Hechingen Musikgenuss in der Spittelkirche

Jochen Brusch (Mitte) als musikalischer Leiter zeigte sich sichtlich stolz über die Leistung des Geschwisterpaares Nicola und Niels Pfeffer sowie des Kammerochesters.
Jochen Brusch (Mitte) als musikalischer Leiter zeigte sich sichtlich stolz über die Leistung des Geschwisterpaares Nicola und Niels Pfeffer sowie des Kammerochesters. © Foto: Antonia Lezerkoss
Hechingen / Antonia Lezerkoss 13.07.2018
Zwei junge Talente beendeten (vorerst) den kleinen Hechinger Kammermusikzyklus.

„Musik soll so gespielt werden, als ob sie gerade erfunden worden wäre, wie frisch geboren.“ Dieses Zitat eines berühmten Interpreten gilt uneingeschränkt für das schöne Abschlusskonzert des kleinen Hechinger Kammermusikzyklus. Mit ihren brillanten Solobeiträgen setzten die beiden jungen Musiker Nicola Pfeffer, Cello, und ihr Bruder Niels, Gitarre, im Konzert der „Capella Tübingen“ eindrucksvolle Glanzpunkte.

Zunächst ließ eine frische und anmutige Interpretation des jungen Mozart aus dem Jahre 1772 aufhorchen. Unter Leitung von Jochen Brusch musizierte das Orchester das „Divertimento“ F-Dur KV 138 spritzig und mit stilvollem Elan, der auch im ganzen Musikstück präsent war.

Tübingen, Stuttgart, Den Haag und Freiburg sind die Marksteine des künstlerischen Werdegangs von Niels Pfeffer. Mit äußerster Präzision und unvergleichlicher Fingerfertigkeit gestaltete er die stilisierten Tanzsätze von Jakob Frobergers „Partita d-Moll“ für Gitarre solo. Als musikalisch superber Cicerone verstand er es, mit seinem gefühlvollen, flexiblen Spiel gekonnt Akzente zu setzen und elegant zwischen alten, traditionellen Formen und spielerischem Umgang mit Neuem zu wechseln. Spanisch anmutende Klänge „Tientos“ von Maurice Ohana beendeten den faszinierenden Vortrag des Gitarristen.

Gezügelte Leidenschaft

Mit wohldosierter, gezügelter Leidenschaftlichkeit, tadellos in puncto Intonation, bemerkenswert klangschön, widmete sich das Orchester der Novelette Nr.1 in F-Dur von Niels W. Gade. Hätte sein Freund Robert Schumann den musikalischen Nachnamen seines dänischen Freundes nicht im „Album für die Jugend“ verewigt, dann dächten wir heute vielleicht noch weniger an diesen handwerklich hervorragenden, aber nach seinem Tode weitgehend vergessenen Komponisten.

Als Herzstück des Konzert-Abends darf wohl Nicola Pfeffers Interpretation des Schumannschen Cellokonzert a-Moll op. 129 bezeichnet werden. Durch ihre hoch expressive Gestaltung machte die Nachwuchskünstlerin daraus ein herzerwärmendes Juwel. Indem sie jede Phrase mit solcher Emphase auflud, war in diesem manchmal etwas distanziert wirkenden Stück keinerlei Spannungsabfall zu verzeichnen. Der Dialog mit dem Orchester gelang dabei hervorragend, nicht nur, was die dynamische Abstufung anbelangt; auch manche Färbungen wurden von Nicola Pfeffer mit subtiler Gestaltung auf dem Cello übernommen, so dass sich Linien bruchlos fortführten. Auf der anderen Seite brachte sie durch eine unglaublich fein schattierte Artikulation ihr Cello so zum Singen, dass jede Geste, auch wenn  vom Orchester unterbrochen, in ihrer kantablen Reichhaltigkeit durch die zahlreichen, gebannt lauschenden Zuhörer erfahrbar wurde. Deren begeisterter Applaus belohnte die Künstlerin der charmanten „Caprice Nr. 7“ von Alfredo Piatti als Zugabe.

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