Kirche Liturgie nach alter Preußenweise

Bezirkskantor Wolfgang Ehni übte am Mittwochabend mit dem Hechinger Projektchor für Altpreußische Liturgie.
Bezirkskantor Wolfgang Ehni übte am Mittwochabend mit dem Hechinger Projektchor für Altpreußische Liturgie. © Foto: Antonia Lezerkoss
Hechingen / Antonia Lezerkoss 03.02.2017

Aus Anlass des 500-jährigen Reformationsjubiläums soll mit der Gottesdienstfeier nach der traditionellen „Liturgie der Altpreußischen Union“ die Besonderheit der evangelischen Kirchengemeinden in Hohenzollern wiederbelebt werden. Ihr wesentliches Merkmal besteht darin, dass im Gegensatz zu der in Württemberg dominierenden Grundform des protestantischen Prädikantengottesdienstes wesentliche Elemente – ähnlich wie bei der katholischen Messe – musikalisch von einem Chor idealerweise ohne Instrumentalbegleitung intoniert werden.

Diese Spezialität hat ihre Wurzeln in der preußischen Vorgeschichte der hohenzollerischen Lande. König Wilhelm III. von Preußen führte 1821 eine musikalisch von der Ostkirche beeinflusste neue Gottesdienstordnung ein: die „Agende für die evangelische Kirche in den Königlich Preussischen Landen“. Als das Fürstentum Hohenzollern 1851 zu Preußen kam, galt diese „Agende“ ebenfalls für dieses Gebiet.

Nach dem Untergang Preußens im Gefolge des Zweiten Weltkriegs wußte niemand, was aus der ehemals zur „Altpreußischen Union“ gehörenden Kirche mitten im Württembergischen werden sollte. Daher beschloss die hohenzollerische Kreissynode am 27. Januar 1950 einstimmig die Eingliederung in die Evangelische Kirche Württembergs.

Die Passage „Besonderheiten der bestehenden Gottesdienstordnung können erhalten bleiben, solange sie es wünschen“, Vertragsbestandteil der Eingliederung der hohenzollerischen Kreissynode in die Evangelische Kirche Württembergs, erklärt, warum in Württemberg noch sieben Gemeinden (Bisingen, Dettingen, Haigerloch, Hechingen, Rangendingen, Ostrach und Sigmaringen) nach der Altpreußischen Liturgie Gottesdienst feiern dürfen. In Vorbereitung des Gottesdienstes am Sonntag, 12. Februar, in der Hechinger Johanneskirche studierte ein Projektchor, geleitet von Bezirkskantor Wolfgang Ehni, am Mitt­wochabend das wenig alltägliche, doch wohlklingende vierstimmige kirchenmusikalische Werk nach altpreußischer Tradition ein. Es stammt aus der Feder der deutschen Komponisten Carl-Friedrich Zelter und August Eduard Grell sowie des ukrainischen Kirchenmusikers Dmirtri Bortnjanski. Ähnlich den römischen Kirchentonarten (Modi) handelt es sich dabei um eine eigene Verbindung von Tonart und melodischer Formel, die maßgeblich die Melodiebildung prägen. Als der klassische Vertreter dieser Stilrrichtung hatte unter anderen Dmitri Stepanowitsch Bortnjanski (1751–1825) großen Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Kirchenmusik im 19. Jahrhundert.

Mit Schwung und Disziplin begaben sich die rund 20 versierten Sängerinnen und Sänger auf Entdeckungsreise in eine neue, musikalische Welt. Und sehr schnell hatten sie das besondere Wesen der auf byzantinischem Ritus beruhenden und stark von orthodoxer Kirchenmusik beeinflussten Tonschöpfung ergründet.

Die Aufführung der Altpreußischen Liturgie

Der Gottesdienst, in dem das Werk aufgeführt wird, findet am Sonntag, 12. Februar, um 10 Uhr in der evangelischen Johanneskirche von Hechingen statt.

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württembergische Gemeinden (Bisingen, Dettingen, Haigerloch, Hechingen, Rangendingen, Ostrach und Sigmaringen) dürfen noch nach der Altpreußischen Liturgie feiern.

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