Fünf Monate Freiheitsstrafe für 25-Jährigen Mildes Urteil für Tankstellen-Räuber

Symbolbild: Gefängnis, Polizei, Straftat, Urteil, Prozess
Symbolbild: Gefängnis, Polizei, Straftat, Urteil, Prozess © Foto: Uli Deck
Albstadt/Hechingen / NILS HORST 08.08.2012
Er benötigte Geld für Zigaretten und Alkohol. Deshalb wollte ein 25-Jähriger im April eine Tankstelle in Ebingen überfallen. Der Versuch scheiterte, der Tankwart wehrte sich. Heute war Gerichtsverhandlung.
Vor Gericht musste sich der heute 25-Jährige wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Mit einem Kapuzenpullover und bewaffnet mit einem Küchenmesser ging der Angeklagte am 7. April 2012 in die Tankstelle in der Lautlinger Straße. Der geplante Raubüberfall scheiterte jedoch am couragierten Verhalten des Tankwarts. Er wehrte sich, kam hinter der Kasse vor und vertrieb den 25-Jährigen. Der Angeklagte ist bereits mehrfach straffällig geworden. Auf dem Tisch vor Richter Anderer liegen gleich mehrere Aktenordner. Mit 13 beging der Angeklagte seinen ersten Diebstahl, in der Schule gab es immer wieder Zwischenfälle mit Gewalt. Im März 2002 wurde er nach einem Raub mit Todesfolge an der Starzel in Hechingen festgenommen und zu acht Jahren Jugendstrafe verurteilt. Während der Richter den besagten Tathergang nochmals vorliest, sitzt der Angeklagte regungslos auf seinem Stuhl. Im Gerichtssaal herrscht absolute Stille, lediglich das Blättern der Akte ist zu hören. Auch im Vollzug sei der Angeklagte oft aufgefallen, es kam zu gewalttätigen Vorfällen, die eine Haftverschiebung zur Folge hatten. Zuletzt war er in Bruchsal im Gefängnis. Nach seiner Entlassung im September 2011 wohnte der junge Mann zunächst bei seiner Schwester. Auf die Frage des Richters, wie er sich nach fast zehn Jahren Haft „draußen“ zurecht fand, sagte der Angeklagte: „Es ging so“. Behördengänge und die mangelnde soziale Integration führten dazu, dass er wieder zu Alkohol griff und auch Drogen konsumierte. An dem besagten Tag des Raubüberfalls war der Angeklagte zu Hause, trank etwa vier Bier und eine Flasche Wodka. Gegen 20 Uhr kam er auf die Idee, die Tankstelle zu überfallen. „Ich wollte Geld“, sagte der 25-Jährige vor Gericht. Von der gegenüberliegenden Straßenseite beobachtete er die Tankstelle, kurze Zeit später betrat er gezielt den Verkaufsraum. Die Aussage des Angeklagten, dass er betrunken gewesen sei, ließ der Richter nicht gelten. Auf den Videoaufzeichnungen, die vor Gericht gezeigt wurden, ist deutlich zu erkennen, dass der Angeklagte zielstrebig und ohne zu schwanken in die Tankstelle läuft. Der 80-jährige Tankwart wehrte sich, nahm sich ein Schere und ging auf den Angeklagten zu. „Das war sicherlich nicht schlau von mir. Es hätte viel mehr passieren können“, sagte der Tankwart vor Gericht. Mit dessen couragiertem Einschreiten hat der 25-Jährige wohl nicht gerechnet. Statt weiter das Geld zu fordern oder gar Gewalt anzuwenden, flüchtete er. Für die Staatsanwältin ein Grund, den Strafrahmen zu mildern. Die Höchststrafe liege hier bei elf Jahren und drei Monaten. Sie forderte vier Jahre Freiheitsstrafe. Der Verteidiger führte an, dass es sich um keine rohe Gewalttat handelte. Das Messer sei nicht zielgerichtet geführt worden. Richter Anderer sagte, dass es ein glücklicher Umstand für den Angeklagten gewesen sei, dass der Tankwart eingegriffen habe. Problemlos, sagte der Richter. hätte der 25-Jährige den Mann umstoßen oder gar verletzen können. Für Anderer ein Fall von einem strafbefreiendem Rücktritt, die Tat wurde nicht vollendet. Übrig bleibe die Bedrohung, sagte Anderer. Das Urteil fiel mit fünf Monaten recht mild aus. Da der Angeklagte bereits seit April in Untersuchungshaft sitzt, wird er Mitte September bereits entlassen.
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