In seinem Bildvortrag über den Jahresvogel 2019 gab Gerhard Hahn von der Hechinger Nabu-Gruppe ein umfassende Darstellung der Lebensweise des früheren „Allerweltsvogel“, der nunmehr zu den gefährdeten Arten zählt. Der dramatische Rückgang der letzten 20 Jahren war für den Nabu auch Anlass, die Feldlerche nach 1998 zum zweiten Mal zum Jahresvogel zu küren, zeigen sich doch an ihm überdeutlich die Auswirkungen der Intensivierung in der Landwirtschaft.

„Die Lerche zu beschreiben ist überflüssig, denn größer und schlanker als der Sperling, doch mit ähnlichem Gefieder, ist der Vogel so häufig, dass niemand ihn übersehen kann“, hieß es noch Anfang des 19. Jahrhunderts in einem vogelkundlichen Werk. Heute ist schon von Glück zu sprechen, wenn man bei einem Spaziergang entlang von Feldern den jubilierenden Gesang der himmelwärts bis zu 200 Meter Höhe aufsteigenden Lerchenmännchen hört. Der Gesang war es auch, welcher der Lerche einen festen Platz in der Lyrik und Prosa des 19. Jahrhunderts, aber auch schon in Shakespeares „Romeo und Julia“ bescherte.

Optisch ist die Feldlerche allerdings unscheinbar, hinsichtlich Habitat und Nahrung auch anspruchslos. Besonders während der Brutsaison bevorzugt sie Insekten und deren Larven, nimmt aber auch mit Sämereien und sonstigen Pflanzenteilen vorlieb. Als Bodenbrüter in möglichst weitläufiger Flur sucht die Lerche lichte, niedrige Vegetation oder baut ihre Mulde sogar in den bloßen Boden.

Die genannten Eigenschaften, so der Referent, sind auch die Hauptursache für den dramatischen Rückgang. Wintergetreide wird früh im Jahr so hoch und dicht, dass der Vogel dort allenfalls einmal brüten kann. Die Folge: Die Tiere weichen auf vegetationsfreie Fahrspuren oder Wege aus, wo sie bei der nächsten Feldbearbeitung überrollt werden. Der Rückgang an Brachflächen, zunehmend intensiv genutzte Grünflächen und der dramatische Insektenschwund tun ihr übriges.

Ein höherer Anteil an ökologisch bewirtschafteten Kulturen, mehr Brachflächen und häufigere Fruchtfolge wären eine große Hilfe für die Lerche, aber auch für Kiebitz, Rebhuhn und andere Vögel der Agrarlandschaft, ist der Nabu überzeugt. Breite Blühstreifen und sogenannte Lerchenfenster stellen wirksame Schutzmaßnahmen dar.

Wie Gerhard Hahn betonte, muss die Rücksichtnahme auf die bedrohte Tier- und Pflanzenwelt der Agrarlandschaft selbstverständlich finanziell honoriert werden. Hierauf ziele die Forderung des Nabu und anderer Naturschutzverbände ab, durch eine Umschichtung der fast 60 Milliarden EU-Fördergelder jährlich naturverträgliche Bewirtschaftung und Schutzmaßnahmen stärker zu unterstützen. Das gegenwärtige System, Gelder nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen, begünstige die Großbetriebe und beschleunige das „Höfesterben“.

Dem hochinteressanten Vortrag schloss sich noch eine lebhafte Diskussion an.