Ob Pfütze, Brunnen, Biotop, Gartenteich oder Swimmingpool: Wasserflächen üben auf Kinder eine ungeheure Anziehungskraft aus. Aber schon eine Wassertiefe von wenigen Zentimetern kann für ein Kind zur tödlichen Falle werden. Ertrinken ist die zweithäufigste unfallbedingte Todesursache bei Kindern.

Vor allem Kleinkinder sind gefährdet. Laut Statistik der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (DLRG) sind im vergangenen Jahr in Deutschland mindestens 417 Menschen ertrunken. Dabei kamen 17 Kinder (2018: 15) im Vorschul- und acht (elf) im Grundschulalter im Wasser ums Leben.
Bereits zwei Minuten – also die Dauer eines kurzen Telefonats – reichen aus, dass ein Kind im Wasser das Bewusstsein verliert. Denn Kinder geraten in Notsituationen im Wasser in einen reflexartigen Schockzustand und können sich weder selbst aus ihrer Lage befreien noch auf sich aufmerksam machen.
„Hier ist sicherlich die zurückgehende Schwimmfertigkeit bei den Kindern eine Ursache“, kritisiert DLRG-Präsident Achim Haag, dass inzwischen 20 bis 25 Prozent aller Grundschulen bieten keinen Schwimmunterricht mehr anbieten können, weil ihnen kein Bad zur Verfügung steht. Ausbildende Verbände wie die DLRG hätten lange Wartelisten von ein bis zwei Jahren für einen Schwimmkurs.
Auch die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ist besorgt über die Vielzahl von Badeunfällen in diesem Sommer. Allein in der Elbe sind am vergangenen Wochenende drei Menschen ertrunken. Andreas Paatz, Bundesleiter der DRK-Wasserwacht gibt Sicherheitshinweise.

Unbedingt frühzeitig Schwimmen lernen

Generell sollten Kinder so früh wie möglich schwimmen lernen. Wenn ein Kind mit neun oder zehn Jahren noch nicht sicher schwimmen kann, müssen die Eltern aktiv werden, rät Paatz. Das heißt: Selbst mit dem Kind üben oder es zum Schwimmkurs schicken.

Nicht aus den Augen lassen

Die Hauptursache für tödliche Unfälle von Kindern im Wasser sei die Verletzung der Aufsichtspflicht. Das Allerwichtigste ist der aufmerksame Blick der Eltern. Sie sollten sich bei der Aufsicht abwechseln, um selbst auch entspannen zu können. Entweder das Kind kann schwimmen – das ist offiziell der Fall, wenn es das Deutsche Jugendschwimmabzeichen in Bronze erworben hat – „oder es hat allein im Wasser nichts zu suchen“. Das gelte auch, so Paatz weiter, wenn das Gewässer durch Wasserretter abgesichert ist. Nur ein Moment der Achtlosigkeit könne fatale Folgen haben. Andreas Paatz erklärt: „Wenn der Kopf unter Wasser gerät, erschrecken Kinder und atmen einfach weiter. Wasser gelangt ungeschützt in die Lunge. Es folgt der Hustenreflex, noch mehr Wasser gerät in die Lunge und der Körper sinkt weiter in die Tiefe sofern es keine entsprechenden Hilfsmittel trägt – ein fatales Zusammenspiel.“
Schwimmflügel und andere Schwimmhilfen seien keine Rundumsorglos-Lösung. Sie würden beim Schwimmen lernen helfen, aber aber nicht zuverlässig vor dem Ertrinken schützen.

Baderegeln gelten auch für die Größeren

Zu den wichtigsten Baderegeln, die auch für Erwachsene gelten, gehört: „Andere nicht schubsen, sie untertauchen oder auf sie springen. Nicht durch Wasserpflanzen, in der Nähe von fahrenden Booten, an Brücken, Buhnen oder technischen Anlagen schwimmen. Nicht ins Ungewisse springen, also zum Beispiel nicht von Brücken oder Felsen in trübe Gewässer. Niemals mit vollem Bauch, unter Alkoholeinfluss oder ohne Abkühlung ins Wasser gehen. Längere Strecken nie allein schwimmen.“

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