Fische Marc Heinz importiert Koi-Karpfen aus Japan nach Weilheim

Elena lockt Papas Kois herbei. Die Zuchtkarpfen kommen aus Japan, fühlen sich aber in Weilheim bei Familie Marc Heinz pudelwohl. Pudel? Stimmt, streicheln lassen sie sich auch.
Elena lockt Papas Kois herbei. Die Zuchtkarpfen kommen aus Japan, fühlen sich aber in Weilheim bei Familie Marc Heinz pudelwohl. Pudel? Stimmt, streicheln lassen sie sich auch. © Foto: Privatfoto
MATTHIAS BADURA 13.08.2016
Hält man die Hand ins Wasser, kommen sie angeschwommen wie Piranhas. Aber Mark Heinz Kois wollen nicht beißen, sie wollen gestreichelt werden.

Von irgendwoher kam der Tipp: Marc Heinz, der mit seiner Familie in Weilheim lebt, hält auf seinem Wohngrundstück japanische Koi-Karpfen, die er wohl auch im größeren Stil an Liebhaber verkauft. Wäre das nicht mal eine Reportage wert?

In der Tat! Marc Heinz züchtet also in Weilheim japanische Karpfen? Donnerwetter! Doch dazu befragt lächelt der 38-Jährige Wahl-Weilheimer nachsichtig. Er züchtet sie nicht selbst, sondern importiere sie. Und das, sagt er, müsse auch so sein: „Ein Mercedes kommt aus Deutschland, ein Rolls Royce kommt aus England und ein Koi kommt aus Japan!“ Alles andere sei billig kopiert oder schlecht nachgemacht. Freilich gebe es europäische Züchtungen, doch nur das Produkt aus dem klassischen Ursprungsland, dem Lande der aufgehenden Sonne, trage den Stempel des Authentischen. Alles andere erreiche nie die Klasse des Originals.

Jedes Jahr im Februar fliegt Marc Heinz einmal für eine Woche nach Japan. Er trifft sich dort mit einem Agenten und besucht mit ihm in der Präfektur Niigata verschiedene Koi-Züchter. Die Präfektur Niigata, das ist das Mekka der Koi-Zucht. Heinz sichtet, wählt aus und sendet umgehend Fotos an seine deutschen Kunden. Viel von dem, was er in bis zu 15 Spezialbehältern nach Hause schickt, ist vorbestellt und schon verkauft, ehe er den Flieger für die Rückreise betritt.

Die übrigen Tiere hält er in seinem Zierteich vor dem Wohnzimmerfenster oder in Bassins. So gut wie alle Fische überleben den Flug, in Weilheim angekommen müssen sie jedoch zunächst für fünf Wochen in Quarantäne und werden zudem vom Veterinäramt untersucht. Anschließend braucht der 38-Jährige nicht lange auf Kundschaft warten, die Zuchtkarpfen, die so märchenhaft schillern und leuchten, sind begehrt.

Für einen Koi kann man je nach Farbe und Wuchs bis zu 50 000 Euro ausgeben. Man kann, muss aber nicht. Es gibt sie in allen Preisklassen. Die kleinen, die kein ausgeprägtes Wachstumspozentail haben, sind schon für 30 Euro zu haben. Japanische Koi-Enthusiasten würden diese Kümmerlinge keines Blickes würdigen, aber vielen Gartenteichbesitzern hierzulande sind sie gut genug. Sie erachten es als Vorteil, dass die Fische nicht mehr größer werden. Ein ausgewachsener Koi kann bis zu 100 Zentimeter messen und bis zu 50 Jahre alt werden. Den Aufwand, den man betreiben muss, um die Tiere gesund zu halten, sollten Käufer jedoch nicht unterschätzen, warnt der Weilheimer. Kois brauchen sauberes Wasser und bevorzugen eine ganz bestimmte Wassertemperatur. An den Ausgaben für Filter und Pumpe sollte man nicht sparen.

Fühlen sich die Asiaten erst einmal heimisch, gewinnt man Hausgenossen, die eine meditative Ruhe ausstrahlen. Zutraulich sind sie ebenfalls, hält man die Hand ins Wasser, kommen sie angeschwommen,  um sich streicheln zu lassen. „Der Koi“, sagt Heinz lachend, „das ist der Hund mit Schuppen“. Kein Wunder sind seine beiden Töchter von Papas Flossentieren absolut hingerissen.

Mehr auch hier: Wie Marc Heinz zum Koi-Enthusiasten wurde