Hechingen Letzte Woche bei Olympia in Wimbledon, jetzt bei den Ladies Open

Für Isabell Seefried sind die Ladies Open in Hechingen ein Heimspiel.
Für Isabell Seefried sind die Ladies Open in Hechingen ein Heimspiel.
Hechingen / BERND ULLRICH 09.08.2012
Vom Tennis bei den Olympischen Spielen in London zu den Ladies Open nach Hechingen: Schiedsrichterin Isabell Seefried berichtet.

24 Jahre jung und schon Weltreisende in Sachen Tennis: Die deutsche Schiedsrichterin Isabell Seefried aus Baiersbronn ist als Linienrichterin in Wimbledon bei den Olympischen Spielen im Einsatz gewesen. Seit Dienstag dieser Woche sitzt sie bei den Hechinger Ladies Open wieder auf dem Schiedsrichterstuhl.

Wie kommt man dazu, Schiedsrichterin zu werden?

ISABELL SEEFRIED: Das war so gar nicht geplant. Ich habe selber Tennis gespielt - mit sehr überschaubarer Karriere - und als beginnender Teenager im Alter von 14 Jahren als Linienrichterin fungiert. Ich bin dann von einem WTB-Mitglied gefragt worden, ob ich nicht auch einmal als Schiedsrichterin tätig sein möchte. Und das hat mich dann schon gereizt.

Dann kommt man doch aber nicht gleich nach Wimbledon und zu den Olympischen Spielen?

SEEFRIED: Nein, natürlich nicht. Ich habe eine Ausbildung, gemacht, Seminare besucht und war 2009 auf der Internationalen Schiedsrichterschule in Kairo. Dort habe ich das White Badge erhalten. Das bedeutet, dass ich bei Grand -Slam-Turnieren eingesetzt werden kann. 2011 habe ich das Bronze Badge bekommen. Und damit hatte ich die Möglichkeit, als Linienrichterin bei den Halbfinals und auch Endspielen bei den Olympischen Spielen in London zu agieren. Ich hatte mich dafür beworben, die Entscheidung über meine Teilnahme erfolgte über ein Ranking.

Bleiben wir bei den Olympischen Spielen in London. Kurz: Wie wars?

SEEFRIED: Gigantisch! Fantastisch! Ich war fasziniert von Olympia und bin es noch immer. Ein schier unbeschreibliches Gefühl, dabei gewesen zu sein. Mich überlief mehr als einmal eine Gänsehaut. Dabei bestand das Publikum nicht unbedingt aus lauter Anhängern des Tennissportes. Viele wollten einfach nur bei der Olympiade dabei sein. Aber das tat dem tiefen und wunderbaren Gefühl keinen Abbruch.

Haben Sie aus London außer großem Gefühl noch mehr mitgebracht?

SEEFRIED: Natürlich. Zwei T-Shirts, eine Tasche, Schlüsselanhänger etc. Alles mit Olympiaemblem. Zudem habe ich ein Zertifikat und eine Münze von offizieller Seite erhalten.

Kommen wir nochmals aufs Tennis zurück. Lieber bei Männern oder Frauen schiedsen?

SEEFRIED: Es gibt keine eindeutige Vorliebe, in Nuancen vielleicht lieber bei Männern. Die Zeiten eines McEnroe, der dem Schiedsrichter das Leben schwer machte, sind vorbei. Aber dessen ungeachtet habe ich einfach unparteiisch zu sein. Und ich denke, das gelingt mir.

Sie sind noch sehr jung. Wie geht es weiter?

SEEFRIED: Ich möchte schon noch die beiden restlichen Qualifikationsabzeichen - Silber und Gold Badge - machen und damit bei allen internationalen großen Turnieren vertreten sein können. Ich will ganz einfach noch eine ganze Weile die Zugluft der vor mir vorbeifliegenden Bälle spüren. Ich habe viel von der Welt und von fremden Kulturen gesehen, habe mich in anderen Sprachräumen bewegt und viele Erfahrungen gesammelt. Und dafür bin ich dankbar.

Von London nach Hechingen?

SEEFRIED: Ich war 2007 das erste Mal hier und bin seither jedes Jahr nach Hechingen gekommen. Das ist für mich ein Heimspiel. Hier herrscht eine derart familiäre Atmosphäre, die man nicht allzu häufig findet. Alle sind supernett, man kennt sich und schätzt sich. Alles in allem: Ich komme sehr gerne nach Hechingen.

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