Als 13-jähriger Jüngling hat sich Mario Peters erstmals an eine Kirchenorgel gesetzt. Daheim im 1500-Einwohner-Dorf Bell ganz in der Nähe von Maria Laach in der Eifel war sein Vater Kirchenmusiker – und beschloss, einen Teil seiner Dienste dem Sohnemann zu übertragen. „Er hat mir drei Akkorde gezeigt und mir für jeden Einsatz fünf Mark versprochen“, erinnert sich der heute 53-Jährige. Fortan spielte der junge Mario an jedem Werktag morgens um 7 Uhr zum Gottesdienst auf, bevor er 40 Minuten später zum Schulbus hetzte. „Vom Lohn habe ich meine Märklin-Eisenbahn finanziert“, schildert er schmunzelnd.

Keine Frage: Mario Peters  wurde der Beruf des Kirchenmusikers gewissermaßen in die Wiege gelegt, oder wie er selber sagt: „Ich bin da reingewachsen.“ Bei „Jugend musiziert“ gewann das Talent bald den Orgelwettbewerb und lernte Professoren kennen, die ihm ein einschlägiges Studium nahelegten. In Köln studierte Peters dann in der Tat Kirchenmusik, 1986 trat er im Rheinland seine erste Stelle an, in Stuttgart sattelte er noch einmal vier Semester drauf, und nachdem er in Esslingen seine Frau Alexandra kennengelernt hatte, stand bald die Familiengründung an – und die Stiftskantorenstelle in Hechingen kam wie gerufen. „Als wir zum erstenmal nach Hechingen gekommen sind, hat meine Frau gesagt: Hier ist es verschlafen und grün, also ideal für die Kinder.“

1994 war das, vor 25 Jahren. Und dieses „Hechinger Jubiläum“ wird jetzt gefeiert. Nicht auf Wunsch des Jubilares selbst, wie dieser ausdrücklich betont, sondern auf Initiative seiner Chöre: Am kommenden Sonntag, 24. März, um 18 Uhr gestalten sie mit und für ihren Leiter in der Stiftskirche eine ganz besondere liturgisch-musikalische Veranstaltung: eine Chorvesper mit Lichtfeier (siehe Kasten).

Stadtpfarrer Michael Knaus hält die Würdigung für angemessen und spricht das aus, was ganz viele Menschen, die mit Mario Peters zu tun haben, denken: „Er ist ein Glücksfall für Hechingen“ – und das seit einem Vierteljahrhundert. Denn Peters sei in der Lage, ganz tief aus der Musikgeschichte zu schöpfen, die jeweilige Musik dabei aber nicht zu musealisieren, sondern sie in die Gegenwart zu holen.

Ein Glücksfall ist Mario Peters gewiss auch für den Leitenden Pfarrer der Seelsorgeeinheit selbst. Denn Knaus ist seit seinem Amtsantritt vor einem guten Jahr damit beschäftigt, neues Leben in der Gemeinde zu wecken und neue Gottesdienstformen zu etablieren. Und genau darin ist ihm der kreative Kantor eine große Stütze. „Ich bin sehr interessiert an solchen neuen Formen, und ich habe dafür eine Menge Ideen“, sagt Peters.

Dabei räumt er offen ein, dass er anfangs nicht vor hatte, länger als sieben oder acht Jahre unterm Zollern zu bleiben. Denn Peters ist im Besitz eines A-Examens und bekleidet in Hechingen nur eine B-Stelle. Das heißt: Der Mann ist überqualifiziert und wollte eigentlich mal Bezirkskantor werden. Doch dann hat es der Familie in Hechingen so gut gefallen, es sind viele Freundschaften entstanden, und auch das berufliche Umfeld hat sich nach Peters’ Geschmack entwickelt: Zum einen sind die Chöre, die er leitet, gar prächtig gediehen, und zum anderen hat er – zugegebenermaßen nach zähem Ringen – auch genau die Orgel bekommen, die er haben wollte: „ein ganz starkes Konzert- und Liturgieinstrument mit Ausstrahlung, an der man sich auch noch nach Jahrzehnten freut“. 2004 wurde die neue, 850 000 Euro teure Orgel in der Stiftskirche eingeweiht – „und von da an“, sagt Peters, „wurde es für mich noch schwerer zu gehen“. Und auch jetzt, als 53-Jähriger, dessen Kinder erwachsen sind, hat er nicht mehr vor, Hechingen zu verlassen: „Wenn mich keiner wegjagt, dann bleibe ich hier. Ich habe noch viel vor.“

Überwunden hat Mario Peters inzwischen eine gesundheitliche Krise. Vor drei Jahren hatte er einen Hörsturz erlitten, der ihn zum Kürzertreten zwang. Heute sagt er: „Ich bin gesund. Aber ich mache jetzt halt keine zwei Konzerte mehr an einem Wochenende“. Dass er immer noch Feuer hat, vermittelt er Woche für Woche 120 Sängern, die einem seiner Chöre angehören: dem Stiftschor, dem Gospelchor, dem Kinderchor, dem Doppelquartett und dem Jungen Vokalensemble. Sein Wunsch zu seinem persönlichen Jubiläum: „dass mehr junge Leute in die Chöre kommen und dass sich auch immer wieder Leute als Organisten ausbilden lassen“. Funfact am Rande: 1994, also ebenfalls vor 25 Jahren, war es, als Mario Peters in Pfullendorf einem jungen Mann die C-Prüfung als Kirchenmusiker abnahm. Sein Name: Michael Knaus.

So wird das Silberjubiläum gefeiert


Eine Chorvesper mit Lichtfeier wird zu Ehren von Mario Peters am kommenden Sonntag, 24. März, um 18 Uhr in der Stiftskirche gefeiert. Gestaltet wird sie vom Stiftschor, vom Gospelchor und vom Jungen Vokalensemble der Gemeinde. Im Chorraum der Kirche sitzen sich die Akteure gegenüber wie die Mönche im Kloster bei ihrem Chorgebet. Aufgeführt werden kirchenmusikalische Werke von Thomas Tallis, Howard Goodall, Felix Mendelssohn Bartholdy, John Rutter und anderen. „Das wird sehr stimmungsvoll“, verspricht Pfarrer Michael Knaus. Anschließend trifft man sich zu einem Umtrunk im Gemeindehaus. hy