Hechingen Mit Freude Briefmarken sammeln

Hechingen / EBERHARD WAIS 07.04.2014
Auch die Briefmarkenvereine mühen sich um Nachwuchs. Wie das geht, war Thema des ersten Jugend-Phila-Bildungskongresses in Hechingen.

Eine der ersten Projekte, die der neue Präsident des Bundes Deutscher Philatelisten (BDPh) angepackt hat, ist die Aktivierung der Jugendarbeit. Zum Beispiel mit dem Ersten Jugend-Phila-Bildungskongress, der am Samstag im Hechinger "Museum" stattfand. Kundige Referenten, darunter die Rektorin des Haigerlocher Gymnasiums, Karin Kriesell, selbst aktive Philatelistin, zeigten auf, wie sich die Freude an Briefmarken im Unterricht vermitteln lässt, aber auch, wie eine philatelistische Arbeitsgemeinschaft funktioniert und wie eine Jugendgruppe gegründet wird. Der Bildungskongress war Teil des großen Philatelie-Wochenendes unterm Zoller, bei dem neben der Feier zum 50. Geburtstag der Briefmarkenfreunde Hechingen auch der 59. Landesverbandstag Südwest in Hechingen stattfand.

Uwe Decker, der die Runde moderierte, stellte eingangs fest, dass Kinder und Jugendliche immer noch viel Spaß beim Thema Briefmarken hätten. Aber bei zurückgehenden Schülerzahlen und geringerer Freizeit in den Ganztagesschulen stelle sich die Frage, wie man gezielt an den Schulen Nachwuchs ansprechen könne. Sicherlich gebe es positive Gespräche, so beispielsweise mit Kultusminister Stoch, doch an der Basis, bei den Vereinen, müsse man ebenfalls wissen, wie das Thema anzupacken sei. Deshalb dieser Kongress.

Die Ressortleiterin "Jugend, Familie, Bildung" im Vorstand des BDPh, Helma Janssen, hat die Erfahrung gemacht, dass Interesse an den bunten Briefmarken bereits bei den Kindergartenkindern festzustellen sei. Wichtig sei es, im Unterricht der Primarstufe die Wertschätzung an den Briefmarken zu wecken. Sie verwies auf zahlreiche Arbeitshefte des BDPh für den Unterricht und ergänzende Lehrerhilfen. Zugang zu den Lehrern finde man durch direkte Ansprache, aber auch bei Messen. Aktuell versucht man sogar, sich als externer Anbieter in der Lehrerfortbildung zu etablieren. Alles steht und fällt eben mit dem Interesse oder Desinteresse des Lehrers.

Da mochte ihr Karin Kriesell, auch Kassenwartin der Hechinger Briefmarkenfreunde, nicht grundsätzlich widersprechen. Sie beschrieb am Beispiel ihres eigenen Unterrichts in einer 5. Klasse, wie das Thema, etwa in Verbindung mit Märchen, interessant gemacht wird.

Es muss aber nicht immer gleich die Rektorin als Philatelistin sein oder ein aufgeschlossener Lehrer, es kann auch eine Briefmarken-AG sein, die im Rahmen der Ganztagesschule angeboten wird. Wichtig sei hier vor allem der gute Kontakt zur kommunalen Schulverwaltung, betonte Hans Steche, Vorsitzender des Briefmarkensammler-Vereins Fellbach. Wichtig sei dabei die fachliche Kompetenz und die richtige Zielgruppe - für die AG empfahl er die Klassen 4/5/6. Auch die Qualität des Arbeitsmaterials, also der Marken und der Ausrüstung, müsse stimmen, wolle man nachhaltigen Erfolg.

Der nächste Schritt ist dann die Gründung einer eigenen Jugendgruppe, worüber Christian Helfert, Jugendvertreter des Verbandes Süd-West, referierte. Wie findet man überhaupt die interessierten Kinder, wie ist das Interesse zu wecken und später das Feuer wachzuhalten? Hier gehe es vor allem um soziale Kontakte, weniger um das Markensammeln an sich. Und ebenso um soziale Kompetenzen, denn viele Kinder wüssten heute gar nicht mehr, wie man althergebracht einen Brief schreibt, adressiert und versendet.

Dass die Praxis mitunter ganz anders aussehen kann, gab Walter Marchart von den Markgröninger Philatelisten und bundesweit bestens bekannter Ausstellungsmacher, zu bedenken. Aus seiner einst sehr starken Gruppe ist heute nur noch ein kleiner Teil aktiv, die bekannte Klippe vom Jugend- in den Erwachsenenbereich wird, hat Marchart die Erfahrung gemacht, nur selten überwunden.

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