Hechingen Musik aus dem Trichter

Hechingen / ERNST KLETT 23.08.2012
Gegenüber einem historisch wertvollen Grammophon aus dunklem Edelholz nehmen sich ein CD-Spieler oder ein schnöder MP3-Player recht bescheiden aus. Optisch betrachtet. Aber das zählt bei Sammlern.

Seit mehr als 30 Jahren hat Rolf Geigle sein Herz an alles verloren, das alt bis uralt ist und Musik wiedergibt. Der Mann aus dem Bad Uracher Stadtteil Hengen besitzt die größte Sammlung antiker Grammophone in ganz Süddeutschland. Noch bis Ende dieses Jahres sind annähernd 300 Exemplare - samt und sonders betriebstüchtig - im Stadtmuseum Bad Urach ausgestellt, wo sie seit 2006 beheimatet sind. Dann zieht die private Grammophonsammlung Geigle mit Grammophonen, Plattenspielern, Schellackplatten, Schallplatten, Plattenhüllen und ganz viel weiterem Zubehör hoch nach Hengen. Rolf Geigle und seine Frau Lonie zeigen ihre Musikgeräte dann in einem vierstöckigen ehemaligen Bauernhaus. "Da wird dann hoffentlich alles Platz haben", hofft die Gattin des europaweit bekannten Sammlers.

Die Präsentation ist so groß, dass man kaum merkt, wenn ein Teil davon auf Reisen geht. So wie jetzt. Das Hohenzollerische Landesmuseum in Hechingen zeigt bis 21. Oktober einen repräsentativen Querschnitt der Geigleschen Sammelwut. Die Sonderausstellung im ersten Obergeschoss ist absolut sehenswert - zumindest für alle, die technik- und musikinteressiert sind. Man mag die ersten Grammophone mit ihren riesigen Trichtern aus den alten Filmen kennen. Wenn man plötzlich vor einem Original steht, dann hat das halt was ganz anderes auf sich. Ganz zu schweigen von richtigen Schätzen wie dem in ein Modellauto eingebautes Gerät aus dem Jahr 1910. Der Versicherungswert ist entsprechend stattlich.

Die Resonanz auf die Ausstellungseröffnung lässt hoffen. Bürgermeisterin Dorothea Bachmann forderte die Besucher auf, Werbung für die Sonderausstellung zu machen. Man brauche Frequenz im Museum - "sagen Sies weiter, wenns gefällt". Zustande gekommen war die Bad-Urach-Connection bei einem Besuch des Geschichtsvereins Gomaringen im Alten Schloss. Museums-Fachfrau Helga Ciriello hatte sofort Witterung aufgenommen, und fertig war die Sonderschau. Museumsleiter Dr. Stefan Schmidt-Lawrenz arbeitete sich bei der Eröffnung durch die Jahrzehnte. Der Historiker staunte, wie schnell doch alles geht. Gerade noch lauschte man der knisterigen Schellackplatte, und schon kommt die Musik aus dem Netz. Ins technische Detail ging Rolf Geigle dann bei der Führung durch die Schau.

Info Bis 21. Oktober gelten die üblichen Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr. Am Sonntag, 16. September, ist Museumscafé mit Grammophonmusik. Am 22. September steigt die erste Hechinger Phono- und Schallplattenbörse im Alten Schloss.

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