Die Söhne des Arztes und Schriftstellers Friedrich Wolf haben Parallelen zu zwei anderen Persönlichkeiten Hechingens aufzuweisen: Der eine, Markus Wolf, ist in Hechingen geboren und wurde Geheimdienstchef in der DDR, während Klaus Kinkel in Hechingen aufwuchs und Geheimdienstchef der Bundesrepublik wurde. Der andere, Konrad Wolf, kam am 20. Oktober 1925 in Hechingen auf die Welt und wurde einer der bekanntesten Regisseure der DDR. Er hat sein Pendant im in Hechingen allseits bekannten Regisseur Hannes Stöhr, der wie Klaus Kinkel nicht in Hechingen geboren wurde, aber hier aufwuchs.

Nur knapp zwei seiner Kindheitsjahre lebte Konrad Wolf in Hechingen, bis die Familie nach Höllsteig zog. Die Mutter Else Wolf floh mit ihren Kindern Markus und Konrad nach der Machtergreifung Hitlers im Juni 1933 vom letzten Wohnort Stuttgart nach Basel und kam über Frankreich nach Moskau.

Im Juni 1935 wurde Friedrich Wolf mit Bertolt Brecht und anderen die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Mit Juden, die auch noch Kommunisten waren, machte man von Anbeginn kurzen Prozess. 1936 erhielt die Familie Wolf die Staatsbürgerschaft der Sowjetunion verliehen. So war der Weg Konrad Wolfs vorgezeichnet. Hechingen konnte niemals, auch nicht in der Erinnerung, seine Heimat werden.

Als die Eltern in die DDR zogen, legte Konrad Wolf 1949 das Abitur ab und begann am Staatlichen Allunionsinstitut für Kinematografie ein Regiestudium. Er sollte es weit bringen. Unzählige Auszeichnungen, Gründungsmitglied und später auch Präsident der Akademie der Künste und eine Vielzahl von Filmen, überwiegend mit politischen Aussagen, prägten sein Leben. Sein letzter Spielfilm aus dem Jahr 1980 sollte sein größter Triumph werden. Mit "Solo Sunny" nach dem Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase gelang ihm ein Film, der nicht nur in der DDR viel Staub aufwirbelte, sondern auch in der Bundesrepublik Aufsehen erregte.

Renate Krößner, belohnt mit dem Silbernen Bären, spielte im Film ein karrieresüchtiges Schlagermädchen, das auf Selbstverwirklichung im Beruf wie auch im privaten Leben in der DDR pochte. Das wollten noch viele in der DDR, denn der Film war dort ein Publikumsrenner und lief monatelang im Kino. Er eröffnete die Diskussion, "wie weit darf der Einzelne in seinem Individualismus in einem sozialistischen Staat gehen?"

Die Wende 1989 hat Konrad Wolf nicht mehr erlebt. Er starb nach längerer Krankheit am 7. März 1982 in Berlin. Zu seinem 90. Geburtstag gibt es im Fernsehen nicht viel von ihm zu sehen. Lediglich der MDR zeigt "Professor Mamlock". Diesen Film drehte er 1961 nach der gleichnamigen Schauspielvorlage seines Vaters Friedrich Wolf. Der hat unter dem Eindruck des Reichstagsbrands "Professor Mamlock" geschrieben und schon all das vorweggenommen, was danach massenhaft grausame Wirklichkeit wurde.

"Professor Mamlock" sollte Pflichtlektüre im Geschichtsunterricht werden. In Hechingen sollte Friedrich Wolf ohnehin gelegentlich gelesen werden.

Info "Professor Mamlock" im MDR am Montag, 19. Oktober, um 23.40 Uhr, am 20. Oktober um 12.30 Uhr.