Hechingen Männer füllen Ladies-Lücke auf dem Center Court

Hechingen / BERND ULLRICH 13.08.2012
Wer am vorletzten Tag der Hechingen Ladies Open die Tennisanlage betrat, traute seinen Augen nicht: Zwei Herren neben zwei Damen auf dem Hauptplatz - ein Novum in der 15-jährigen Geschichte des Turniers.

Des Rätsels Lösung: Weil sich die an Nummer eins gesetzte Turnierfavoritin Kirsten Flipkens aus Belgien nach ihrem Viertelfinalsieg überraschend aus dem Turnier zurückgezogen hatte (die HZ berichtete), erübrigte sich eine der für Samstagnachmittag vorgesehenen Halbfinalpartien. Kurzfristig erklärten sich die beiden spielfreien Damen Natelja Dzalamidze und Renata Voracova zu ein gemischtes Doppel bereit. Aber woher bei einem Damenturnier schnell zwei Tennisspieler hernehmen? Hier sprangen ebenso unproblematisch Markus Spieler (aus der Herren-40- Regionalliga) und Andreas "Andy" Fechter vom TEC Waldau (Württembergliga Herren 30) ein.

Als Schiedsrichterin bei diesem "Exhibition Match" fungierte die Olympia-erfahrene Isabell Seefried, die Moderation übernahm Turnierdirektor Thomas Bürkle. Auf die ungewöhnliche Beinkleidung der Herren angesprochen, erklärte die Dame mit dem unbestechlichen Auge, dass die Hosen zwar nicht den offiziellen Regeln entsprächen, man aber aufgrund der Kurzfristigkeit eine Ausnahme mache.

Für Spaß war auch sonst gesorgt: Nachdem Fechter wegen eines Fußfehlers seinen Aufschlag verloren hatte, forderte er einen Schiedsrichterwechsel. Dem Antrag wurde ganz unbürokratisch stattgegeben: Ballmädchen Leonie Baumgärtner, 14 Jahre jung, erklomm den Stuhl und leitete von da an das Spiel, während Isabell Seefried in der Ecke stehend nach den Bällen schaute. Verkehrte Welt.

Die gute Leonie ließ sich trotz intensiver Verunsicherversuche seitens eines Spielerpaares nicht aus dem Konzept bringen löste ihre Schiedsaufgabe souverän. Gespielt wurde auf zwei Gewinnsätze, wobei der dritte Satz als Tiebreak gespielt wurde. Das Duo Dzalamidze/Fechter setzte sich mit 4:2/2:4/8:6 durch.

Für die Herren war dieses Match eine besondere Herausforderung. Sich nicht selber um die Bälle kümmern zu müssen, heißt auch keine Verschnaufpause zu haben. Zudem bedeutet das Bewusstsein, vor Publikum zu spielen, mehr Konzentration und mehr Anspannung. Schließlich will man ja auch vor den Zuschauern zeigen, was man kann. Und noch etwas kommt durch. Fechter: "Man spielt weniger aggressiv, platziert die Bälle anders. Schließlich will man die Dame gegenüber ja mit einem Flugball nicht abschießen. Man denkt mehr nach, wohin man schießen soll." Trotz aller Ungewohntheiten hat es allen Beteiligten viel Spaß gemacht. Und dem Publikum ebenfalls, wie die Reaktionen deutlich zeigten.

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