In Heinrich von Kleists „Der zerbrochne Krug“ geht es um Recht und Gerechtigkeit, um Macht und Machtmissbrauch und um private Verstrickungen des Dorfrichters Adam, der am Ende seinen Stuhl räumen muss. Was läge für ein Theater näher, als diesen klassischen Stoff der deutschen Literatur in einem Gerichtssaal zu spielen? Genau das tut das Melchinger Theater Lindenhof in diesem Jahr gleich mehrfach im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit dem Stuttgarter Justizministerium.

Einer der Spielorte ist der Schwurgerichtssaal des Hechinger Landgericht. Dort stellten Justizminister Guido Wolf und Lindenhof-Intendant Stefan Hallmayer am Dienstag das Projekt vor. „Wir wollen die Justiz für die Bürger öffnen“, sagte der Minister. Das Theaterprojekt sei ein Baustein davon. Es biete die Chance, die Gerichtssäle unter kulturellen Vorzeichen kennen zu lernen. Stefan Hallmayer sieht den Auftritt der Lindenhöfler in Gerichtssälen als „Respektsbekundung an den demokratischen Rechtsstaat und seine Organe.“ In Zeiten wie diesen, da viele Menschen aus Angst vor Veränderungen die Vergangenheit verklärten, sei es Aufgabe der Kulturschaffenden, sich in den Dienst der Demokratie zu stellen. Insofern hätten Theater und Gerichte „sehr viel miteinander zu tun“.

Premiere in Stuttgart Finale in Hechingen


Fünfmal spielt der Lindenhof Heinrich von Kleists „Der zerbrochne Krug“ in diesem Jahr in Gerichtssälen: am 9. und am 11. Mai im Amtsgericht Stuttgart, am 29. Mai im Landgericht Rottweil, am 31. Oktober im Amtsgericht Esslingen und schließlich am Mittwoch, 6. November, um 20 Uhr im Landgericht Hechingen. Der Vorverkauf läuft. Drei Freiluft-Gastspiele gibt es im Sommer auf Burg Hohenzollern.