Marktplatz 3 Marktplatz 3: Fassadenwettbewerb startet

Schlummert unter dem bestehenden Gebäude Marktplatz 3 (links) noch ein mittelalterlicher Keller? Das soll jetzt ganz schnell untersucht werden.
Schlummert unter dem bestehenden Gebäude Marktplatz 3 (links) noch ein mittelalterlicher Keller? Das soll jetzt ganz schnell untersucht werden. © Foto: Hardy Kromer
Hechingen / Hardy Kromer 24.02.2018

Mut brauche Hechingen, sagte CDU-Stadträtin Regina Heneka am Donnerstag in der Ratsdebatte über das Bauprojekt Marktplatz 3. „Wenn Kolumbus keinen Mut gehabt hätte, wäre er nicht nach Amerika gefahren.“

Solche Wortmeldungen waren es, die den potenziellen Investor Daniel Löwenstein von der EJL-Gruppe im Wortsinne ermutigen, sein großes Projekt für die Hechinger Altstadt voranzutreiben. Über die kritischen Stimmen, die es auch gab, sei man bei EJL „nicht verwundert und nicht erschrocken“, sagte Löwenstein am Tag danach der HZ. Man sei sich schließlich darüber bewusst, dass das Thema ein heikles sei. Insgesamt, so der EJL-Chef, nehme man aus der Sitzung die Erkenntnis mit, „dass eine deutliche Mehrheit im Rat für unser Projekt ist“.

Die Tatsache, dass man sich im weiten Rund vor großer Kulisse sehr schnell darüber einig war, dass es noch einen kleinen Architektenwettbewerb für die Gestaltung der Fassade des geplanten Geschäftshauses neben dem Rathaus braucht, sieht Löwenstein „relativ entspannt“. EJL nehme alle Ideen, die aus einem solchen Wettbewerb entstünden, gerne auf, habe aber „keine große Hoffnung, dass diese Ideen auch umgesetzt werden können“. Schließlich habe man selbst schon seine Erfahrungen mit den strikten Vorgaben des Denkmalamtes gemacht. Was er dem Gemeinderat präsentiert habe, so Löwenstein, sei ohnehin „nicht unsere Wunschfassade, sondern ein Kompromiss“. Aber nochmal: „Wir sind für alles offen, was eine Verbesserung bringt.“

Als Ideensammlerin ist Stadtbaumeister Helga Monauni auserkoren. Ihr Job ist es jetzt, den Wettbewerb um die Fassade, die sich am schönsten in die historische Altstadt einfügt, zu starten. Eine förmliche Ausschreibung wird es nicht werden. „Das würde viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Monauni. Vielmehr werde man gezielt Hechinger und einige auswärtige Architekten anschreiben und um Vorschläge bitten. Sechs Wochen, meint sie, sei ein realistischer Zeitraum, innerhalb dessen man Ergebnisse erwarten könne.

Auch die Stadtbaumeisterin hat nach eigenen Worten kein Interesse, das Projekt zu verzögern. „Die Stadt braucht dringend eine Vitaminspritze“, hatte Helga Monauni vor dem Gemeinderat für das EJL-Projekt geworben. Sowohl der Stadtverwaltung als auch dem Landesdenkmal sei es ein Anliegen, „dass aus diesem Projekt etwas wird – und zwar so, dass alle einverstanden sein können.“ Deshalb suche man über den Wettbewerb nach der bisher noch fehlenden „Vergleichbarkeit“.

Ganz auf die Schnelle hätte die EJL-Gruppe auch ohne diesen Zwischenschritt nicht loslegen können. Schließlich stehen noch die Probegrabungen der archäologischen Denkmalpflege aus. Darum, so kündigt Helga Monauni an, werde sich die Stadt nun selbst kümmern, nachdem andere es bislang nicht getan hätten. Vordringlich seien dabei die Untersuchungen im Untergeschoss des bestehenden Hauses Marktplatz 3. Dort gilt es zu klären, ob unter der heute untersten Etage noch ein mittelalterlicher Keller schlummert.

In einem zweiten Schritt braucht es dann einen „Suchschlitz“ auf dem Juz-Parkplatz und auf dem Gelände der Brandbrache an der Rabenstraße – auf jenen Grundstücken, die die EJL ebenfalls schon für sich überplant hat. Wie man sich diese archäologischen „Sondagen“ vorzustellen habe, erläuterte Erster Beigeordneter Philipp Hahn dem Gemeinderat höchst anschaulich: „Da wird sicher mit dem Bagger gegraben und nicht mit der Schaufel. Und da steht dann auch sicher ein Fachmann daneben und kein Zahnarzt.“

Dass diese Untersuchungen rasch vonstatten gehen, ist im Interesse aller, die sich das EJL-Projekt für die Altstadt wünschen. Für Daniel Löwenstein ist es jedenfalls ein K.o.-Kriterium: „Wenn das den Bau um ein, zwei Jahre verzögert, ist es für uns nicht mehr interessant.“

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