Weltreise Marius Topp ist mit seinem Fahrrad in Kroatien angekommen

Judith Midinet 11.11.2016

Vor acht Wochen ist der Hechinger Marius Topp mit Sack und Pack auf seinem Fahrrad zu einer Reise aufgebrochen (wir berichteten). Eine Reise, die bewusst kein Zeitlimit und kein festes Ziel hat. Den Pazifik hatte Marius mal als Richtung ins Auge gefasst. Zwischenzeitlich ist er in Kroatien angekommen und erzählt in der HZ von seinen Erlebnissen und Eindrücken:

„Folgende Dinge habe ich bei dem Start meiner Reise falsch eingeschätzt: Meine Fitness sowie das Handicap durch ein etwa 50 Kilo schweres Rad, wobei das durchaus zusammenhängen könnte.

Ich startete damit, mir die Routen auf Googlemaps anzuschauen, um sie später von meinem Navi neu berechnen zu lassen. Grandiose Idee: 900 Höhenmeter laut Google für die Strecke Hechingen-Konstanz. Da dachte ich mir noch, das sei machbar, eventuell sogar an einem Tag. Mein Navi machte daraus 1500 Höhenmeter, 800 davon auf den ersten 30 Kilometern. Das weiß ich so genau, weil mein Navi alle Daten aufzeichnet, mich über jede einzelne Serpentine auf der Schwäbischen Alb geschickt hat, und ich genau soweit am ersten Tag gekommen bin. In der Nacht hatte ich die schlimmsten Krämpfe meines Lebens. Dank dieses genialen Routensystems habe ich es geschafft, durch das Allgäu nochmal 2400 Höhenmeter zu radeln. Da ich es mir aber in den Kopf gesetzt hatte, am gleichen Abend einen Freund zu besuchen, radelte ich bei Tageskilometer 140 und Gesamthöhenmeter 1900 weiter. Es war längst dunkel. Der Schotterweg, auf dem ich unterwegs war, führte zu allem Überfluss durch einen Wald. Als ich völlig am Ende meiner Kräfte war, tauchte ein Schild auf: noch neun Kilometer – keine Erleicherung. Ich legte mich in den Kies und überlegte, ob ich meinen Schlafsack auspacken und direkt dort übernachten sollte. Nach etwa einer halben Stunde Pro und Contra entschied ich mich doch, meine Etappe zu beenden. Das waren die sicher längsten neun Kilometer Waldspaziergang meines Lebens.

Weiter ging es dann nach München, von dort in Richtung Füssen, um in Österreich auf der Römerstraße das Land zu durchqueren. Die erste Herausforderung war der Fernpass, den ich auf einer Waldstrecke überquerte. Ab und zu begegnete ich jemandem. Mit meinem Packesel war ich dort aber eher die Ausnahme. Am nächsten Tag ging es weiter durch das Oberinntal bis zur Kajetansbrücke. Je näher ich dem Reschenpass kam, desto besser wurde das Wetter – die Wetterscheide, wie mir gesagt wurde.

An der Schweizer Grenze Martina begrüßte mich die Passstraße mit der Nummer 11. In elf Kehren ging es auf knapp sieben Kilometern nonstop bergauf. Auf dem letzten Abschnitt traf ich einen Deutschen. So konnte ich einen ganzen Tag nette Gespräche während des Radelns führen. In Verona verabschiedeten wir uns nach einem Besuch im Restaurant. Bis dahin gefiel mir Italien echt gut. Immer ein schönes Alpenpanorama, während man stets leicht bergab durch das Tal aus den Alpen rausfährt.

Ab Verona fand ich Italien einfach nur Trist. So gut wie jeder Quadratmeter ist Privatbesitz. Wenn es keine Äcker sind, dann ist das Grundstück eingezäunt, mit einer Kamera überwacht oder ein Hund steht Wache. So gestaltete sich auch das Campen dort schwierig. Ab Venedig änderte sich nicht viel für mich – eher zum Nachteil. Ich fuhr auf der SS14, eine kleine Überlandstraße von Venedig nach Triest. Alle 30 Sekunden schoss ein Lastwagen an mir vorbei.

In Slowenien begrüßte mich die Bora – ein Polarwind mit Böen, eiskalt! Die Temperatur fiel innerhalb von zwei Stunden von 20 auf vier Grad. Ansonsten gefiel mir Slowenien sehr gut, viel Wald, und Fels, etwas bergig – eine Mischung aus Allgäu, Österreich und Auenland.

Mittlerweile bin ich in der Nähe von Split in Kroatien. Das Wetter ist besser, die Laune gut. Zur Zeit radle ich in Gesellschaft. Wir haben in Kroatien die gleiche Route und verstehen uns gut. Mehr kommt im nächsten Bericht.“

Info Mehr zur Reise von Marius Topp unter www.pathbuddy.net.