Die Bevölkerung nimmt zu, sie wird älter und liebt es deutlich individueller als früher. Und aufgepasst: Bald lassen die Baby-Boomer den Anteil der Älteren wachsen. 2014 gab es in Baden-Württemberg 4 852 961 Haushalte (mit im Schnitt 2,2 Personen pro Haushalt), im Jahr 2018 waren es 5 298 000 Haushalte (mit gerade noch zwei Personen). So viel Erfolg bringt auch Probleme mit sich. Wie lässt sich für all die Menschen ausreichender und vor allem bezahlbarer Wohnraum schaffen? Denn der wird gebraucht, nicht nur im städtischen, sondern genauso im sogenannten Ländlichen Raum. Zu dem ganz klar der Zollernalbkreis gehört.

Perspektive Wohnen – im Ländlichen Raum

„Perspektive Wohnen – im Ländlichen Raum“, so lautete daher der Arbeitstitel einer Fachtagung, zu der die Arbeitsgemeinschaft Ländlicher Raum (siehe Infokasten) am Mittwoch in die Hohenzollernhalle nach Bisingen eingeladen hatte. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung, Planer und Architekten tauschten sich aus, suchten gemeinsam nach neuen Wegen. Wohl wissend, dass diese Aufgabe so etwas wie die „Quadratur des Kreises“ ist, wie Klaus Tappeser betonte. Tappesser ist Regierungspräsident des Regierungspräsidiums Tübingen und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Ländlicher Raum.

Wo wollen die Menschen denn am liebsten wohnen? „In kleinen Landgemeinden“, wie Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut meint. Sie selbst lebt glücklich mit ihrer Familie in Balingen. Das Wohnen im Grünen ist begehrt, es verheißt Ruhe, Idylle, ein Gefühl von Heimat. Hier ist der Feinstaub noch weit weg. Das Stimmungsbild muss nicht unbedingt der Realität entsprechen. Aber es zeige, welche Chancen der Ländliche Raum hat, so Hoffmeister-Kraut.

Fläche ist nun mal endlich

Doch die Flächen auch in ländlichen Regionen sind nun mal endlich. Gewerbe und Wohnraum konkurrieren, der Naturschutz muss berücksichtigt werden. Es kann daher nicht nur neue Baugebiete am Ortsrand geben, sondern es muss auch in der Ortsmitte gewohnt (und gelebt) werden. Dabei gilt es nicht nur, die Ortsmitten als solche zu erhalten, sondern in vielen Fällen überhaupt erst wieder zu aktivieren.

Die Wirtschaftsministerin zählte eine ganze Reihe von, teils  neuen, Fördermitteln auf, die neuen Wohnraum (gerne aus altem) möglich machen sollen. Das fängt bei baurechtlichen Verordnungen an, die vereinfacht wurden (zum Beispiel bei der Frage, wie viele Fahrradstellplätze wirklich notwendig sind) und führt bis zum neuen Grundstückfonds, der Kommunen bei dem Erwerb von Flächen unterstützen soll.

Maute-Areal: 1,6 Hektar mitten in Bisingen

Wie so eine innerörtliche Verdichtung aussehen kann, probiert ja gerade die Gemeinde Bisingen aus. 1,6 Hektar Industriebrache stehen ihr zur Verfügung und können komplett neu geplant werden. Die Gemeinde, so Bisingens Bürgermeister Roman Waizenegger, sei sehr dankbar, mit dem Bereich Maute-Areal (und darum herum) vom Landessanierungsprogramm zu profitieren. Allerdings: Wer im Sanierungsprogramm ist, bekommt keine Mittel aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR). Wenn beides nebeneinander ginge, „wäre uns aus kommunaler Sicht sehr viel geholfen“. Doch rein rechtlich gibt es keine Doppelförderung.

Für eine verdichtete Bebauung sprach sich klar Markus Müller, Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg aus. Es müssen neue Modelle dafür gefunden werden, im Alter bewohnbar. Weitere Fachvorträge und eine Podiumsdiskussion rundeten die Fachtagung ab.

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Arbeitsgemeinschaft Ländlicher Raum im Regierungspräsidium Tübingen


Die Arbeitsgemeinschaft Ländlicher Raum (AGLR) im Regierungspräsidium Tübingen ist eine Interessengemeinschaft, die sich für die positive Entwicklung des Ländlichen Raums Südwürttemberg als Wirtschafts- und Lebensraum einsetzt.

Mitglieder der 1973 gegründeten AGLR sind die Landkreise des Regierungsbezirks (darunter eben auch der Zollernalbkreis) , Städtetag und Gemeindetag, die Regionalverbände, Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern, der Landesbauernverband in Baden-Württemberg, der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Diözese Rottenburg-Stuttgart sowie die Evangelische Landeskirche in Württemberg. Den Vorsitz hat Regierungspräsident Klaus Tappeser.

In Baden-Württemberg zählen rund 70 Prozent der Landesfläche zum Ländlichen Raum. Dort leben 34 Prozent der Bevölkerung, die 30 Prozent der Wirtschaftskraft des Landes erbringen.