Hechingen Mann schlägt Ex mit brachialer Gewalt

Ein Mann richtete seine Ex übel zu.
Ein Mann richtete seine Ex übel zu. © Foto: dpa/Jan-Phillipp Strobel
Hechingen / Melanie Steitz 07.12.2018
Auf brutalste Weise hat ein Mann seine junge Ex-Frau gedemütigt. Der Fall wurde vor dem Amtsgericht verhandelt.

Was nach der Horror-Geschichte eines abgefahrenen Psycho-Krimis klingt, hat sich vor drei Jahren im unteren Killertal zugetragen. Eine junge Frau wurde auf brutalste Weise von ihrem Ex-Mann in einem Auto angegriffen und verfolgt. Der heute 31-Jährige stand deshalb am Donnerstag vor dem Amtsgericht Hechingen.

Das Verfahren wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung gegen Auflage eingestellt. Der 31-Jährige muss demnach sechs Termine eines Anti-Aggressionskurses innerhalb von sechs Monaten absolvieren und sechs monatliche Raten zu je 250 Euro – also insgesamt 1500 Euro – an den Balinger Verein „Frauenhaus Zollernalbkreis“ entrichten.

Laut Anklageschrift waren der Täter und das Opfer am 24. Juli 2015 gegen 21 Uhr in einem Auto auf der B 32 unterwegs. Beim Ortsbeginn Schlatt aus Richtung Hechingen kam es demnach zum Eklat. Der damals 28-Jährige schlug den Kopf seiner Ex gegen die Windschutzscheibe, zog an ihren Haaren und biss ihr ins Gesicht. Die Frau stieg aus, wollte fliehen, doch kam nicht weit. Er haute ihren Kopf mehrfach auf die asphaltierte Fahrbahn. Die Folgen: Ellbogen- und Fußprellungen sowie ein Schädelhirntrauma. Die Frau wurde in einer Klinik stationär behandelt.

Der Angeklagte machte zwar keine Angaben zur Tat, aber zu seiner Person. Demnach sei er mit fünf Schwestern aufgewachsen und habe eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann absolviert. Kurz vor dem 18. Geburtstag bekamen er und seine Ex-Frau eine Tochter. Drei Jahre später wurde geheiratet, 2015 geschieden. Seine Drogentherapie schloss er erfolgreich im Juli 2017 ab und im Februar möchte er beginnen, eigenständig für den Unterhalt seiner Tochter aufzukommen. Er hat zudem 10 000 Euro Schulden.

Die Ex-Frau des Angeklagten, eine 30-jährige Kinderpflegerin aus Reutlingen, machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Ihre Rechtsanwältin ließ verlauten, dass die Frau den Strafantrag gegen den Vater ihres Kindes zurücknimmt. Die Staatsanwaltschaft bejahte aber das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung, und so wurde die zweite Zeugin angehört. Die 53-Jährige aus Schlatt hat teilweise gesehen, was sich am 24. Juli 2015 ereignete. Sie habe die Hilfeschreie der jungen Frau auf der Bundesstraße gehört und eilte heraus. Dort sah sie, wie die Mutter stolperte und ein Mann ihren Kopf zwei bis dreimal auf den geteerten Asphalt schlug. „Für mich war das brachiale Gewalt“, erinnerte sie sich vor Gericht.

Dann lief das Opfer auf das Auto zu und holte ihr Kind aus dem Wagen. Im Haus der Zeugen und ihres Mannes fanden die verletzte Mutter und die verschreckte Tochter Zuflucht. Sie ließen sogar die Rollläden hinunter und sperrten die Tür zu, weil die Tochter äußerte, Angst zu haben, dass „der Papa reinkommt“. Die 53-Jährige konnte die Frau zwar zweifelsfrei identifizieren, den Mann aber nicht. „Auf der Straße habe ich ihn nicht erkannt. Es war dunkel, ich habe ihn nur kurz gesehen“, sagte sie. Allerdings habe sie gehört, wie er schrie: „Meine Frau f*** mit einem Anderen.“

Der Verteidiger schlug aufgrund des in einer Reutlinger Kanzlei stattgefundenen Täter-Opfer-Ausgleichs vor, das Verfahren einzustellen. Demnach hatten sich die beiden am 12. Oktober dieses Jahres im Beisein ihrer Anwälte getroffen. Der Angeklagte hatte sich entschuldigt, die Frau nahm dies an und wollte keine Zahlungen. Ein vertrauensvoller Umgang sei wieder möglich. Auch möchte der Ex-Mann für die Anwaltskosten der 30-Jährigen aufkommen.

Vorstrafen des Angeklagten

In zwei Fällen hat sich der Mann schon wegen Körperverletzung an seiner Ex-Frau schuldig gemacht. Einmal lauerte er ihr in der vormals gemeinsamen Wohnung auf und auch im Auto hatte er sie schon geschädigt. 

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