Windkraft Nabu hinterfragt Argumente von Windkraftgegnern

Der Rotmilan – vielfach diskutiert in der Debatte um die Windkraft – nun äußert sich der Nabu Zollernalb zum Artenschutz.
Der Rotmilan – vielfach diskutiert in der Debatte um die Windkraft – nun äußert sich der Nabu Zollernalb zum Artenschutz. © Foto: Archiv
Judith Midinet 26.05.2017

Einen Faktencheck zum Thema Windkraft auf der Hohwacht findet man im neuesten Newsletter des Nabu-Kreisverbands Zollernalb. Bislang hatte der Nabu sich damit zurückgehalten, die Veröffentlichungen der Bürgerinitiative „Gegenwind Hohenzollern“ zu kommentieren. Seine jetzige, und wie es im Newsletter heißt „einmalige“ Ausnahme, begründet er am Beispiel des Rotmilans. „Die Bürgerinitiative kritisiert, dass für den Bereich des Vorranggebiets (VRG) „Hohwacht“ keine Untersuchungen über das Vogel-Vorkommen durchgeführt worden seien. Damit sei die Planung rechtsfehlerhaft. Das ist allerdings so nicht richtig“, schreibt das Naturschützbüro.

Es wäre richtig, heißt es weiter, wenn es sich um das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren für ganz konrekte Windräder handeln würde. Der Regionalverband muss für die Festlegung eines Vorranggebiets jedoch nur prüfen, ob das Gebiet theoretisch geeignet wäre – auf der Grundlage der bereits vorliegenden Informationen. „Die ganzen Detailuntersuchungen müssen von einem künftigen Investor vorgelegt und im Übrigen auch bezahlt werden – denn dieser will ja mit seiner Anlage Geld verdienen. Aus welchem Grund auch sollte die Allgemeinheit das finanzieren?“, schreibt der Nabu. Die Artenschutz-Untersuchungen, die der Haigerlocher Gemeinderat beschlossen hat, kommentiert der Nabu wie folgt: „Eine solche Untersuchung ist sinnvoll, wenn damit die genauere Abgrenzung eines Teil-Flächennutzungsplans ,Windkraft’ ermöglicht werden soll. Nachdem es bereits eine Vor-Untersuchung dazu gibt, kann eine Aktualisierung nicht schaden. Ein Ersatz für Detail-Untersuchungen im Rahmen eines Bauantrags ist das jedoch nicht. Zum einen müssen die Untersuchungen hierfür wesentlich detaillierter durchgeführt werden, zum anderen müssen die vorgelegten Daten aktuell sein. Und nachdem heute noch nicht abzusehen ist, wann und an welcher Stelle genau später einmal ein oder mehrere Windräder stehen sollen, wären genauere Untersuchungen schon zum jetzigen Zeitpunkt rausgeworfenes Geld, das die Stadt an anderer Stelle dringender braucht.“

Die Planung des Regionalverbandes habe zum Ziel, der Windkraft auf der „Hohwacht“ gegenüber anderen privilegierten Planungen den Vorrang einzuräumen, mehr nicht. Weil eine solche Festlegung den Bau von Windenergie-Anlagen an anderer Stelle nicht automatisch ausschließe, sei damit auch keine „Vor-Entscheidung“ getroffen. Es werde auch nicht festgelegt, an welcher Stelle genau künftig ein oder mehrere Windräder stehen dürfen.

„Der Nabu Haigerloch hat sich seither deshalb nicht positioniert, weil wir Windenergieanlagen nicht von vornherein ablehnen. Das heißt nicht, dass wir nicht künftig je nach Standort einer geplanten Anlage doch heftigste Bedenken vortragen werden. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Verwirklichung eines Windparks in diesem Gebiet auf große artenschutzrechtliche Hürden treffen wird“, heißt es in dem Newsletter weiter. Dem Nabu sei es wichtig, unrichtige Behauptungen in der Debatte zu vermeiden. Deshalb hat er auf seiner Homepage zahlreiche Argumente wie „Die Preise für Immobilien und Grundstücke sinken“ oder Themen wie „Windenergie, Infraschall, Schallschutz und Schattenwurf“ einem Faktencheck unterzogen.

Info Die ausführlichen Faktenchecks findet man unter www.nabu-zollernalb.de/windenergie-in-haigerloch/argumente-hinterfragt

Die betroffenen Arten im VRG Hohwacht

Bedenken Schon jetzt zeichne sich ab, schreibt der Nabu, dass die Verwirklichung eines Windparks in diesem Gebiet auf große artenschutzrechtliche Hürden treffen wird. Die bei der künftig denkbaren Planung von Windenergieanlagen im „Dreiländereck“ betroffenen Vogelarten sind Baumfalke, Rotmilan, Schwarzmilan, Schwarzstorch, Uhu, Waldschnepfe, Wanderfalke, Weißstorch, Wespenbussard und Waldlaubsänger. Die Angaben zum Vorkommen, betont der Nabu, stammen aus den Zufallsbeobachtungen der Hobby-Ornithologen im Nabu – eigene, „belastbare“ Bestandserhebungen gibt es noch nicht.

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