Hechingen Künstler zeigen Lebensräume im Dreierpack

Werke des Stuttgarter Künstlertrios Günther Kälberer, Ulrich Kälberer und Bruno Witzky (von links) sind jetzt unter dem Titel „Lebensräume“ in der Villa Eugenia zu sehen; und das noch bis zum 22. Juli.
Werke des Stuttgarter Künstlertrios Günther Kälberer, Ulrich Kälberer und Bruno Witzky (von links) sind jetzt unter dem Titel „Lebensräume“ in der Villa Eugenia zu sehen; und das noch bis zum 22. Juli. © Foto: Diana Maute
Hechingen / Diana Maute 12.06.2018
Bis zum 22. Juli sind in der Villa Eugenia „Lebensräume“ ausgestellt: Werke dreier Künstler aus dem Raum Stuttgart.

Drei Künstler, drei Persönlichkeiten, drei verschiedene Ausdrucksformen: Seit Sonntag sind in den Ausstellungsräumen der Villa Eugenia Bilder von Günther Kälberer und dessen Sohn Ulrich Kälberer sowie Skulpturen von Bruno Witzky zu sehen. Eröffnet wurde die Schau mit einer Vernissage, die Sandor Sava (Gitarre) und Peter Barth (Saxophon) mit sommerlich-leichten Klängen musikalisch umrahmten.

Wo beginnt das Lebendige, wo das Vergangene? Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch die gezeigten Werke, die sich mit Lebensräumen in all ihren Ausformungen, mit Natur und Architektur aber auch mit Bewegung auseinandersetzen. Die Bilder Günther Kälberers wirken wie eine Aufforderung, die Welt in all ihren Schattierungen zu entdecken. „Seine Landschaften laden zum Spaziergang, Erkunden und Verweilen ein“, stellte Kunstexpertin Aurélie Staiger fest, die in die Ausstellung einführte. In seinen Bildern überfliege der Betrachter im Hubschrauber die Schwäbische Alb, bekomme Lust, die kleinen Treppen emporzusteigen und von einer Anhöhe herab zu blicken.

Die Landschaften setzten sich häufig aus Bildsegmenten zusammen, die zunächst zerstückelt wurden und dann in verschiedenen Ebenen angeordnet worden seien: „Man könnte auch sagen, verschiedenen Stockwerken, die durch Flächen, Linien, Bögen und geometrische Figuren zusammengehalten werden“, konstatierte Staiger. Die Farbkompositionen sind dabei eher verhalten, die Einflüsse des Kubismus unverkennbar.

Dass sich Günther Kälberer neben der Malerei mit Deckfarben technisch vor allem der Radierung verschrieben hat, tritt in den gezeigten Werken deutlich hervor. Den zahlreichen Besuchern der Vernissage brachte der Kunstpädagoge diese graphische Technik durch detaillierte Erklärungen näher.

In Sachen Liebe zur Kunst und Schöpfergabe steht Ulrich Kälberer seinem Vater Günther in nichts nach. In seinen Bildern, die überwiegend in Acryl und Gouache, aber auch in Mischtechnik gestaltet sind, findet sich vor allem die Auseinandersetzung mit dem Thema Vergänglichkeit. „Es überwiegt das Dunkel, es überwiegt die Nacht“, so die Expertin. Diffuses Licht fällt auf alte Gemäuer, Rohre, Schienen und spiegelt sich in Wasserlachen. Alles wirkt verlassen, zurückgelassen, morbid. Wie lange halten die von Menschenhand erschaffenen Bauten, Industriebaracken, Maschinen dem Zerfall noch stand? Wie lange wird das Sein noch dauern? All diese Fragen würden sich angesichts der in Auflösung begriffenen Objekte stellen, unterstrich Staiger. Ein mystischer Schauer à la Edgar Allan Poe stelle sich ein, wenn der Betrachter „dem Sujet der Brüchigkeit begegnet und ein Gefühl der Destruktivität aufkommt.“ Über allem schweben Anklänge an das Vanitasmotiv, ein Verweis auf die Vergänglichkeit des Daseins.

Ganz viel Dynamik steckt hingegen in den aus Bronze, Edelstahl oder Holz geschaffenen Skulpturen des Bildhauers Bruno Witzky. „Sein Werk ist eine Auseinandersetzung mit dem Leben; für ihn ist es wichtig, Momente einzufangen“, betonte die Laudatorin. Familie als Schutzraum ist eines seiner Themen. Bewegungsstudien wie die eines Golfspielers hält er in seinen Figuren ebenso fest. Dabei spielt Witzky auch mit dem Betrachter, lässt etwa das Gesicht der „Dame in Grün“ hinter einer verspiegelten Fläche verschwinden. So wird ihre Persönlichkeit zurückgenommen, der Rezipient kann seine eigenen Gedanken auf sie projizieren. Auch wenn die langgezogenen Figuren „giacomettihafte Inspirationen“ nicht leugneten, sei Witzky ein eigenständiges Oeuvre gelungen, „wo er Grenzen überschreiten und Gefühle darstellen und interpretieren kann.“

Info Die neue Ausstellung in der Villa Eugenia ist bis zum 22. Juli jeweils samstags von 15 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen.

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