Gelungener Auftakt: 60 Abonnenten unserer Zeitung erlebten am Mittwochnachmittag die Premiere der in diesem Jahr von unserem Verlag erstmals angebotenen „Mehrwert-Touren“ unter der Überschrift „meine Heimat“: In zwei Gruppen wurden sie von den beiden Alb-Guides Karl Kast und Irmgard Stooß durch das frühere Alte Lager in Münsingen geführt. „Wir wollen uns damit für ihre jahrelange Treue zu unserer Zeitung bedanken“, sagte Verlagsleiter Tim Hager zur Begrüßung. Die beiden Gruppen tauchten ein in die militärhistorische Geschichte des Ensembles und erfuhren auf anschauliche Weise, wie sich das Areal nach dem Ende der militärischen Nutzung bislang entwickelt hat. Vor gut drei Jahren hat Franz Tress das 72 Hektar große Alte Lager erworben und mit der Sanierung und Umgestaltung zum Albgut – einem Erlebniszentrum mit nostalgischem Charme – begonnen.

Gebaut wurde das Alte Lager im Auftrag des württembergischen Königs Wilhelm II., der 1895 den Truppenübungsplatz eingerichtet hatte. Ein Novum, das der Weiterentwicklung der Waffentechnik geschuldet war. Die Militärs benötigten daher ein eigenes Gelände für die Ausbildung der Soldaten. In Verbindung damit ließ der König in nur ein­einhalb Jahren das Alte Lager bauen. 120 Gebäude wurden errichtet, vorwiegend in Ziegelbauweise, die „vornehmeren“ Häuser wurden mit Tuffsteinen erbaut, erläuterte Kast. So bot das Alte Lager Platz für 3500 Soldaten sowie 2000 Pferde.

Drei Epochen sind für das Militärensemble von Bedeutung: Zunächst die Zeit bis 1918. In der Weimarer Republik spielte das Militär kaum noch eine Rolle. Während des Nationalsozialismus wurde nicht nur der Truppenübungsplatz erweitert, sondern auch die bis dato eingeschossigen Gebäude im Alten Lager zum Teil aufgestockt und durch weitere ergänzt. Letztlich konnten dort bis zu 5500 Mann stationiert werden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs führte die französische Besatzungsmacht bis 1992 Regie im Alten Lager. Zugleich bestand ein Verbindungskommando der Bundeswehr mit Armeeangehörigen und zivilen Mitarbeitern. Die dortigen Unterkünfte wurden von deutschen Soldaten allerdings nur bei Manövern genutzt. „Bei der Übergabe an die Bundeswehr waren offiziell 220 Gebäude verzeichnet“, erläuterte Kast während des Rundgangs.

Die Gäste waren nicht zuletzt von der Ausdehnung der Anlage beeindruckt: „Das hatte ich mir so nicht vorgestellt“. Rund ein­einhalb Stunden lang führten die beiden Guides ihre Gruppen durch das weitläufige Areal. Die Generalbaracke lag genauso an der Route wie das Offizierscasino – „das Sahnestückchen im Albgut“ – oder das Lazarett und der Kohlenhof.

Latrinen ins Bächle

120 Soldaten und 16 Unteroffiziere bewohnten nach der Einweihung des Lagers die eingeschossigen Truppengebäude. „Damals gab es nur Latrinen, die in ein Bächle mündeten, das ins Böttental floss“, erläuterte Kast. In der Mitte befand sich ein Kohleofen. Der Brennstoff wurde mit der Eisenbahn nach Münsingen gebracht und dann auf Pferde- oder Ochsenkarren ins das riesige Vorratslager gekarrt.

Inzwischen nun ist aus dem Alten Lager das Albgut geworden – die vierte Epoche widmet sich der Freizeit und der Erholung in einem nostalgisch charmanten Rahmen. Hochzeitsfeiern und viele andere Feste gehen regelmäßig über die Bühne, die Gäste können heute schon übernachten – Ferienappartements sollen hinzukommen. Im alten Lazarett soll ein Wellnessbereich eingerichtet werden mit Außenschwimmbecken, ein Kleintierzoo sowie Dam- und Rotwildgehege sind ebenfalls geplant. In einem handwerklich genutzten Bereich sind die ersten „Manufakturen“ schon an den Start gegangen, weitere folgen. Und auch die Kunst hat hier Räume gefunden.

Nach der sachkundigen und kurzweiligen Führung wurden die Leser unserer Zeitung durch ein Team des Lagerhauses Dapfen im Café „Königliche Post“ mit feinsten Spezialitäten verwöhnt.

Info Informationen zum Albgut gibt es unter www.albgut.de.