Kunst Max-Ernst-Ausstellung in Hechingen eröffnet

Hechingen / Hardy Kromer 09.11.2016

Max Ernst, als Mitbegründer des Dadaismus manchmal auch Dada-Max genannt, gilt als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Und als einer der produktivsten dazu. Gut 2000 Grafiken hat das 1891 in Brühl (Rheinland) geborene und 1976 in Paris gestorbene Multitalent geschaffen. 106 davon, allesamt Originale, sind ab sofort im Hohenzollerischen Landesmuseum in Hechingen zu sehen.

Von zwei Leihgebern (die anonym bleiben wollen) hat sie der in der Kunstszene gut vernetzte Dr. Stefan Schmidt-Lawrenz erhalten. Der hohe Wert und die künstlerische Vielfalt der Exponate ließen den Ausstellungsmacher gestern Abend bei der Eröffnung von einer „ganz fantastischen Ausstellung“ sprechen.

Die meisten der rund drei Dutzend Kunstinteressierten, die sich gleich die erste Führung durch die seltene Schau nicht entgehen lassen wollten, stimmten Schmidt-Lawrenz spontan zu – auch wenn sie nur einen ersten Eindruck gewinnen konnten. Die Fülle der dicht an dicht gehängten Bilder, die vielerlei Vergleiche ermöglicht, verlangt dem Betrachter zweifellos mehr Zeit ab, als sie ein Vernissagenabend zu bieten vermag.

Die Hechinger Ausstellung zeigt in erster Linie den Grafiker und Buchillustrator Max Ernst. Sie erlaubt tiefe Einblicke in die Vielfalt der Techniken, derer sich der deutsch-französische Surrealist bediente (siehe Info-Kasten) und zeigt eine Fülle von Lithografien, Radierungen, Collagen, Drucke und Frottagen. Die Motivwelt wird von den für Max Ernst typischen Vögeln, Vogelmenschen und vogelartigen Wesen dominiert, aber auch bizarre Landschaften sind stark vertreten. Mehrere Vitrinen widmen sich der Gegenüberstellung von Original-Grafiken und Büchern, in denen diese abgedruckt wurden. Darunter so berühmte wie Lewis Carrolls „Wunderhorn“, das gleich am Eingang zu den Ausstellungsräumen zu sehen ist.

Begrüßt wurden die Vernissagengäste gestern Abend von Jürgen Rohleder, dem Leiter des städtischen Fachbereichs, zu dem auch das Landesmuseum gehört. Er überbrachte die Grüße von Bürgermeisterin Dorothea Bachmann und dankte den Leihgebern und Ausstellungsmachern. Stefan Schmidt-Lawrenz stellte den Gästen dann den Künstler Max Ernst vor, der das Schicksal so vieler deutscher Genies des vergangenen Jahrhunderts teilte: Kaum bekannt geworden, wurde er schon von den Nazis verfolgt und vertrieben. „Er war die Inkarnation dessen, was bei den Nazis als entartete Kunst galt“, sagte der Redner. Ernst emigrierte erst nach Frankreich, dann in die USA, kehrte 1953 nach Frankreich zurück, mehrte seinen Ruhm und starb 1976 als Franzose.

„Max Ernst“, schloss Schmidt-Lawrenz seine Einführung, „ist jemand, der polarisiert. Entweder er gefällt einem – oder er gefällt einem nicht.“ Doch auch wenn man kein Fan dieser oft irritierenden Art von Kunst ist, sollte man sich diese bemerkenswerte Ausstellung nicht entgehen lassen.

Gelegenheit zum Besuch besteht ab sofort mittwochs bis sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr. Bis zum 15. Januar sind die Grafiken und Bücher von Max Ernst in Hechingen zu sehen.

Von Max Ernst erfundene oder angewandte Techniken

1 Frottage von französisch „frotter“ = reiben. Ein Blatt
Papier wird auf einen strukturierten Untergrund gelegt. Mit einem Bleistift wird die Struktur durchgerieben.

2 Collage Bild­material wird
gesammelt, ausgeschnitten und auf einem anderen Bildträger neu zusammengefügt.

3 Radierung Die Radierung ist ein Tiefdruck­verfahren, bei dem das Motiv in eine Kupfer- oder Zinkplatte geätzt wird.

4 Lithographie Die Lithographie ist ein Flachdruckverfahren, bei dem das Motiv auf einen Stein aufgebracht wird. Max Ernst arbeitete allerdings oft mit Umdruckpapier, dessen Vorlage dann auf eine Zinkplatte übertragen wurde.

5 Serigraphie/Siebdruck Ein Druckverfahren, bei dem die Druckfarbe durch ein feinmaschiges Gewebe hindurch auf das zu bedruckende
Material aufgebracht
wird.

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