Hechingen Leidenschaft für Musik und Kunst

Hechingen / SWP 14.03.2013
Es ist ein wenig still geworden um Carl Gregor Herzog zu Mecklenburg, der nach dem Tod seiner Frau sehr zurückgezogen in der Villa Silberburg im Fürstengarten lebt. Heute feiert er seinen 80. Geburtstag.

In früheren Jahren ist Dr. Carl Gregor Herzog zu Mecklenburg immer wieder mit Leserbriefen, sei es zum Umwelt- oder Denkmalschatz, sei es für den Erhalt des Fürstengartens, an die Öffentlichkeit gegangen. Doch jetzt lässt die Gesundheit zuweilen zu wünschen übrig und zu Spaziergängen lockt der Fürstengarten mit seinen im Winter verschneiten und vereisten Wegen auch nicht gerade.

Als in den 70er-Jahren in die überwiegend von klassizistischen Bauten geprägte Hechinger Innenstadt die Moderne Einzug hielt und schließlich auch noch das "Neue Schloss" einem Neubau weichen sollte, wurde der damalige Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes aktiv. Der promovierte Kunsthistoriker begann eine Unterschriftensammlung und hatte mit einer Bürgerinitiative Erfolg: Das für Hechingen so prägende Gebäude blieb erhalten. Ohne die jahrelange Inventarisierung der Denkmäler durch den Herzog, die dazu führte, dass auch in Hechingen einige Gebäude und auch der Fürstengarten in das Denkmalbuch aufgenommen wurden, wäre der Boden nicht für private Träger- und Fördervereine bereitet worden - von den Ergebnissen und Erfolgen lebt der Tourismus heute sehr wesentlich.

Der Herzog war Gründungsmitglied des Fördervereins Villa Eugenia. Mehr noch sorgte er sich seit Jahrzehnten um den nur fünf Hektar großen Fürstengarten, der ständig angeknabbert, rigoros durchgeforstet und in seinem Charakter als englischer Landschaftsgarten verändert wird und zum Festplatz für sogenannte Events und zum Parkplatz für Besucher verkommt. Die Herzogin, liebe- und respektvoll in der Bevölkerung "Mausi" genannt, begeisterte sich als eine der ersten für die römischen Ausgrabungen in Stein und war einige Jahre lang im Vorstand des Fördervereins tätig.

Das Herzogspaar war Mitglied der Hechinger Künstlergilde, der Schwiegervater des Herzogs, Franz Joseph Prinz von Hohenzollern gehörte zu den Mitbegründern des heutigen Kunstvereins. Beide betreuten von 1971 bis 1973 im Weißen Häusle im Fürstengarten das Bürgerwehr- und Von-Steuben-Museum. Dabei entstand mit Zeichnungen der Herzogin und Texten des Herzogs das erste illustrierte öffentliche Faltblatt mit einer Führung zu Sehenswürdigkeiten in Hechingen.

Die Malerei spielte im Leben des Herzogspaares eine bedeutende Rolle. Die Herzogin hatte für ihre Ausbildung an der Münchner Kunstakademie selbst sorgen müssen; sie sprühte vor Kreativität und war stets zu Scherzen aufgelegt. Maria Margarete von Hohenzollern pflegte den surrealistischen Stil, illustrierte Kinderbücher und arbeitete freiberuflich für das Deutsche Theater in München sowie eine Zeitschrift des Bayerischen Rundfunks.

Carl Gregor machte sich einen Namen als Porträtmaler. Neben Privatpersonen, dem Haigerlocher Unternehmer und Mäzen Paul Eberhard Schwenk, zählen drei Erzäbte des Klosters Beuron und zwei Rottenburger Bischöfe, zuletzt Walter Kasper, kurz bevor dieser 1999 von Papst Johannes Paul II. zum Kurienkardinal berufen wurde, zu den Porträtierten. Erinnerungsbilder an das geliebte Remplin in Mecklenburg, Schloss Birstein in Hessen und Schloss und Park in Sigmaringen, Landschaftsbilder und figurale Themen zeigen den ganz unverwechselbaren Stil. In Ausstellungen 2003 in Sigmaringen und vor fünf Jahren in Hechingen, war ein Querschnitt durch das Schaffen des Herzogspaares zu sehen.

Während der Tätigkeit des Herzogs in Rottenburg als Leiter des Diözesanmuseums erschien im Jubiläumsjahr 1978 "Das Diözesanmuseum in Rottenburg am Neckar. Gemälde und Plastiken. Katalog und stilkundlicher Führer", den er vor seinem Ausscheiden 1992 noch überarbeitete. Neben privaten Erinnerungen erschienen unter anderem bei Propyläen "Erlebnis der Landschaft und adliges Landleben", bei der Pes-Edition in Haigerloch "Garten und Landschaft gestern und heute".

Musik - vor allem Jazz - bedeutet dem Herzog sehr viel. In Sigmaringen hat er 1954 den Jazz Club Sigmaringen und die J.C. Amateure ins Leben gerufen - eine "Chronik in Wort und Bild", zusammengestellt und nacherzählt zusammen mit Waldemar Scheck, dokumentiert das eindringlich. Carl Gregor Herzog zu Mecklenburg, damals in Fachkreisen "Jazz-Herzog" genannt, war nicht nur Theoretiker mit einer ganzen Reihe von Veröffentlichungen, sondern auch ausübender Musiker. In der Villa Eugenia fanden zwischen 1968 und 1971 insgesamt vier Jazzgespräche mit so bekannten Namen wie Joachim Ernst Berendt, Professor Dietrich Schulz-Köhn und Professor Joe Viera statt. In den Genuss des drummenden Herzogs kamen die Hechinger bei der Gemeinschaftsausstellung mit Bildern seiner Frau und bei einem Sommerfest.

Zum 80. Geburtstag veranstaltet die Gemeinde Inzigkofen zusammen mit dem Bildungswerk am Sonntag, 17. März, um 10.30 im Kapitelsaal des Klosters in Inzigkofen eine Jazz-Matinee mit der Gruppe "Jazzmatics", mit Rudi König (Bass) und Carl Gregor Herzog zu Mecklenburg (Drums).

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