"Das läuft ja wie geschnitten Brot", sagte Nadine Ottenbreit und freute sich über den Andrang auf der kleinen Bühne im "Fecker". Denn ein interaktiver Leseabend lebt nun mal vom Mitmachen - und das "Fecker" war am Donnerstagabend nicht nur voll mit Zuhörern, sondern auch mit Mutigen, die ihre Gedichte und Geschichten zum Motto "Literarischer Frühling" vorlasen.

Erlaubt war alles: Klassisches, Romantisches, Schwäbisches, Selbstverfasstes und natürlich auch Lustiges. "Es geht hier nicht um Leistungsdruck, sondern um den Spaß", sagte Nadine Ottenbreit. Die Vorsitzende der Kulturfreunde Hechingen und Anke Gärtner, Kultur-Fachfrau in der Hechinger Stadtverwaltung, hatten den Leseabend organisiert, "weil Literatur bisher in Hechingen ein bisschen stiefmütterlich behandelt wird". Bewusst haben sie das urige und lockere Ambiente der Altstadtkneipe gewählt. Denn: "Literatur ist vielseitig und das zeigt heute Abend auch die bunte Mischung des Publikums", sahen sich Ottenbreit und Gärtner in ihrem Konzept bestätigt.

Die Organisatorinnen schritten mutig voran und eröffneten den Literaturreigen mit einer dadaistischen Kurzgeschichte über einen Floh im Pelz. "Glück ist einfach ansteckend", war die Botschaft. Die Lust am Lesen war es auch, denn der kleine Thron auf der Fecker-Bühne war daraufhin ein beliebtes Plätzchen. Petra Spranger ließ Eugen Roth über Frühlingsgefühle sprechen, da gab es dann schon einiges zu lachen sowie auch bei dem Gedicht "Der Trinker im Frühling".

Einen der Gäste zog es dank des interaktiven Leseabends nach über 40 Jahren wieder ins "Fecker" - "nachdem ich Anfang des Jahres aus Norddeutschland zurückgekehrt bin, musste ich einfach hier her", erzählte er und hatte zwei selbstverfasste Gedichte dabei. Er war nicht der einzige Poet, der seine eigenen Reime vortrug: Einige Talente zeigten ihre lyrische Ader. Aber auch der Frühlings-Klassiker von Eduard Mörike "Er ist's" kam beim Publikum gut an sowie schwäbische Zeilen von Sebastian Blau zum Thema "Frühjahrsputz". Auch Hechingens Stadtbaumeisterin Helga Monauni ließ es sich nicht nehmen, ein paar Zeilen vorzulesen. Passend zum Thema servierte das "Fecker"-Team Frühlingsboten von der Speisekarte.

Ursprünglich sollte Jochen Lanius den Abend musikalisch umrahmen. Er musste absagen. Doch sein Ersatz, Sängerin Gitte Müller aus Kirchentellinsfurt, war das Sahnehäubchen auf dem gelungenen Abend. Mit hintersinnig, lustigen Songs auf Schwäbisch wie "Kartoffelsalat" und »I dät, i dät - wenn i khed« sang sie sich in die Herzen des Publikums - und das sang schließlich bei den Refrains kräftig mit und wollte gar nicht mehr aufhören.

Bei so viel Stimmung und guter Unterhaltung ist eine Fortsetzung doch ein Muss, oder? "Der Leseabend soll wiederholt werden", sind sich Nadine Ottenbreit und Anke Gärtner einig. Die Leseabend-Premiere hat das Team in seiner guten Zusammenarbeit bestätigt.