Jedes Jahr mehr Verfahren: Dieser Trend ist dem Geschäftsbericht der Hechinger Staatsanwaltschaft zum Jahr 2018 zu entnehmen. Mit 20 496 Verfahren hatte es das starke Dutzend an Staats- und Amtsanwälten in der Heiligkreuzstraße im vergangenen Jahr insgesamt zu tun. Das sind 0,64 Prozent mehr als im Jahr davor, wie Pressestaatsanwalt Markus Engel in seinem Jahresbericht darlegte. Besonders auffällig (nämlich um gut 25 Prozent) ist der Anstieg bei den Ordnungswidrigkeiten.

Der Bilanz zufolge endeten 10,9 Prozent aller Verfahren gegen bekannte Täter mit einer Anklage, weitere 15,1 Prozent mit einem Strafbefehl. 74 Prozent aller Verfahren wurden am Ende eingestellt, ein Drittel davon wegen erwiesener Unschuld oder weil die Tat nicht nachweisbar war. Worauf die Hechinger Juristen zurecht stolz sind: Der größte Teil der Verfahren, nämlich 53,4 Prozent, wurde innerhalb eines Monats erledigt. Nur 1,7 Prozent der Verfahren sind länger als ein Jahr anhängig.

Etliche Verfahren stießen auf ein besonderes öffentliches Interesse. Unter anderem diese:

► Am 1. April kam es in Winterlingen zu einem Tötungsdelikt. Die Staatsanwaltschaft Hechingen erhob gegen den Ehemann der Getöteten Anklage. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Hechingen verurteilte den Mann am 31. Oktober zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da der Angeklagte, der weiterhin in Untersuchungshaft sitzt, Revision eingelegt hat.

► Seit März 2017 lief ein umfangreiches Ermittlungsverfahren gegen einen Drogenhändlerring, der in großem Stil vorwiegend Marihuana und Kokain von einer albanischen Organisation bezog und in der Region Pfullendorf/Bodensee/Bad Saulgau vermarktete. In dem federführend von der Staatsanwaltschaft Hechingen betriebenen Verfahren gab es bislang acht Festnahmen. Die Verfahren wurden überwiegend 2018 vor dem Landgericht Hechingen verhandelt. Dabei ging es um bis zu 100 Kilogramm Marihuana und mehrere Kilogramm Kokain. Die Verfahren führten zu mehreren inzwischen weitgehend rechtskräftigen Freiheitsstrafen, teilweise bis zu sieben Jahren. Etwa 60 Kilogramm Marihuana und einige Hundert Gramm Kokain wurden sichergestellt.

► Die Ermittlungen wegen Raubüberfällen auf ein Spielcasino in Bisingen, eine Tankstelle in Geislingen sowie ein Spielcasino in Tübingen führte die Staatsanwaltschaft Hechingen zusammen. Das Landgericht Hechingen verurteilte den Angeklagten am 8. August zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Jahren sowie zu einer Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Außerdem wurde die Anordnung der Sicherungsverwahrung vorbehalten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Tierquälerei: Wegen des Vorwurfs, im Raum Albstadt eine Hündin mehrfach mit einem Holzstab geschlagen zu haben, stellte die Staatsanwaltschaft Hechingen gegen den Täter einen Strafbefehlsantrag zum Amtsgericht Albstadt. Der Strafbefehl mit einer Geldstrafe von 2700 Euro sowie einer tierschutzrechtlichen Einziehung des Hundes und einem Hundehalteverbot für drei Jahre ist seit Anfang 2019 rechtskräftig. Die Hündin kam zunächst in eine Außenpflegestelle des Tierheims und konnte mittlerweile an neue Besitzer vermittelt werden.

Bandendiebstahl: Im Rahmen von aufwendigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hechingen gelang es, fünf südosteuropäische Täter zu identifizieren, die als Bande unter anderem im Zollernalbkreis Einbrüche in Firmengebäude begingen. Die Beschuldigten kamen in Untersuchungshaft und wurden beim Landgericht Hechingen angeklagt. Das Quintett wurde am 24. Oktober rechtskräftig zu Haftstrafen zwischen vier Jahren und sechs Jahren und zehn Monaten verurteilt.

► Haftbefehle erwirkte die Behörde nach umfangreichen Ermittlungen auch gegen drei Täter, die unter anderem in den Landkreisen Sigmaringen und Zollernalb zahlreiche Wohnungseinbrüche begangen hatten. Vom Landgericht Hechingen wurden sie am 13. September zu Haftstrafen zwischen fünf und fünfeinhalb Jahren verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.

► Fünf Täter wurden ermittelt und angeklagt, die unter anderem in den Landkreisen Zollernalb und Sigmaringen zahlreiche Einbrüche in Schulgebäude begangen haben. Alle Täter wurden am 13. Dezember zu Freiheitsstrafen zwischen drei und fünfeinviertel Jahren verurteilt. Außerdem wurde teilweise die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Auch hier ist das Urteil rechtskräftig.

► Wegen der Überfälle auf Einkaufsmärkte und ein Spielcasino unter anderem im Zollern­albkreis und im Landkreis Sigmaringen gelang es der Staatsanwaltschaft Hechingen, fünf Täter zu ermitteln. Sie wurden am 12. November zu Haftstrafen zwischen einem Jahr und neun Monaten mit Bewährung bis zu siebeneinhalb Jahren verurteilt. Gegen vier der Angeklagten ist das Urteil rechtskräftig, der fünfte Angeklagte hat Revision eingelegt.

► Wiederholt straffällige Asylbewerber im Raum Sigmaringen hielten die Ermittler ebenfalls in Atem. Etliche Tatverdächtige wurden in U-Haft genommen. „Der Rechtsstaat“, betont Markus Engel in diesem Zusammenhang, werde „konsequent durchgesetzt“, unabhängig von Staatsangehörigkeit und Aufenthaltsstatus.