Es bleibt dabei: Bürgermeister Philipp Hahn einen - wenn auch wohl mit Erde gefüllten - Hundekotbeutel ins Rathaus zu schicken, erfüllt den Tatbestand der Beleidigung. Das sah am Mittwochnachmittag auch die kleine Strafkammer des Landgerichts Hechingen so. Sie bestätigte das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts gegen den Hechinger Hundehalter, der das Päckchen mit Weichmasse auf dem Tresen von Hahns Vorzimmerdame deponiert hatte: 20 Tagessätze à 30 Euro.

Fäkalprozess schrieb überregional Schlagzeilen

Der Fäkalprozess hat auch überregional Schlagzeilen geschrieben und ist womöglich noch nicht zu Ende. Der Verurteilte hat gegenüber der HZ angekündigt, in Revision gehen zu wollen. Eine solche würde dann vor dem Oberlandesgericht Stuttgart verhandelt.

Richter Volker Schwarz verwarf die Berufung des Hundehalters aus der Überzeugung, dass der Hundekotbeutel keineswegs die Funktion gehabt habe, den Unmut des Angeklagten gegen einen Bußgeldbescheid wegen Verletzung der Leinenpflicht sachlich zu unterstützen. Nein, so sagte Schwarz zum Angeklagten: „Sie wollten damit ein Ausrufezeichen setzen.“ Es sei keine andere Deutung des Vorgangs möglich, als den Empfänger des Beutels – also den Bürgermeister – „mit Fäkalien gleichzusetzen“.

Überraschung: Noch ein zweiter Hundekotbeutel

Daran ändere auch nicht erst im Verlaufe der Berufsungsverhandlung bekannt gewordene Umstand, dass nicht nur der Rathauschef, sondern auch der Leiter der Bußgeldstelle einen Hundekotbeutel auf den Tisch bekommen hatte. Dieser hatte – spontan in den Zeugenstand gerufen – bekannt, dass er sich von der seltsamen Post „nicht persönlich angegriffen gefühlt habe“.

Wie das subjektiv empfunden werde – ob als persönlichen Angriff oder nicht – sei aber irrelevant, beschied Richter Schwarz. Objektiv habe der Angeklagte „auf dem Rathaus seinen persönlichen kleinen Shitshorm veranstaltet“ – und das könne keine akzeptable Umgangsweise sein. Wenn so etwas straffrei bliebe, so Schwarz, dann würde man unweigerlich Nachahmer auf den Plan rufen.

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