Hechingens Bürgermeister Philipp Hahn hatte auf ihn gesetzt: Ernst Strudel, Landwirt, Pferdepensionsbetreiber und Lindich-Nachbar als Besitzer des Hausener Hofes, wollte sich beim Zwangsversteigerungstermin vor dem Amtsgericht Hechingen am Dienstagmorgen das Baracken-Areal auf dem Lindich sichern. Doch er bot zu wenig. Mit seiner Offerte von 400 000 Euro verfehlte Strudel das Mindestgebot von 512 850 Euro, die Hälfte des Verkehrswertes. Das bedeutet: Es ist noch kein Zuschlag erteilt, und es wird - voraussichtlich in einem halben - Jahr einen weiteren Zwangsversteigerungstermin geben.

Dass Strudel nicht genug bot, ist offenbar seiner mangelnden Erfahrung bei derartigen Veranstaltungen zuzuschreiben. Eigentlich, so sagte er im Anschluss an den Gerichtstermin der HZ, hätte er erwartet, von der Rechtspflegerin noch einmal darauf hingewiesen zu werden, dass ein Gebot nötig sein, das 50 Prozent des Verkehrswertes überschreitet. Rechtspflegerin Doris Lohmüller, die die Versteigerung leitete, blieb aber im „Zum ersten, zum zweiten, zum dritten“-Modus und bot keine weitere Stütze. So verstrich die 30-minütige Bietfrist, ohne dass ein wirksames Gebot abgegeben wurde.

Ernst Strudel will aber beim nächsten Termin wieder dabei sein und hofft, sich dann den Zuschlag sichern zu können. Das hofft auch Bürgermeister Hahn, der den Besitzer des Hausener Hofes als „einzigen professionellen Interessenten zwischen vielen Glücksrittern“, die sich im Vorfeld nach dem Gelände erkundigt hätten, schätzt. Strudel, so Hahn, sei ein „sicherer Partner der Stadt“, die auf dem Barackenareal „keine eigenen Ambitionen“ verfolge.

Konkrete Pläne für das Areal, das so groß ist wie drei Fußballfelder, hat auch Strudel nicht. Sein Interesse sei in erster Linie, das Gebiet als direkter Nachbar unter Kontrolle zu bekommen. Schließlich habe er „schlechte Erfahrungen gemacht“. Was er damit meint: Von dem italienischen Geschäftsmann, dem das Gelände bisher gehört (und gegen den sich das Zwangsvollstreckungsverfahren, das die Kreissparkasse Tübingen initiiert hat, richtet) war Strudel auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt worden. Der Landwirt hatte dem Fürst von Sigmaringen die Zufahrt zum Ruheforst verkauft, worin der Italiener den K.o. für seine eigenen Hotelpläne sehen wollte.

„Ein Hotel werde ich sicher nicht bauen“, sagte Strudel gegenüber der HZ. Er könnte sich aber vorstellen, Pferde auf dem Gelände grasen zu lassen, wenn die baufälligsten der alten Polizeibaracken abgerissen sind.

Indes: Durch die bisherige Ergebnislosigkeit des Verfahrens erhalten auch alle anderen Interessenten eine neue Chance, bei der Neuauflage des Termins ein Gebot abzugeben.