Hechingen Mopeds mit Kampfspuren

Hechingen / JUDITH MIDINET 28.08.2012
Viele alte Mopeds stehen noch unentdeckt in manch einer Scheune rum. Mark Fliegauf und Marijan Segovic haben ihre Modelle wieder aufpoliert und planen am Samstag ein großes Mopedtreffen im Wunderwerk.

Mit Mopeds knattern normalerweise Jungs über die Landstraßen, die flügge werden wollen, denen aber für den Autoführerschein noch ein, zwei Lebensjährchen fehlen. So muss das auch bei Mark Fliegauf gewesen sein. Sein Moped würde wohl noch heute in der Scheune stehen, wenn nicht sein Auto kaputt gegangen wäre, und er sich in der Not an das gute Stück erinnert hätte. Schnell war das alte Moped repariert und er fuhr damit durch Hechingen. "Ganz Hechingen hat gelacht", erzählt Fliegauf. Aber aus der Not wurde eine Leidenschaft, die er heute mit seinem Freund Marijan Segovic und den Mitgliedern der "NeiberRoggs" teilt.

Die "NeiberRoggs" sind 15 erwachsene Männer und acht Frauen aus Hechingen und der Umgebung, die in ihrer Freizeit an etwa 40 Mopeds aus den 50ern und 60ern tüfteln, sie pflegen und damit durch die Gegend heizen.

"Das sind Mopeds mit Kampfspuren", erklärt der Wunderwerk-Wirt Marijan Segovic. "Wenn die Mopeds aus der Scheune kommen, sind sie meist verrostet und haben kaputte Sitzbänke. Wir bringen sie aber technisch auf den neuesten Stand", sagt Fliegauf. Oft seien die Leute von den Nostalgie-Rädern so begeistert, dass sie fragen würden: "Kannst du mir auch eins besorgen?" Die Mopeds kann man ohne Motorradführerschein fahren, und sie schaffen bis zu 40 Stundenkilometer.

"Früher war derjenige, der ein Moped besaß, der King", weiß Fliegauf von Älteren, denen er Mopeds abgekauft hat. Und auch, wenn die "NeiberRoggs" in der Gruppe unterwegs seien, "haben wir die Hingucker auf unserer Seite", erzählt Segovic. Motorräder hätten da gar keine Chance.

Kleinere Ausfahrten machen die "NeiberRoggs" - die kein eingetragener Verein sind, jedoch ein eigenes Logo haben - jeden ersten Donnerstag im Monat. Aber auch größere Ausflüge unternehmen die Mopedfans, wie zum Beispiel an den Bodensee. "Das dauert halt ein bisschen länger", sagt Fliegauf. Und wenn unterwegs mal was kaputt geht, wird es direkt an Ort und Stelle repariert. "Ich schraube schon immer", erklärt Fliegauf sein technisches Wissen. Von 20. bis 24. September fahren die "NeiberRoggs" an den Vorarlberg nach Österreich.

Vorher findet aber an diesem Samstag, 1. September, noch ein großes Mopedtreffen im Hof des Wunderwerks statt - für alle, die ein Moped besitzen oder sich die Zweiräder einfach mal anschauen möchten. Ab 16 Uhr gibt es ein Stelldichein der Mopeds. Fahrer und Fahrerinnen dürfen sich gerne auch im Stil der 50er und 60er kleiden und frisieren. Um 17 Uhr gibt es eine kleine Ausfahrt und anschließend, so gegen 19 Uhr, wird eines der Mopeds prämiert. "Den Pokal schweißen wir extra dafür", sagt Segovic, der zusammen mit Fliegauf die Idee für das Treffen hatte. Dann wird im Hof gegrillt. Ab 21.30 Uhr spielt die Band "Boozebombs" feinsten Rockn Roll - eben so wie damals.