umgesetzt wurde, auch zwölf Glockenschläge zur Geisterstunde zu vernehmen.

Aufgeführt wurden zudem das „Prélude“ der Sonate op. 27/2 „Obsession“ für Violine solo von Ysaye sowie die Melodie aus Christoph Willibald Glucks „Orpheus und Eurydike“. Mit dem gefühlvollen „Adieu“ von Edvard Elgar verabschiedeten sich die beiden Ausnahmemusiker von ihrem begeisterten Publikum.

Finale der neuen Reihe am 10. März

So geht’s weiter Das zweite Konzert der Reihe „Musik als Spiegel“, das den Titel „Von der Heiterkeit bis zur Verzweiflung – Musik als Spiegel der Seele“ trägt, findet am Sonntag, 24. Februar, um 16 Uhr in der Alten Synagoge in Hechingen statt. Der dritte und letzte Teil, „Mondschein und Regentropfen – Musik als Spiegel der Natur“, folgt am Sonntag, 10. März, ebenfalls um 16 Uhr.

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