Das Urteil der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Hechingen vom 18. Juni 2021, durch das ein 42-jähriger Angeklagter unter anderem vom Hauptvorwurf der Brandstiftung an Gebäuden des Columbus-Verlags in Krauchenwies im Landkreis freigesprochen wurde, ist rechtskräftig geworden.
Dies teilte das Landgericht Hechingen am Dienstag mit.

Brand verursachte Schaden in Höhe von 4,6 Millionen Euro

Die Anklage hatte dem Mann vorgeworfen, am 23. Januar 2020 mehrere Paletten mit Plastikhalbschalen in Brand gesetzt zu haben, die der Herstellung von Globen hätten dienen sollen. In der Nacht waren die Lagerhalle und eine weitere Halle in Vollbrand geraten. In der zweiten Halle hatten sich unter anderem Oldtimer befunden, die durch das Feuer vollständig zerstört wurden. Der Schaden betrug etwa 4,6 Millionen Euro.
Nach einer aufwändigen viertägigen Hauptverhandlung mit 25 Zeugen, drei Sachverständigen, der Auswertung von Telefongesprächen und Videoaufnahmen sowie der Heranziehung von Vorstrafenakten erging der Freispruch nach dem Zweifelsgrundsatz.

Gutachten um Plastikhandschuhe lässt Zweifel aufkommen

Die Beweisaufnahme brachte hervor, dass ein wesentliches Beweismittel der Anklage den Angeklagten nicht belastete. Speziell ging es um den Zustand von Plastikhandschuhen des 42-Jährigen. Ein Gutachter für Brandursachenforschung hatte festgestellt, dass die thermischen Veränderungen an den Plastikschuhen nicht zwingend auf dessen Anwesenheit am Tatort schließen ließen, sondern von einer Grillstelle an einem See stammen könnten.
Zudem war am Ende der Hauptverhandlung bekannt geworden, dass in Tatortnähe neben dem dort wohnhaften Angeklagten im Tatzeitraum weitere Personen gemeldet gewesen waren. Auch dieser Umstand erschütterte den bei Anklageerhebung gegen den Beschuldigten gehegten Verdacht, wie ein Gerichtssprecher mitteilte.
Columbus mit seinen etwa 40 Mitarbeitern ist eine der führenden Globusmanufakturen der Welt. Das Unternehmen wurde 1909 von Paul Ostergard in Berlin gegründet. 1948 erfolgte der Umzug nach Stuttgart.