Wie funktioniert ein Boxautomat? Gut, dass Lorenz Welte nachfragte. Denn er war garantiert nicht der Einzige in der kleinen Runde, der es nicht wusste. Das Verhältnis zwischen erwachsenen und jugendlichen Teilnehmern im Jugendzentrum ging zwar sehr eindeutig in Richtung ältere Jahrgänge, aber gebracht hat das erste Speed Dating zur Kommunalwahl in der Hechinger Stadtgeschichte sehr wohl etwas.

Jürgen Püttbach, im Rathaus zuständig für Kinder, Jugendliche und Schulen, hatte neben amtierenden Stadträten und Kandidaten auch Jugendarbeiter und Vertreter der Stadt eingeladen. Gekommen waren ganz offenkundig alle (die AfD wurde nicht ins Juz gebeten), nur bei den Gesprächspartnern haperte es – trotz flächendeckender Werbung an den Schulen. Püttbach, nicht verlegen, teilte mit, so habe man schon die erste Facette der Jugendarbeit kennengelernt: Es ist schwierig, Jugendliche zu erreichen. Martin Link, bekannt von der Lichtstube, warb als Moderator bei den anwesenden Umworbenen, alles Juz-Besucher, darum, jetzt die  große Chance zu ergreifen, um „face to face“ Fragen und Anregungen loszuwerden.

Fürs eilige Unterhalten an Tischen und Bänken hätte es jeweils  drei Minuten Zeit geben sollen. Dann würde gewechselt werden. Aber die große Glocke dafür blieb stumm, denn wenn sich schon mal welche trauten, wollte man die nicht auch noch unterbrechen. Innerhalb einer Stunde kam auf diese Weise zwar nicht revolutionär Neues, aber doch viel Nützliches heraus.

Bürgermeister Philipp Hahn weiß jetzt, dass kein Mensch weiß, wo es in der Stadt öffentliches WLAN gibt. Kümmern will er sich um Treffpunkte beziehungsweise Chill-Ecken, und gute Kunde hatte er beim mehrfach gewünschten Soccer-Court: Hahn äußerte sich zuversichtlich, dass der Gemeinderat da mitmacht. Und wo soll er hin, fragten Freie-Wähler-Chef Werner Beck und sein CDU-Pendant Lorenz Welte? Beim Schwimmbad, wo schon die Skater-Anlage ist, das ginge in Ordnung.

Die Nummer 1 bei den Jugendlichen waren eindeutig die Sportstätten, frei zugängliche, wohlgemerkt. Häufiges Thema war das Juz selbst. Abends sollte es länger offen haben und sonntags überhaupt geöffnet sein. An dritter Stelle des häufig Genannten waren die fehlenden  Treffpunkte in der Stadt, und beim Sonstigen fanden sich unter anderem Einkaufsmöglichkeiten und das öffentliche Netz.

Martin Link gab zum Finale die zuvor von den erwachsenen Datern aufnotierten Themen und Projekte bekannt. Das waren durchaus einige, und das nahm sich für alle Beteiligten als ganz in Ordnung an. Zugehört haben die Stadträte und Kandidaten gut. Wolfgang Markowis (Bunte Liste) weiß jetzt, dass es geschlechtsspezifische Treffs braucht. Regina Heneka (CDU) regte die Jugendlich an, doch weiterhin auf die Kommunalpolitiker zuzugehen, und Almut Petersen (Bunte Liste) will ein Speed Dating auch  an den Schulen.

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Jugendliche hat Rainer Püttbach zu Beginn als Teilnehmer gezählt. Es kamen dann aber noch welche dazu aus dem Internetcafé, die flott überzeugt wurden, doch ebenfalls mitzumachen.