Hechingen / Thomas Jauch

Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg unterstützt die systematische Entwicklung und Qualitätssteigerung von regional, national sowie international sichtbaren Cluster-Initiativen und landesweiten Netzwerken aus Baden-Württemberg,“ so ist auf der Internetseite www.clusterportal-bw.de zu lesen. Ein guter Grund also, nach Hechingen zu kommen für Edith Köchel, Leiterin des Referats „Clusterpolitik, regionale Wirtschaftspolitik“ im Wirtschaftsministerium. Zusammen mit Referentin Andrea Krueger, die unter anderem für das Qualitätslabel „Cluster-Exzellenz Baden-Württemberg“ zuständig ist, galt der Besuch der Cluster-Initiative „Medical Valley Hechingen“.

Empfangen wurden die Mitarbeiterinnen des Wirtschaftsministeriums zuerst im Rathaus vom Ersten Beigeordneten Philipp Hahn und vom städtischen Wirtschaftsbeauftragten Hans Marquart, es folgte ein Besuch beim Medizintechnikunternehmen Baxter.

Dort stellte Geschäftsführer Dr. Thomas Ertl den weltweit operierenden Konzern und speziell natürlich das Hechinger Werk vor. 1300 Mitarbeiter bauen hier vor allem „Renal Products“, sprich Produkte für die Nierenersatztherapie. Bei der Herstellung von Dialysatoren zur – je Produkt einmaligen – Blutreinigung ist die Hechinger Fabrik von Baxter einer unter den fünf größten Produzenten weltweit. Gleichzeitig ist sie im Konzern als Center of Excellence für Membranen ausgewiesen. Gearbeitet wird rund um die Uhr in fünf Schichten.

Beeindruckend war dann die Führung durch die Produktionsstraße für den 2016 eingeführten neuen Dialysator „Theranova“, der vor allem große Schadstoffmoleküle effizient aus dem Blut wäscht. Ertl betonte dabei, dass die modernste Produktionslinie im Betrieb sich nunmehr im ältesten Teil der Firma aus den 1970er-Jahren befinde.

Entscheidend für den Erfolg der nahezu vollautomatischen Produktion ist zum einen die Reinraumtechnik, zum anderen die hohe Effizienz, die durch eine ausgeklügelte Qualitätskontrolle sichergestellt wird. Jeder Produktionsschritt wird überwacht – eine Arbeit, für die es durchaus noch den Mitarbeiter aus Fleisch und Blut braucht. Insgesamt peilt das Hechinger Werk im Jahr 2017 die Produktion von rund 32 Millionen Dialysatoren an – Tendenz steigend.

Bei einem abschließenden Gespräch betonten Edith Köchel und Andrea Krueger, dass das Wirtschaftsministerium die Cluster-Initiative „Medial Valley Hechingen“ gerne unterstütze. Darüber freuten sich Ertl, Hahn und Marquart, gibt es doch aktuell Überlegungen, die Strategie des „Medical Valley“ neu zu überdenken beziehungsweise auszurichten und über das bisherige Seminarprogramm hinaus aktiv zu werden. Hier hatte Edith Köchel den entscheidenden Vorschlag: Der Leiter der Cluster-Agentur Baden-Württemberg, der promovierte Ingenieur Gerd Meier zu Köcker, wird demnächst eine Strategiediskussion des Vereins „Medical Valley Hechingen Akademie e.V.“ moderieren.

40 Medizintechnik-Unternehmen sind dabei

Als Verein Medical Valley Hechingen Akademie aufgestellt, haben mehr als 40 Medizintechnik-Unternehmen aus dem Mittelbereich Hechingen und darüber hinaus ein Cluster gebildet, das beispielsweise Fachseminare organisiert, Nachwuchsförderung betreibt und mit den einschlägigen Instituten und Einrichtungen vor allem in Tübingen und Reutlingen vernetzt ist. Mit im Boot ist das Medical Valley auch bei zwei Leuchtturmprojekten des Landeswettbewerbs RegionWin, bei denen im Juni Richtfest in Kusterdingen gefeiert wurde: Dort entsteht ein Technologiezentrum für Nanoanalytik und für sogenannte „Flying Labs“, Labore die für alle zugänglich sind.