HECHINGEN Maria Brück ist tot

An Maria Brücks 99. Geburtstag im vergangenen September zählte Hechingens Bürgermeisterin Dorothea Bachmann zu den Gratulanten.
An Maria Brücks 99. Geburtstag im vergangenen September zählte Hechingens Bürgermeisterin Dorothea Bachmann zu den Gratulanten. © Foto: SWP-Archiv
Hechingen / SABINE HEGELE 05.02.2013
Maria Brück, die bedeutendste Künstlerin der Zollernstadt, ist tot. Sie starb im 100. Lebensjahr.

Maria Brück, die bedeutendste Künstlerin der Zollernstadt, ist tot. Zu ihrem 100. Geburtstag hatte sie sich eine große Retrospektive in ihrer Heimatstadt gewünscht – vielleicht wird ihr dieser Wunsch posthum erfüllt.

Erst im Dezember zählte Maria Brück noch zu den Ehrengästen der Artothek in der Villa Eugenia. Davor, Ende Oktober, hatte die Kunstmalerin der Gemeinde Sickingen (der Heimat ihres Großvaters Alfons Bogenschütz) sechs ihrer Werke als Dauerleihgabe überlassen – und war auch bei dieser Übergabe im Rahmen des Sickinger Weinfestes persönlich anwesend. Jetzt hat Maria Brück für immer die Augen geschlossen – sie starb am Montag im gesegneten Alter von 99 Jahren.

Vor wenigen Jahren hatte Maria Brück ihr lebenslanges künstlerisches Schaffen so erklärt: „Der schöpferische Künstler braucht einen inneren geistigen Auftrag, der ihn durch Konflikt und Spannung zur Reife führt. Will der Künstler nicht stehen bleiben, so erfordert dieser Prozess steten Einsatz, Disziplin und andauerndes, intensives Arbeiten.“

All das hatte die Künstlerin so für sich verinnerlicht. Als dritte von fünf Töchtern am 28. September 1913 in Hechingen geboren, begann sie schon früh zu malen. Zu der Zeit, als sie in das elterliche Konfektionsgeschäft Kohle eintrat, eine Damenschneiderlehre absolvierte und die Meisterprüfung ablegte.

Die ersten Landschaftsmalereien in Öl, Stilleben und Selbstportraits stammen aus dieser Zeit. Maria Brücks Mutter erkannte die kreative Begabung ihrer Tochter schnell – und förderte sie nach Kräften.

Die Eheschließung mit dem Buchdrucker und Schriftsteller Hans Brück im Jahr 1936 ebnete Maria Brück den weiteren Weg ihres Kunstschaffens. Zwischen 1943 und 1945 war sie Schülerin des Kunstmalers Paul Kälberer in Glatt; später, in den Jahren 1947 und 1948, besuchte sie dessen Bernsteinschule.

Als Mutter zweier Söhne entdeckte Maria Brück durch ihr autodidaktisches Studium der Psychologie, Graphologie und Chirologie (die Kunst des Handlesens) neue Ausdrucksformen für sich; sie entwickelte andere Perspektiven und Sehweisen, die in ihren Arbeiten zum Ausdruck kamen. Einmal sagte sie: „Ich bevorzuge die graphische Sprache, deren rhythmische Strichführung eine Wechselwirkung von Spannung und Lösung erzeugt. Eine Konzentration von Linien und Strichen, die sich sammeln und überkreuzen, schafft Spannung, die Lösung erfolgt dann durch weit ausschwingende Bögen und Kreise.“

Künstlerische Erfolge (mit Ausstellungen im In- und Ausland) und gleichermaßen künstlerisches Engagement kennzeichneten den Lebensweg von Maria Brück. Seit 1954 war sie Mitglied im Verband Bildender Künstler Württemberg, schon zwei Jahre früher war sie Mitbegründerin der Hechinger Künstlergilde und in den Jahren 1973 bis 1978 deren Vorsitzende. Schon vor sehr langer Zeit ernannte sie die Künstlergilde zu ihrer Ehrenvorsitzenden.

„Sinnbilder“ nannte Maria Brück ihre Werke, die sie den Betrachtern stets gerne erklärte. Sich selbst beschrieb sie als einen „tiefblickenden Menschen“, jeden Einzelnen als „vielschichtiges Wesen“. Wer die Künstlerin persönlich kannte, erlebte sie als Grande Dame mit Charme und Witz. So wird sie in Erinnerung bleiben.

Die Trauerfeier für Maria Brück findet am Freitag, 8. Februar, um 11.30 Uhr auf dem Friedhof Heiligkreuz in Hechingen statt.

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