Hechingen Macher von "Die Kirche bleibt im Dorf" bezaubern Kinopublikum beim Frage-Antwort-Spiel

Hechingen / MATTHIAS BADURA 27.08.2012
Dass "Die Kirche bleibt im Dorf" in Hamburg vergangene Woche eine glänzende Premiere feierte, ist nicht ganz so wichtig. Viel entscheidender ist: Der Film kam am Sonntag in Hechingen mächtig gut an.

Kurz vor Beginn der Vorstellung im "Schwanen"-Kino - die Filmschaffenden mit Regisseurin Ulrike Grote an der Spitze waren schon eingetroffen - hörte man es tuckern. Ein Kramer-Traktor aus den 50ern bollerte heran. Die Besatzung darauf schien dem Film entsprungen zu sein, war stilecht gewandet. Das Publikum, das vor dem "Schwanen" auf Einlass wartete, zückte die Handys, schoss Fotos. Ein Publicity-Gag des Filmherstellers? Nein. Mitglieder der Gambro-Walkinggruppe hatten sich den Spaß einfallen lassen. Kinobetreiber Ralf Merkel war informiert und hatte für die Truppe eigens einen Ehrenparkplatz direkt vor dem Haus reserviert.

Regisseurin Ulrike Grote, die Schauspieler Ulrich Gebaur und Stephan Schad sowie Produzentin Ilona Schultz und Verleihchef Kamran Sardar Khan stellten sich im Kinosaal nur kurz vor, gaben dann die Bühne frei, um jedoch nach dem Schlussakt dorthin zurück zu kehren und mit dem Publikum zu plaudern.

Die Zuschauer - überwiegend im mittleren und gesetzten Alter, Teenager sah man wenige - erlebten anderthalb heitere Stunden. Beständiges Gelächter füllte den Saal. Niemand verließ den Raum, als die Handlung zu Ende war, alle blieben während des Abspanns sitzen. Und wurden dafür schon allein dadurch belohnt, als ganz zum Schluss Wolle Kriwaneks "Reggae di uff" ertönt.

Zunächst etwas schüchtern, traute sich das Publikum bald, seine Fragen zu stellen. Welche der Schauspieler sind Schwaben? (Bis auf den "Amerikaner" alle.) Wie viele Tage wurde gedreht? (30). Wo wurde gedreht? (In Emmendingen, bei Ofterdingen und in Hamburg.) Wer schrieb das Drehbuch? (Ulrike Grote). Was war das künstlerische Vorbild? (Werner Herzogs Kultklassiker"Fitzcarraldo".) Wie entstand die Idee zu diesem Film? Durch eine Blödelei unter Schauspielern in Hamburg.

Besonders interessiert zeigten sich die Kinogänger natürlich an der Frage, ob es einfach war, einen Film zu produzieren, in dem konsequent schwäbisch gesprochen wird?. Tatsächlich wars das nicht. Mehrere Geldgeber seien angesprungen, hätten aber sofort gefragt: "Kann man das nicht auf bayerisch machen?". Spätestens nach der Premiere, bei der sich zeigte, dass man die "Kirche im Dorf" auch in Hamburg versteht, waren alle Zweifel ausgeräumt. Der Film ist ein Bombenerfolg, ist, in Besucherzahlen gemessen, bereits am Kassenschlager "Ted" vorbei gezogen. Zumindest in Baden-Württemberg. Beifall begleitete die Antworten. Die Filmgruppe war so unverkrampft, lustig und charmant, dass man sie am liebsten mit nach Hause genommen hätte. Aber vielleicht war es doch besser, sich den Film anzuschauen. Gleich nochmal.

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