Hechingen Musikalische Begegnungen mit der slawischen Seele

Das „Quartetto“ zeigte feines Gespür für Tempowechsel und Schattierungen.
Das „Quartetto“ zeigte feines Gespür für Tempowechsel und Schattierungen. © Foto: Antonia Lezerkoss
Hechingen / Antonia Lezerkoss 28.06.2018
Das „Senza Parole Quartett“ und Alexander Reitenbach begeisterten in der Villa Eugenia.

Ebenso wie schon das erste,  bestach auch das zweite Konzert des frühsommerlichen kleinen kammermusikalischen Zyklus „Musik­erlebnisse an schönen Ortern“ unter künstlerischer Leitung des Tübinger Geigenvirtuosen Jochen Brusch in der Villa Eugenia durch einen glänzenden Melodienschatz. Dieser wurde kredenzt vom „Quartetto Sense Parole“ – dem „Quartett ohne Worte“ mit Izabela Wiza-Kochmann und Wolfgang Grosch, Violine, Cheryl Swoboda, Viola, Annette Theuring, Cello, und Alexander Reitenbach als Solisten am Flügel.

Als seltene Perle im kammermusikalischen Konzertrepertoire eröffnete das fabelhaft musizierte Streichquartett Nr. 1 d-moll aus der Feder des hierzulande wohl kaum bekannten polnischen Komponisten Stanislaw Moniuszko (1819-1872) die feine Werkauswahl. Aussagekräftig und wirkungsvoll brachten die Künstler in der Folge mit dem ersten Satz von Antonin Dvoráks (1841-1904) „Klavierquintett A-Dur, op. 81“ slawische Klänge virtuos zum Funkeln. Das Werk ist bis heute eines der meistgespielten des Komponisten, denn es repräsentiert den einzigartigen Charakter seiner Kammermusik: reiche melodische Erfindung, üppiger Klang, meisterliche Form und Volkstümlichkeit neben spätromantischem Pathos. Virtuos, melodisch flexibel, facettenreich und mit feinem Gespür für Tempowechsel und Schattierungen – von lyrisch-schwelgerisch bis schwermütig – gestalteten die Musiker ein hervorragendes Klangbild voller überraschender Akzente, überzeugender Zäsuren und einer Klangfülle, der man seine kompositorische Komplexität kaum anmerkte.

Liedhaft begann der erste Satz mit seiner sanften Klaviereinleitung und dem von der Cellistin Annette Theuring warm und weich vorgetragenen elegischen Thema. Mal irisierend und sanft, mal durch die an Verzierungen erinnernden Achtelbewegungen und die Melodieführung beschwingt, mal artikulatorisch geschärft in aggressive Akkordfortschreitungen gebettet und stets präzise im Klavier, das sich durch pointiert gesetzte Akzente als zusätzliche Klangfarbe in den Streicherklang mischte, erschien das  Musikstück in allen erdenklichen Charakterzügen und Klangfarben und erfuhr eine beeindruckend schön interpretierte Verarbeitung.

Chopins (1810-1849) Klavierkonzert Nr. 2 f-Moll – ein Fest an gesanglicher Pianokultur, zwischen Kraft und Zerbrechlichkeit changierend! Als feinsinnig souveräner Gestalter verstand es Alexander Reitenbach edle Kantabilität mit rhythmischen Impulsen auf spannende Weise in ein Gleichgewicht zu bringen und pure Klang-Girlanden und „virtuoses“ Rankenwerk in schieren Gesang zu verwandeln.

Liebesfreud und -leid

Mit blühender Agogik, erzählend-plastisch und durchweg harmonisch, explosiv-impulsiv im hochdramatischen Mittelsatz, dazwischen bildmalerisch bis zum tänzerisch-eleganten Finale, enfaltete Reitenbach die Chopinsche Notenfülle. Und machte mit differenziertem Spiel die Abgründigkeit der zwischen Liebesfreud und -leid schwankenden Tondichtung begeisternd hörbar. Aufmerksam und feinfühlig traten dabei die einzeln hervortretenden Stimmen des Quartetto Sense Parole mit dem Klavier in ein bruchlos geführtes musikalisches Zwiegespräch und bildeten andererseits – von Izabela Wiza-Kochmann souverän geführt – einen wunderbaren Klangteppich für den Pianisten. Für den begeisterten Applaus bedankten sich die Musiker mit der Alt-Wiener Tanzweise „Liebesleid – Liebesfreud“ von Fritz Kreisler.

Teil drei folgt am kommenden Sonntag

Im dritten und letzten Konzert des „Kleinen Hechinger Kammerzyklus“ am Sonntag, 1. Juli, um 17 Uhr in der Spittelkirche in Hechingen werden „Jugendliche Solisten“ Werke von Mozart, Giuliani, Gade und Schumann spielen.

Mit von der Partei sind die Solisten Nicola Pfeffer (Violoncello) und Niels Pfeffer (Gitarre) mit dem Orchester „Capella Tübingen“ unter der Leitung von Jochen Brusch.

Karten sind für 12 Euro, ermäßigt 6 Euro, an der Abendkasse erhältlich.

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