UMFRAGE Mehrheit für Kauf-Rathaus

Darf das Hechinger Rathaus zum Kauf-Rathaus umgebaut werden oder sagen die Denkmalschützer Nein? Foto: Ernst Klett
Darf das Hechinger Rathaus zum Kauf-Rathaus umgebaut werden oder sagen die Denkmalschützer Nein? Foto: Ernst Klett
SAMIRA EISELE ANDREA SPATZAL 22.03.2014
Die HZ-Online-Umfrage zum Kauf-Rathaus zeigt eine klare Tendenz: Die Mehrheit ist dafür. Aber ob die Idee überhaupt noch eine Chance hat, entscheiden die Denkmalpfleger. Und die halten sich bedeckt.

Die Beteiligung der Hechinger an der Online-Umfrage der HZ war erfreulich hoch. Die Idee vom Kauf-Rathaus eint und teilt die Einwohner dieser Stadt. Allen Hechingern gemein ist ein großes Interesse an der ungewöhnlichen Zukunftsperspektive. Uneinigkeit herrscht aber in der Frage selbst: "Das Rathaus muss bleiben wie es ist", sagen die einen. "Ein Frequenzbringer für die Oberstadt muss her, warum nicht im Rathaus?", finden die anderen. Über mehrere Wochen konnte man auf unserer Internetseite www.swp.de/hechingen ganz bequem per Mausklick sein Votum zu dem viel diskutierten Thema abgeben.

Das Ergebnis der Umfrage zeigt eine klare Tendenz zum Ja. 58 Prozent der Umfrageteilnehmer klickten auf die Antwort: "Das finde ich gut! Die Oberstadt braucht mehr Leben und Geschäfte". Weitere 22 Prozent finden: "Mehr Geschäfte in der Oberstadt wären gut, aber bitte nicht im Rathaus".

Nur 14 Prozent der Umfrageteilnehmer sind strikt gegen einen Umbau und betätigten bei "Das geht gar nicht! Das Hechinger Rathaus gilt als architektonisches Kleinod und sollte so, wie es ist, erhalten bleiben" die Maustaste.

Sechs Prozent zeigen sich in der nicht-repräsentativen Umfrage resigniert. Sie antworteten: "Das ist mir ganz egal, damit wird das die Oberstadt auch nicht gerettet."

Er gab auch Wortmeldungen auf Facebook. "Es ist schon komisch: Einst hat man, wenn ich mich richtig erinnere, aus Platzmangel das Tourismusbüro, das Bauamt und was noch alles, ausgelagert. Jetzt ist auf einmal Platz für verschiedene Läden. Irgendwie passt da was nicht. Für mich gibts da noch viele offene Fragen", findet Romy Maute.

Auch Facebook-Nutzer Heiko Peter Melle hat Bedenken: "Sagen wir mal so, Toilettenpapier und Salat frisch vom Rathaus? Ein Kaufhaus im Rathaus als Frequenzbringer? Glaube ich nicht und die Geschäftsleute, die jetzt dafür sind, jammern anschließend darüber, dass ihr Umsatz zurückgeht wegen neuer Konkurrenz."

Ob die Idee überhaupt noch eine Chance hat, entscheiden derzeit die Denkmalpfleger. Bekanntlich hatte die Absicht von Bürgermeisterin Dorothea Bachmann, Investoren ans Rathaus ranzulassen, in Windeseile Architekten und Denkmalschützer auf den Plan gerufen. Das Bauwerk des bekannten Architekten Paul Schmitthenner (1884-1972), das bereits als Kulturdenkmal rangiert, könnte zum Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung hochgestuft werden. Dann geht mit Sicherheit nichts mehr.

Das Referat 26 Denkmalpflege im Regierungspräsidium Tübingen hält sich bedeckt. Es gibt keine Auskunft über den Stand der Prüfungen und schon gar nicht auf die Frage, wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist. "Über die Verfahrensdauer lässt sich nichts konkret sagen", sagt RP-Pressesprecher Dr. Oliver Knörr. Die Prüfungen seien je nach Objekt "mehr oder weniger zeitaufwändig". Eine Checkliste haben die Denkmalpfleger nicht, eher viel Ermessensspielraum. Unter besonderen Schutz gestellt wird ein Bauwerk laut baden-württembergischen Denkmalschutzgesetz dann, wenn "aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein gesteigertes öffentliches Interesse daran besteht". Bei der Prüfung sei "das Gebäude selbst und seine Aussagekraft ausschlaggebend". Wie sehr ein Gebäude " denkmalfähig und -würdig" ist, bewertet eine Kommission aus Experten nach einer ausführlichen Begehung zusammen mit den Eigentümern oder dessen Vertretern. Auf Grundlage der Inaugenscheinnahme wird federführend von der Fachbehörde am RP Tübingen ein Gutachten erarbeitet, das dann mit dem Landesdenkmalamt in Stuttgart abgestimmt wird.