Perspectives: Das Soloprogramm für Mandoline des international konzertierenden Künstlers Alon Sariel führte die Zuhörer in der Villa Eugenia durch vier Jahrhunderte Musik – von Johann Sebastian Bach bis Yasuo Kuwahara.

Die Mandoline, die sich beginnend in Italien und Frankreich seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts mit ihren lieblich-romantischen Tönen einen Platz in der Musikgeschichte sicherte, hat vor allem in den letzten Jahren wieder an Bedeutung in der zeitgenössischen Musik gewonnen.

Sie kann als ein virtuoses Soloinstrument mit ungeahntem Klangspektrum und Effekten gespielt werden. Im Instrumentenbau gab es ebenfalls eine Weiterentwicklung: Die von Arik Kerman in Tel Aviv entwickelte und gebaute Mandoline von Alon Sariel hat zwei ineinander gebaute Körper. Dieser patentierte Aufbau mit der Stimmung einer Geige ergibt eine größere Klangfülle, die in der Akustik der Rotunde exzellent zur Geltung kam. Aufgrund der Qualität benutzt übrigens Kerman in Tel Aviv deutsche Hölzer für den Bau seiner Instrumente.

Musikalisches Zentrum des Abends war Johann Sebastian Bachs (1685–1750) Partita N° 2 in d-Moll BWV 1004, deren einzelne Sätze Referenzpunkte im musikalischen Ablauf waren.

Mit einer zarten Tonfolge begann das Konzert mit der „Allemande“ der Partita, einem Tanz, der auch in der Villa getanzt worden ist.

Es folgte mit „Nikriz Pesrev“ von Ali Ufuki (1610-1675) ein Stück mit orientalischer Melodik aus der Serail-Musik. Pesrev war als ausgebildeter Kirchenmusiker an den türkischen Hof verschleppt worden und hatte dann am osmanischen Hof des 17. Jahrhunderts in Konstantinopel künstlerisch gewirkt.

Die „Courante“ führte mit dem lebhaften Fluss dieses Tanzes wieder zu Bachs Partita zurück.

Die „Prelude“ von Menachem Zur (*1942), der als Professor in Jerusalem wirkt, brachte mit Elementen der modernen Musik, in die jüdische Melodik eingewoben war, einen neuen Höhepunkt. Mit Bachs „Sarabande“ mit ihrer harmonisch-ruhigen Ausstrahlung wurde dann ein auffälliger Kontrast dazu geschaffen.

Die „Asturias“ von Isaac Albéniz (1860–1909) mit ihrem temporeichen Beginn, einem ruhigem Mittelteil und furiosen Schlussakkorden führte in die spanische Musik des Jahrhunderts nach Bach.

Mit der folgenden „Gigue“ hat Bach englische Tanzmelodien verarbeitet.

„Jongara“ von Yasuo Kuwahara (1946-2003) brachte die Zuhörer nach Japan zu einem Fest, bei dem die Musiker ein mandolinenähnliches Instrument spielen, bis ihnen die Finger bluten. Diese japanische Tonalität gab Sariel mit der Verwendung eines Plektrons wieder – die Fingerkuppen wurden verschont.

Mit der „Chaconne“ der Partita wurde als Abschluss alles umspannend ein weiterer musikalisch-kontemplativer Höhepunkt eines außergewöhnlichen Programms dargeboten, das neue Perspektiven auf dieses wunderbare Instrument eröffnet.

Langer Applaus belohnte den Künstler, der aus dem Gedächtnis und konzentriert mit geschlossenen Augen sein umfangreiche Programm dargeboten hatte. Dieses weitere Konzert von Sariel in Hechingen erweckte den Wunsch nach einer Fortsetzung. Sariel stand anschließend noch zu Gesprächen und auch zur Signierung seiner CD, die viele als Erinnerung erwarben, zur Verfügung.

Das nächste Konzert beim Villa-Kulturverein


Liebe und Krieg: „Amor e guerra“ lautet das Motto des Konzertes am Freitag, 28. Juni, um 20 Uhr in der Villa Eugenia. Prof. Jan van Elsacker (Tenor) und Thomas Boysen (Laute und Theorbe) spielen englische Lautenlieder und Musik des italienischen Frühbarocks.